Fantastische Indie-Party: Franz Ferdinand lassen im Stadtpark die Endorphine springen
Eines der wohl meistgeführten Musik-Gespräche in den Tagen vor dem Hamburger Franz-Ferdinand-Konzert: „Und? Hast du dir das neue Album angehört?“ – „Hab ich, und ich find’s erstaunlich super!“ Nichts erwartet, alles bekommen. Passiert einem so ja auch nicht alle Tage. Bleibt noch die Frage, ob sich das auch über die Show im Stadtpark sagen lässt. Denn da startete die Band am Freitagabend ihre Europatournee.
Der Frontmann jedenfalls ist happy. Alex Kapranos schwärmt schon nach dem dritten Song von diesem „beautiful place“, alles so schön grün hier. Dazu Sonnenschein und blauer Himmel. Hamburg gibt alles. Und die Band will dem in nichts nachstehen. Beinahe entschuldigend murmelt der 53-Jährige, dass von diesen drei Songs jetzt ja schon zwei vom neuen Album gewesen seien („The Doctor“, „Night Or Day“). Und dass jetzt wirklich gleich mehr aus den „older days“ komme. Als hätte er die Gespräche der vergangenen Tage belauscht.
Franz Ferdinand mit Album „The Human Fear“ in Hamburg
Man muss vielleicht einmal kurz festhalten, warum das mit der Erwartungshaltung bei Franz Ferdinand so ein großes Ding ist. Gleich mit ihrem ersten Album („Franz Ferdinand“) setzten die Schotten 2004 den Ton in Sachen Indiedisco-Dancefloor-Füller. Songs wie „Take Me Out“, „The Dark Of The Matinee“, „Michael“, „Darts Of Pleasure“ und „This Fire“ prägten einen Sound und mit ihrer Zackigkeit auch eine ganze Generation Tanzbeine. Der Nachfolger „You Could Have It So Much Better“ nur ein Jahr später kletterte so ziemlich überall auf die vorderen Plätze der Charts. Danach wurden die Pausen ein bisschen größer, die Musikwelt drehte sich weiter.
Als jetzt im Januar „The Human Fear“ rauskam, das (erst) sechste Studioalbum der Band, konnte man sich daher schon fragen, ob Franz Ferdinand es noch immer draufhaben. Antwort des Publikums im rappelvollen Stadtpark: Und wie! Was an Sound bei den ersten paar Liedern des Abends fehlt (zu leise, zu mumpfig), macht Alex Kapranos mit Charme und schwingenden Hüften wett. Er springt und hüpft, tänzelt mal nach hinten auf eine Art Poser-Podest, dann nach vorne zur ersten Reihe, schüttelt Hände und gibt den ganz und gar coolen Indierock-Entertainer.
Und dann ist da ja auch noch die Musik: Wie gut sich die neuen Songs in das bisherige Werk einfügen, ist vielleicht die größte Überraschung des Abends. Da gibt’s hintereinander weg „Darts Of Pleasure“ (dieses Überding von Debütsingle aus dem Jahr 2003 mit der Ohrwurm-Zeile „Ich heiße Superfantastisch. Ich trinke Schampus mit Lachsfisch“), „Audacious“ (2025), „Michael“ (2004), „Black Eyelashes“ (2025), „Take Me Out“ (2004) und „Hooked“ (2025). Das könnte man mutig nennen, verrückt vielleicht sogar. Aber es funktioniert: Der Stadtpark tanzt.
Sänger Alex Kapranos: „Hamburg, I love your energy tonight!“
„Platt gesagt haben wir den Anspruch gehabt, neue Songs zu schreiben, die genauso gut sind wie unsere größten Erfolge“, hatte Alex Kapranos im MOPO-Interview zur Veröffentlichung von „The Human Fear“ gesagt. „Ein Song, der deine Endorphine springen lässt, ist ein guter Franz-Ferdinand-Song.“ Oh, und wie die Endorphine springen. „Hamburg, I love your energy tonight!“, ruft der Sänger denn auch nach gut einer Stunde dem Publikum entgegen.
Er ist nicht unschuldig daran. Er gibt den Vortänzer, dem an diesem Abend alle folgen. Und dem sie auch gerne noch länger folgen würden. Weitertanzen, weitersingen, weiterspringen, am liebsten die ganze Nacht. Aber nach knapp 90 Minuten, dem Hit „This Fire“ (2003) und tosendem Applaus („I want to hear the Hamburg-noise!“) ist Schluss. Erstaunlich. Und super! Fantastisch.