Indie-Hype in Hamburg: Diese Band ist auf dem Weg nach ganz oben

Geese Docks Hamburgs
Geese spielte am Montagabend im Docks.

Geese haben mit ihrem dritten Album „Getting Killed“ den Durchbruch geschafft, quasi über Nacht. Im Docks stellt die Band der Stunde klar, warum das kein zufälliger Glückskuss des Indierock-Algorithmus war.

Die Vorfreude auf Geese elektrisiert vielleicht nicht einen ganzen Stadtteil, aber kurz vor Einlass geht die Schlange vor dem Docks fast bis zum Operettenhaus. Zeit, sich noch ein Kioskbier zu holen und kurz über den kuriosen Popularitätsschub der New Yorker Indieband nachzudenken. Denn wie in einem Doppelpass-Spiel schieben sich die Karrieren von Geese und deren Frontmann Cameron Winter derzeit gegenseitig vorwärts.

„Heavy Metal“, Winters Soloalbum, erschien zur Veröffentlichungs-Unzeit zwischen den Jahren 2024 und 2025. Ein Flop mit Ansage, dachte sein Label – bloß, dass es keiner wurde, sondern eines der innigst geliebten Alben des vergangenen Jahres (auch dank des Übersongs „Love Take Miles“). Der Überraschungserfolg bereitete das Bett für „Getting Killed“, das dritte Geese-Album. Und mit jeder Jubelrezension und Playlistempfehlung wurde aus der etwas obskuren Band ein immer größeres globales Phänomen. Geese treten nun bei „Saturday Night Live“ auf, der beliebtesten Comedyshow der USA. Winter durfte mit Anfang 20 in der Carnegie Hall spielen.

Geese spielt Rockmusik ein bisschen schlauer

Jetzt aber Reeperbahn. Mit dem krautrockigen neuen Stück „Apollo“, das die Band zum zweiten Mal auf dieser Tour spielt, fängt das Konzert fantastisch an – eher auf Sicht fahren als auf Nummer sicher gehen, scheint die Devise. Bei „Cobra“ und „Husbands“ vom aktuellen Album kennt das Publikum dann wieder den Text – und singt sogar lauthals die Strophen mit. Damit muss eine Band, die noch vor ein paar Jahren in der Molotow Skybar gegen Flaschenklirren anspielte, auch erst mal klarkommen. Geese nehmen’s wie New Yorker: mit einer Gelassenheit, der es egal ist, ob sie wie Arroganz wirkt.

Wenn die Band nicht spricht, tut es eben die Musik: Fokus liegt auf den „Getting Killed“-Songs, einer grandiosen Sammlung an Stücken mit überschwänglichem Pathos und einem irren Glimmen im Auge. Man muss nicht gleich Maximalkomplimente wie „die neuen Strokes“ oder „Radiohead für Gen Z“ herbeischreiben, um daran Spaß zu haben.

Es ist Rockmusik, oft ein bisschen musikalischer und schlauer, als sie die meisten anderen spielen. Stumpf und hardrockig können sie auch: Der Song „2122“ vom Album „3D Country“ klingt mit Siebzigerjahre-Geriffe und mythologischem Nonsenstext wie eine Led-Zeppelin-Verlade – und provoziert einen ausladenden Circle Pit. Bei einem so jungen Publikum auch lange nicht gesehen.

Geese spielt bekannteste Songs zum Ende

Das Beste kommt zum Schluss: Fürs letzte Viertel des Konzerts hat sich die Band die größten Songs aufgespart: Das sehnsüchtige „Au Pays Du Cocaine“, „Taxes“ mit einem der schönsten Breaks der jüngeren Musikgeschichte, wenn sich der Song mit einer wunderbaren Gitarrenlinie zu voller Schönheit aufrichtet – und „Trinidad“.

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Als einzige Zugabe beschließt die Nummer das Konzert, und das Publikum wirkt, als hätte es den ganzen Abend dafür Energie gesammelt: Der mittlerweile ikonische, übergeschnappte Refrain „There’s a bomb in my car!!!“ bringt das Docks zum Beben. Menschen liegen sich in den Armen, morgen haben sie blaue Flecken.

Beim Rausgehen ein Blick auf den Merchstand. „There is only dance music in times of war“, die Zeile aus dem Song „100 Horses“, steht auf einem T-Shirt: In Kriegszeiten gibt es nur Tanzmusik. Das ist rätselhaft, verzweifelt, aber auch irgendwie catchy. Wie die Band selbst.