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„Die 80er Live“ im Volksparkstadion: Superfrau-Capes, Sternschnuppen und Hits satt
Premiere in Hamburg: Die Musik-Stars der 80er gastierten im Volksparkstadion – und sorgten für einen langen Tag mit vielen emotionalen Momenten.
Zum ersten Mal gastierte die „Die 80er Live“-Show am Sonnabend in Hamburg. Im Volksparkstadion gaben sich Stars der Dekade wie Kim Wilde, Boy George, Holly Johnson von Frankie Goes To Hollywood und Samantha Fox die Klinke in die Hand und schickten 40.000 Zuschauer auf einen Nostalgie-Rausch.
„Hallo liebe Freunde der 80er-Jahre, so sieht man sich also wieder. Ihr habt euch ja gar nicht verändert“, sagt die schelmische Computerstimme aus dem Off. Und dann steht auch schon Peter Illmann, ab 1983 erster Moderator der Musik-TV-Show „Formel Eins“, auf der Bühne – Konfetti, Feuersalven, Pyrotechnik gleich zu Beginn. „Zum ersten Mal sind wir in Hamburg, und das freut mich ganz besonders, weil ich Hamburg sehr mag und liebe“, meint der gebürtige Dortmunder, und man wird ihn an diesem Sonnabend noch ein Dutzend Mal die Acts der 80er ansagen hören und sehen.
Sandra spielt den Auftakt in Hamburg
Popsängerin Sandra, die zwischen 1985 und 1992 über 30 Mio. Platten verkaufte, macht um 16.10 Uhr den musikalischen Anfang. Illmann erinnert daran, dass sie mit „Japan ist weit“ 1984 eine eingedeutschte Version von Alphavilles „Big In Japan“ herausgebracht hatte – ohne Erfolg übrigens. Ihr Set beginnt sie mit ihrem größten Hit „Maria Magdalena“ aus der Feder ihres damaligen Mannes Michael Cretu – und nimmt gleich den kompletten Bühnensteg in Beschlag.
Die Band spielt den Song rockiger; fast alle Künstler singen live, bei Sandra kommt es größtenteils vom Band, wie man spätestens bei dem Robert-Knight-Cover „Everlasting Love“ merkt. Ihre Sprechstimme klingt im Kontrast dazu (herrlich) angeraut und dunkel: „Danke, ihr wart super, tschö!“, sagt die Künstlerin im schicken schwarzen Anzug zum Abschied. Ihr Set aus sieben Songs soll zu den längsten des Abends gehören.
Gazebo, in den 80ern mitverantwortlich für den Italo-Disco-Hype, ist so was wie die Wundertüte des Tages. Der charmante Italiener, der für sich und andere Hits schrieb und heute ein Hotel in der Toskana betreibt, macht richtig Laune. „Lunatic“, „Dolce Vita“ (eigentlich Ryan Paris), „Tarzan Boy“ (samt Jodelei), „Masterpiece“ und das mit Handwedeln dekorierte „I Like Chopin“ (Gazebo: „I want everybody to sing with me!“) kommen im Zuge des derzeitigen Italo-Disco-Revivals bestens. So langsam füllt sich das Stadion.
Nik Kershaw sorgt mit „The Riddle“ und „Wouldn’t It Be Good“ für die geerdete Version der 80er-Jahre ohne viel Schnickschnack. Es war halt doch nicht alles bunt in der Lieblingsdekade der Boomer-Generation. Wobei sich auch erstaunlich viele jüngere Menschen unter das Publikum mischen. Vermutlich haben sie das Jahrzehnt mit der Muttermilch aufgesogen.
„Die deutschen Depeche Mode“ begeistern
Bietigheim-Bissingen steht für zwei große Musicacts: Pur und Camouflage. 80er-Freunde sind froh, dass letztere an diesem Nachmittag die Bühne ausfüllen. Bei Sänger Marcus Meyn ist das wörtlich zu nehmen: Seine Tanzeinlagen samt Pirouetten werden wir so schnell nicht vergessen. „The Great Commandment“ verpasste ihnen den gern verwendeten Zusatz „die deutschen Depeche Mode“ – im Hintergrund zeigt die Band alte Videoclips der gespielten Hits. Mit „Love Is A Shield“ wollen sie „Liebe bringen“. Die Mission glückt, nichts als strahlende Gesichter gibt es im Publikum.
