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Festivalstress in Hamburg: Amplifire wirbelt Kalender durcheinander

Menschenmenge vor überdachter Open-Air-Bühne im Park mit rotem Bühnenhintergrund.
Klein, aber sehr, sehr laut: Gilt nicht nur für die Bühne, sondern auch für die Hamburger Band Skirt.

2026 ein neues Festival in Hamburg aufzulegen, kann das eine gute Idee sein? Ja! Bloß mit dem Timing ist das so eine Sache.

Wer sich häufiger auf Festivals in Hamburg herumtreibt, kennt zumindest das Gelände schon: Wo kommende Woche das Dockville wieder zum Tanz lädt, feiert dieses Wochenende das Amplifire Festivalpremiere.

Zwei Tage, 30 Bands – und auch, wenn speziell die ersten Slots jungen, unbekannteren (und erfreulich oft weiblichen) Bands gehören, sind es Namen wie Frank Turner und Biffy Clyro, die am Freitag eine äußerst respektable Menge Menschen auf das Wilhelmsburger Gelände gelockt haben.

Das lässt sich auch ohne statisch abgesicherte Meinungsumfrage anhand von zwei Punkten feststellen:

1. Jede Menge T-Shirts mit entweder dem einen oder dem anderen Logo. Sieger des handgeschätzten Wettbewerbs sind die Schotten um Simon Neil.

2. Das Durchschnittsalter liegt bei (ebenfalls handgeschätzten) Mitte-Ende 40. 

Amplifire: Festival startet mit Brachialpunk und Powerpop

Und damit etwa beim Doppelten des Alters der Bandmitglieder von Skirt. aus Hamburg. Jedes Bild ohne Ton wird dem Quartett nicht gerecht. Denn das, was die Frontfrau an purer Aggression ins Mikro kübelt, lässt nicht nur jedem (Alt-) Punk das Herz aufgehen, es verspricht auch eine lautstarke Karriere im Bereich der Krachmusik.

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Ganz anders das Duo Arxx aus Brighton: Die beiden sind so zuckersüß, wie man es sich nur wünschen kann, machen ihrem Publikum Komplimente, loben das perfekt organisierte Festival und oszillieren irgendwo zwischen 80er-Pop und angepunktem Gitarrenrock, dass es eine wahre Freude ist. 

The Get Up Kids vermissen die ganz große Bühne – Frank Turner tut, was er am besten kann

Zu den größeren Kalibern zählen später am Nachmittag The Get Up Kids. Deren Frontmann Matthew Pryor ist strenger mit seinem Publikum, lässt durchblicken, dass er sich mehr Enthusiasmus wünscht. Vielleicht ist er auch nur sauer, dass die seit den 90ern aktive Kombo, die immer nach dezent besser gelaunten Smashing Pumpkins klingt, nicht auf die große Bühne durfte. Dort sägen sich inzwischen Pabst durch ihr Repertoire – tut keinem weh, bleibt aber auch nicht viel von hängen. 

Als sich der Nachmittag dem Abend zu neigt, die Menschenmenge inzwischen eine definitiv festivaltaugliche Größe erreicht hat und die Sonne alles in warmes Licht taugt, kommt der Mann auf die Bühne, der „Positive Songs for Negative People“ macht und so ganz allgemein gesprochen „Undefeated“ ist: Frank Turner. Kurzfassung: Es war wie immer. Etwas längere Fassung: Mitreißen, mitfühlen, aufwühlen, aufbauen. All das beherrscht Frank Turner aus dem Effeff. Wer von einem seiner Konzerte kommt, nicht mindestens einmal (beinahe) geheult hat und trotzdem von Ohr zu Ohr grinst, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Amplifire-Headliner Biffy Clyro hauen einen raus

Headliner des ersten Abends sind die Schotten von Biffy Clyro: Die hauen erstmal einen raus, immerhin ist das hier ein Gitarrenmusik-Festival, da wollen akustische Pflöcke eingeklopft sein. Es dengelt, leuchtet, blinkt, dazu wirbelt Simon Neil über die Bühne. Ladies and Gentlemen: Start your engines.

Irgendwann will dann auch noch der Heimweg in Angriff genommen werden: Wohl der und dem, die auf zwei Rädern unterwegs sind und sich beim Bier zurückgehalten haben, der Fußweg bis zur S-Bahn kann sich nämlich arg ziehen.

Festivalkuddelmuddel am Samstag: Wo soll man hin?

Am Samstag werden sich trotzdem viele wiedersehen auf dem Dockville-Gelände: Bad Religion, John Coffey, Jools und Turbostaat locken an Tag zwei des Amplifire. 

Aber das Getümmel im Konzertkalender ist dieses Wochenende groß: Man könnte auch zum altehrwürdigen Wutzrock pilgern. Argumente dafür gibt es unter anderem in Form von I-Fire, dem Knarf Rellöm Arkestra und Pogendroblem. Oder aber man zieht zum Großmarkt. Dort wird's anders laut beim Elbriot: Powerwolf, Savatage, Danko Jones, anyone?


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