50 Cent in Hamburg
  • Mit Brilli-Kette, dazu passend Uhr, Armband und Ring: 50 Cent lieferte eine wirklich gute Show in der Barclays-Arena.
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paidGirls und dicke Ketten: 50 Cent versetzt Hamburg zurück in die 2000er Jahre

Punkt 21 Uhr, Licht aus, Knall-Pyro-Peng und 9000 Leute springen entweder auf oder zücken am Samstagabend in der Barclays-Arena ihr Handy. 50 Cent performt den ersten Song „What Up Gangsta“. Die Erwartung: dass er bei dieser Show mindestens wie beim Superbowl wie eine Fledermaus von der Decke baumelt.

Der 47-jährige überreiche Rapper aus Queens (New York), der Schuss-Narben am Körper hat, sein Leben schon in einem Biopic verfilmte und auch mal Trump im Wahlkampf unterstützte (Uff!), trägt seine dicke „50“-Brillis-Kette, dazu passend Uhr, Armband und Ring – und man fragt sich, ob seine massige Figur wirklich nur den Muckis geschuldet ist, oder ob er da an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas Speck angesetzt hat. Mit ihm auf der imposanten Bühne (Podest mit Seitentreppen und riesigen Videoleinwänden) stehen zwei Back-up-Rapper (Braucht er die wirklich?), ein DJ, eine kleine Live-Band und später auch vier leicht bekleidete Tänzerinnen.

50 Cent in Hamburg: Eine Show wie in den 2000er Jahren

Direkt am Anfang werden einige Hits verpulvert: „Hate It Or Love“ (mit The Game), „P.I.M.P.“ oder „Candy Shop“ – es wird gebounct und textsicher mitgerappt. Und man fühlt sich so sehr in die 2000er Jahre zurückversetzt! Da feierte und tanzte man noch völlig kritik- und vielleicht auch ahnungslos zu Zeilen wie „l‘ll let you lick the lollipop, go ahead girl, don’t you stop, keep going until you hit the spot, whoah!“ in sämtlichen Diskos des Landes. Die Frau als Objekt degradiert, das den Mann beglücken muss. In den woken und emanzipierten 2022ern eigentlich höchst fragwürdig, aber das Publikum – teilweise gekleidet in Balenciaga, Carlo Colluci, mit Strass oder unechten Wimpern – feiert lieber den Moment. Einfach nicht so ernst nehmen, lautet die Devise. An einer Stelle, als 50 Cent immer wieder die Zeile „I beat that pussy up!“ rappt, hat man sogar den Eindruck, dass ihm selbst bewusst ist, dass das nicht ganz angebracht ist, so verschmitzt-verschämt wie er dabei guckt.

Hommage an kürzlich verstorbenen Coolio unglücklich umgesetzt

Gut gemeint, aber unglücklich umgesetzt ist die Hommage an den kürzlich verstorbenen Coolio. Während er riesengroß auf einer Leinwand zu sehen ist, läuft „Gangsta‘s Paradise“ viel zu leise vom Band (der Sound ist öfter etwas dumpf und dröhnig) und 50 Cent verschwindet hinter der Bühne, um sich ein neues Designer-Shirt und eine noch dickere Brilli-Kette anzuziehen. Der Solo-Tanz der einen Dame danach ist auch eher grenzwertig, aber das hatten wir ja schon.

Nachdem er „Outta Control“ bringt, das er einst zusammen mit dem legendären Duo Mobb Deep performte (Rest in Peace, Prodigy!), kommt auch schon DER Hit: „In Da Club“ – inklusive Konfetti-Kanonen-Explosionen.

Der Zugabenblock ist noch mal reichhaltig und lang. Die Videos, die vorher Knarren, Karren, Kohle und Girls zeigten, weichen schönen New-York-Bildern. Fifty bedankt sich artig, dass so viele gekommen sind und stimmt am Ende des Abends – sehr lustig! – „Olé Olé!“ an, weil nebenan ja Fußball gespielt wird. Eine wirklich gute Show – nur wo war die Fledermaus-Einlage?