Die Fantastischen Vier in Hamburg: Wenn alter Adel regiert

Drei der Fantastischen Vier: Michi Beck, Thomas D und Smudo auf der Bühne der Barclaycard Arena.
Drei der Fantastischen Vier: Michi Beck, Thomas D und Smudo auf der Bühne der Barclays Arena.

Vier jung gebliebene Mittfünfziger betiteln sich selbst auf ihrem neuen Album als „Long Player“ und gehen auf ihre alten Tage auf große Arenatour – Mittwochabend spielten die Fantastischen Vier in der ausverkauften Barclays Arena.

Ihr Status als Vorreiter des massentauglichen deutschen Hiphops ist unbestritten. Hierzulande sind sie die Dinosaurier des Genres, haben in den letzten 35 Jahren knapp sechs Millionen Tonträger verkauft und die Musikszene mit zahlreichen unsterblichen Hits bereichert. Lebende Legenden eben. Aber schaffen sie es, ihre Hits wie „Die da“, „MfG“ oder „Populär“ so frisch zu verpacken, dass es das Publikum immer noch mitreißt? Sie gehen immerhin auf die 60 zu.

Alternde Rockstars kennt man zuhauf – aber HipHop-Bands? Lokalpatrioten wie die Kollegen von Fettes Brot haben sich mittlerweile aufgelöst. Die „Long Player“ werfen also lange Schatten voraus. Wie reagiert das Publikum?

Die Fantastischen Vier live: Die Leute gehen sofort mit

Nachdem DJ Thomilla mit einem kurzen Set vom Plattenteller die Menge aufgewärmt hat, legen die „Fantas“ los. Und wie! Ein kleines Intro vom neuen Album, dann hauen sie mit „Die da“ gleich ihren ersten Hit raus. Was für ein Show-Opener! Die Leute gehen sofort mit, Hände gehen nach oben und die Menge reißt es aus den Sitzen. Die Energie überträgt sich auch bei den nächsten Songs immer weiter aufs Publikum. Während Andy Y. als Dirigent und eine gut abgestimmte Liveband im Hintergrund den Takt vorgeben, hüpfen und springen Thomas D., Michi Beck und Smudo über die Bühne. Sie werfen sich mit perfektem Timing ihre schnellen, cleveren Texte um die Ohren, die Freude an dem Auftritt ist ihnen anzusehen.

Es folgt eine gute Mischung aus Songs des neuen Albums und ihren zahlreichen Evergreens. Ihre Songs haben sich nicht nur ins Hirn des Autors eingebrannt: Die Leute sind textsicher, gehen dazu mächtig ab. Und es tut richtig gut, sie mal wieder live zu hören: „Hier sind die Vier wieder, und alter Adel regiert, wenn Deine Nadel vibriert!“ Es geht um Lebensfreude – und wenn man genauer hinhört, werden die Texte über die Jahre immer tiefgehender, ohne dass die Songs ihre Wucht verlieren. Das ist Qualität!

„Le Smou“ feiert in Hamburg ein Heimspiel

Die riesige Videoleinwand im Hintergrund setzt die Band gekonnt in Szene, die Kamera schwenkt immer wieder ins feiernde Publikum – die Halle ist begeistert. Thomas D. wirft sich in die ersten Reihe und lässt sich auf Händen tragen, „Der Picknicker“ (Michi Beck alias Hausmarke) bekommt von der Menge ein Geburtstagsständchen und für „Le Smou“ ist die Sache eh ein Heimspiel, schließlich wohnt er seit Jahren hier in Hamburg.

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Eine kurze Pause gönnen sich die Vier dann aber doch, setzen sich auf ihre Barhocker und nehmen uns mit auf einen gechillten „Tag am Meer“. Was dann kommt, ist wieder pure Spielfreude. „Sie ist weg“ und „MfG“ sind ein echtes Brett und kurz vor der Pause ernten die Vier, was sie gesät haben – natürlich mit gleichnamigem Song.

Die Fantastischen Vier in Hamburg: „Wir sind zusammen groß“

Kurz durchatmen. Dann sind sie wieder da und rufen der Menge zu: „Das ist erst der Anfang, es hört nicht auf!“ Am Ende der Zugabe holen sie dann einen ihrer größten Erfolge raus: „Wir sind zusammen groß, wir sind zusammen eins, komm, lass n bisschen noch zusammen bleiben!“ Alle stehen, tanzen und nehmen die Einladung ausgelassen an. Was für ein Bild – die Arena tobt!

Was bleibt nach diesem Auftritt? Wohl nicht nur beim Autor der Wunsch, dass die „Long Player“ noch lange weiterspielen. Damit wir bald wieder zusammenkommen. Danke für diesen fantastischen Abend!