Lotto King Karl im Stadtpark: Das ist wie siegen – zumindest ein bisschen
Fußballerisch läuft es nicht beim HSV und der Fuß des Stars ist auch immer noch lädiert. Lotto King Karl absolviert sein 54. Stadtpark-Konzert trotzdem mit Bravour.
Die Bedingungen für den 54. Stadtpark-Auftritt von Lotto King Karl könnten besser sein. Nein, nicht die Wetterbedingungen: Die Sonne scheint, es ist frühsommerlich warm am Samstag im Stadtpark. Auch nicht die Startbedingungen: Die mehr als 4000 Fans haben Bock, Lotto hat Bock: „Wir haben Glück mit dem Wetter, wir haben Glück mit dem Publikum.“ Selbst hinter dem Tresen wird ein bisschen zu „Biersexuell“ mitgewippt, während der „Beer Jet“ sechs Halbe gleichzeitig zapft, dieses Wunderwerk der Ausschanktechnik.
Lotto King Karl im Stadtpark: Man ist trostbedürftig
Nein, es sind die Rahmenbedingungen: Lotto laboriert immer noch an einer Verletzung herum (er hatte sich bei einem Glatteis-Unfall im Winter ungefähr alles im näheren Umkreis eines Fußes kaputt gemacht). Und dann ist da auch noch der schwarz-weiß-blaue Elefant, pardon, Dino im Raum: der HSV, kleinster gemeinsamer Nenner und größte gemeinsame Hoffnung von Fans und Band. Die Rothosen haben ziemlich genau 24 Stunden zuvor auch die letzte Hoffnung auf den Wiederaufstieg begraben müssen und gehen nun der siebten Zweitliga-Saison in Folge entgegen.
Man ist also trostbedürftig und auf der Suche nach etwas gepflegter Realitätsflucht. Entsprechend ist in den kommenden fast drei Stunden nur selten und/oder in Andeutungen die Rede vom glorreichen HSV: „Glaube Liebe Hoffnung“, „Aufstehen“, „Wieder im Ballbesitz“. Man muss kein HSV-Fan sein, um diese Assoziationen mitzudenken.
Lotto King Karl: So lange er singt, spielt der Dino in der ersten Liga
Ansonsten ist alles, wie man es sich als Lotto-Fan beim Lotto-Konzert wünscht: Es gibt den „Alkoholiker-Block“ (und später nochmal „Hopihalido und Hörnerwhiskey“), es gibt Grüße ans und aus dem Publikum, es gibt „Ikarus“, „Unten am Hafen“, „Bis der Arzt kommt“ und natürlich „Das ist wie fliegen“. Und über Fußball spricht man einfach nicht, singt lieber ein „Schlaflied“ und träumt nur von der ersten Liga.
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Geht ja aber auch nicht. Also wird es kurz vor knapp dann doch noch ernst: „Hamburg, meine Perle“ ist der Rausschmeißer, da bricht der Widerspruch gegen die karge Fußballrealität aus den Fans heraus: „Wenn Du aus München kommst, ziehn wir Dir die Lederhosen aus!“ Wunschdenken im Rückblick auf glorreiche Zeiten und der Ärger über den möglichen Aufstieg am Millerntor schallen durchs Rund: „Scheiß St. Pauli, scheiß St. Pauli, hey hey!“
„Wir werden wieder aufstehen/Mit Freudentränen vor Glück“: An diesem Abend im Stadtpark hat der HSV nicht nur noch alle Chancen auf einen Triumphzug zurück ins Oberhaus. Nein, so lange Lotto singt, hängt die Uhr noch im Volksparkstadion und der Dino ist nie abgestiegen.