Man merkt es den Auftritten meist an, ob ein Künstler auch eigene Headliner-Shows spielt oder doch eher ein Nostalgie-Act ist, der für ein paar alte Hits auf dem 80er-Festival vorbeischaut. Diesbezüglich hätte die immer noch umtriebige Kim Wilde eigentlich weiter hinten stattfinden müssen. Es war wohl eine dramaturgische Entscheidung, die Britin bereits um 18 Uhr spielen zu lassen, denn Kim ist immer noch wild und heizt mit „Never Trust A Stranger“, „You Came“, „You Keep Me Hangin‘ On“ und natürlich „Kids in America“ dem Publikum ein – letzteren Song singt sie im roten Superfrau-Cape, bevor sie unter Konfettiregen in den Armen ihres Bruders, Gitarristen und Produzenten Ricky Wilde von der Bühne geht. Vier Songs sind zu wenig für Kim Wilde, da fehlten leider viele Hits.
Die Pause nutzt „Die 80er-Live“-Veranstalter Markus Krampe, um mit Peter Illmann das Hamburg-Line-up für 2027 anzukündigen; denn ja, die offiziell als „größte 80er-Party der Welt“ ausgezeichnete Sause geht im kommenden Jahr in die zweite Runde. Mit dabei sind dann u.a. ABC, Limahl, Tony Hadley (Ex-Spandau-Ballet), Marc Almond (Soft Cell), Billy Ocean und – ja – Dieter Bohlen! Als sein Name bekannt gegeben wird, ist der Applaus am heftigsten. Alle lieben Dieter!
Aber noch ist die Mega-Party 2026 bisher nicht zu Ende. Die Weltstars Alphaville eröffnen mit „Big In Japan“ und schließen mit dem Klassiker „Forever Young“, der von Jay-Z und jüngst auch von David Guetta zweitverwertet wurde. Sänger Marian Gold, wie immer gut bei Stimme, scheut auch vor einem politischen Statement gegen die AfD nicht zurück. Die britisch-kanadische Band Cutting Crew aka Nick van Eede gelten gern als One-Hit-Wonder; tatsächlich haben sie mit „I’ve Been In Love Before“ noch einen zweiten Hit in petto, bevor sie sich mit dem Klassiker „(I Just) Died In Your Arms“ verabschieden. Nach so vielen Lovesongs gibt es zur Überbrückung die „Live-Kisscam“ auf den Leinwänden – und niemand duckt sich weg.
Seltener Auftritt von Samantha Fox in Deutschland
Dann kommt der Star, den man hierzulande selten sieht, auf den aber irgendwie alle gewartet haben: Samantha Fox! Illmann lässt sich zu Anspielungen auf ihre Oberweite hinreißen („alles echt“). Die Künstlerin selbst betont im extrakurzen Minikleid mit Nietengürtel auch 2026 noch ihre optischen Vorzüge – schließlich war sie vor ihrer Sangeskarriere als spärlich bekleidetes „Seite 3“-Girl in Großbritannien zu Ruhm gelangt. Mit „Nothing’s Gonna Stop Me Now“ aus der Feder des 80er-Produzententrios Stock Aitken Waterman, einer Deutschlandfahne über den Schultern und vier Tänzerinnen im Schlepptau, eröffnet Fox ihr Set – und augenscheinlich tanzt die komplette Arena mit. Konfetti-Neid gibt es an diesem Abend nicht, jeder Künstler hat sein eigenes.
Bei Samantha Fox sind es weiße Luftschlangen. Sie ist fit, macht Trittbewegungen mit den Beinen oder rockt mit ihrem Gitarristen ab. „So, would you like to touch me, still now?“ (zu Deutsch: Würdet ihr mich auch heute noch gern anfassen?) Gemessen an dem Applaus wollen alle noch ihren „Body feelen“. Fox ist allerdings längst mit einer Frau verheiratet. Ihr größter Hit startet langsam und bäumt sich dann auf. „Touch Me“ feiert diese Woche sein 40-jähriges Jubiläum, teilt Fox dem Publikum freudig mit. „Danke, dass ihr mich in eure Herzen aufgenommen habt. Ich liebe euch!“, sagt sie weiter.
