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Justice ziehen in Hamburg alle Regler auf Elf

Brennt sich ins Gedächtnis – und in die Netzhaut: Die Lichtshow von Justice.
Brennt sich ins Gedächtnis – und in die Netzhaut: die Lichtshow von Justice.

Das französische Duo hat sich acht Jahre Zeit für sein neues Album gelassen – die Wartezeit auf die Tour zu „Hyperdrama“ hat sich aber nicht nur akustisch gelohnt.

Seltsame Band – irgendwie immer schon in der Erbfolge von Daft Punk: Auch zwei Typen, Gaspard Augé und Xavier de Rosnay, allerdings ohne Maske. Der Sound anders, aber ähnlich: Discobasierter französischer House trifft Hardrock, trotz aller Futuristik im Sound und Auftritt sind beide Bands aber immer auch ein bisschen retro.

Bekannt wurden Justice 2006 mit der Hymne „We Are Your Friends“ (zusammen mit Simian) und dem ein Jahr später erschienenen Debütalbum „†“ (Cross) inklusive der Hit-Single „D.A.N.C.E“. Doch seitdem waren die Franzosen trotz zwei weiterer Alben ein bisschen in Vergessenheit geraten. Dieses Jahr jedoch haben sie sich nach acht Jahren mit „Hyperdrama“ zurückgemeldet. Musikalisch für viele Fans ebenbürtig mit dem Debüt, dabei aber deutlich erwachsener. Der größte Hit „Neverender“ ist in Zusammenarbeit mit Tame Impala entstanden.

Justice in Hamburg: Brülllaut und gleißend hell

Das zum Tourstart in der Sporthalle versammelte Publikum dürfte Justice zum Gutteil noch aus den alten Cross-Tagen kennen – man ist mitgealtert und einige der Fans von damals mussten am Donnerstag wohl früh ins Bett: Die Show ist nicht ausverkauft, die obersten Ränge mit Stoff abgedeckt.

Die Disco-Messe beginnt – natürlich – mit der „Genesis“: Besser und passender geht es nicht. Der Sound ist fantastisch; hart, laut, aber glasklar. Augé und de Rosnay stehen hinter ihren Pulten, was sie genau machen, bleibt unklar. Allein deswegen, weil die Lichtshow alle Blicke auf sich zieht. Alles blinkt, leuchtet, blendet, ist ständig in Bewegung, wechselt die Farbe – so stellt man sich als Laie einen LSD-Rausch vor.

„We Are Your Friends“ lockt die Hamburger aus der Reserve

Eine Viertelstunde hartes Geballer, dann wird es softer: „Love S.O.S.“ bringt aber nur eine kurze Verschnaufpause. Mit „We Are Your Friends“ lockt man das hanseatisch-verfrorene Publikum aus Reserve: „Never be alone again / Come on!“

Justice tauchen quer durch ihr Repertoire, alles wird neu gemischt und miteinander verbunden: „Audio Video Disco“ oder „Phantom“ klingen locker drei-vier Mal während der Show an. Justice lassen Songs und Licht für sich sprechen, die Franzosen selbst bleiben stumm, winken höchstens mal zaghaft in Richtung Publikum.

Justice in Hamburg: Ohne „D.A.N.C.E.“ geht es nicht

Was fehlt noch? Ach ja, der Hit! Mit „D.A.N.C.E“ verabschiedet man sich erstmal von der Bühne, selbstredend folgt aber noch ein kleiner Nachschlag. Nach rund anderthalb Stunden stellen die Herren ihre Maschinen dann zu „The End“ auf Autopilot, winken noch einmal in die Runde – das war’s.

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Was bleibt? Musikalisch sind Justice sowieso über jeden Zweifel erhaben und diese Tour ist dazu optisch ein echtes Highlight. Die Lichtshow hat sich gleichzeitig in die Netzhaut und ins Gedächtnis gebrannt. Dass man um sich herum fröhliche, aber nicht komplett euphorisierte Menschen aus der Halle strömen sieht, mag an der Distanz liegen, die Augé und de Rosnay zu ihren Fans wahren.

Das französische Duo hat sich acht Jahre Zeit für sein neues Album gelassen – die Wartezeit auf die Tour zu „Hyperdrama“ hat sich aber nicht nur akustisch gelohnt.