Da man 20 Minuten dem Zeitplan hinterherhinkt, geht es nun Schlag auf Schlag und ohne große Pausen, die ansonsten mit einem DJ überbrückt werden.
Starship (vormals Jefferson Starship und Jefferson Airplane) sah man zuletzt 2024 im Rahmen der „Night of the Proms“-Tour in der Barclays Arena. Die amerikanische Rockband gehört auch bei „Die 80er Live“ zu den absolut Besten des Abends. Sänger Mickey Thomas dürfte mit seinen 76 Lenzen der älteste Künstler des Abends sein, aber seine Stimme ist immer noch Gold. Mit den Powerrock-Songs „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ und „We Built This City“ sowie mit der Ballade „Sara“ schaffte er es Mitte der 80er gleich dreimal auf Platz eins der US-Billboard-Charts – und begeistert auch in Hamburg. Der Film „Mannequin“, der seine Musik populär machte, wird im kommenden Jahr 40 Jahre alt. Dass früher eben doch irgendwie alles besser war, macht er mit einem politischen Seitenhieb deutlich: „Let’s make America sane again“ (zu Deutsch: Machen wir Amerika wieder vernünftig), sagt er in Abwandlung von Trumps Slogan.
Boy George begeistert mit schrillem Outfit
Boy George ist ein seltener Gast auf Hamburgs Bühnen. Dabei macht er so viel her: Mit rotem Hut und Sonnenbrille hat er sich wie üblich ordentlich in Schale geschmissen. Seine Fans sind auch die einzigen, die man sofort erkennt. Sie tragen Hüte oder Braids (Zöpfe) wie George in den 80ern. Mit einem Medley aus Culture Clubs „Church Of The Poison Mind“ und „I’m Your Man“ von Wham! eröffnet er sein Set. Ihm zur Seite steht der Sänger Vangelis Polydorou, schon seit Längerem seine junge Muse, sowie eine Sängerin, mit der er „Do You Really Want To Hurt Me“ in einer von KI fabrizierten Neuversion präsentiert – angeglich steht Boy George KI überaus positiv gegenüber.
Zu „Karma Chameleon“ (ebenfalls von seiner Kombo Culture Club) steigen Feuersalven aus dem Boden. Am besten kommt aber „Time (Clock Of The Heart)“ und Georges Ansagen: „Only fools don’t break the rule. Ich bin ja bekannt dafür, die Regeln zu brechen. Seid ihr selbst“, meint er und fügt lachend auf Deutsch hinzu: „Ich bin schwul.“ Der emotionalste Moment rührt von einer Verstorbenen. Mehrmals spielt der DJ zwischen den Acts die am 8. Juli verstorbene Bonnie Tyler. Als gegen 22 Uhr ihr „Total Eclipse Of The Heart“ von 1983 läuft, verwandelt sich das Stadion in ein wedelndes Lichtermeer. Gänsehaut pur!
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Den Rausschmeißer gibt Holly Johnson von Frankie Goes To Hollywood. Der freundliche Herr hat sich mit Lederkluft und XL-Sonnenbrille wieder in den rebellischen Popstar der 80er verwandelt. „Welcome To The Pleasuredome“ hießen Debütalbum und Single von 1984; es ist der erste von vier Songs von ihm an diesem Abend. Die Trippelschritte und seine Stimme sind wie damals – „Shooting stars never stop even when they reach the top“, singt Johnson. Die 80er-Stars verglühen ebenso wenig wie die besungenen Sternschnuppen.
Beim Intro von „Two Tribes“ ertönen Sirenen und flimmern Matrjoschka (russische Holzpuppen) – über die Leinwände. Der Song dient 2026 als Mahnmal gegen den laufenden Krieg mit der Ukraine. Mit einer großen Flutlichtlampe läuft Johnson zu „Relax“ über den Bühnensteg und bittet: „Give it to me no-ow“. Geht so rein wie vor vier Dekaden. „Und nun kommt ein Weihnachtslied“, meint der heilige Holly. „The Power Of Love“ ist der perfekte Schlusssong für das Mega-Event – auch im Sommer. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude: Der Pflichttermin für alle 80er-Fans ist für das nächste Jahr gesetzt.
„Die 80er Live“: 17.7.2027, 16 Uhr, Volksparkstadion, ab 91 Euro, Vvk läuft
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