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Charlie Puth im Stadtpark: Ein Popstar zum Knuddeln
Ein Weltstar zum Anfassen: Charlie Puth begeistert im ausverkauften Stadtpark mit großen Hits, viel Charme und einer Liebeserklärung an Hamburg.
Ein lauer Sommerabend im ausverkauften Stadtpark und stimmgewaltige Fans, die wie Hamburgs größter Gospelchor anmuteten: Sein erstes Gastspiel in Deutschland hätte sich US-Star Charlie Puth nicht schöner vorstellen können. Seine Begeisterung brachte er während seines knapp 90-minütigen Konzerts immer wieder zum Ausdruck – mit vielen musikalischen Referenzen an die 80er-Jahre.
Süß sieht er aus, man möchte ihn herzen. Blaues Shirt, darüber ein senfgelbes Hemd, schwarze Bundfaltenhose. Dazu das breite Lächeln und die leichten Segelohren. Der 34-Jährige wirkt wie der Held aus einer Highschool-Serie. Einer, der auf Naturwissenschaften steht und mit seinen Außenseiterfreunden den dumpfbackigen Football-Quarterback des Schulteams und seine aggressiven Buddys austrickst. „Teenage Dirtbag“ und cleverer Klassenstreber.
Als Charlie Puth pünktlich um 20 Uhr auf die Bühne tritt, hat sich die Band längst warmgespielt. Für seine „Whatever’s Clever!“-Tour kommt Puth – in New Jersey geboren, mit deutschen Vorfahren – nun endlich auch nach Hamburg. Dabei ist einer der größten Hits (das Justin-Bieber’sche „Attention“) schon zehn Jahre alt. Es wurde also höchste Zeit.
„Hamburg ist unglaublich“
„Beat Yourself Up“ und „How Long“ eröffnen den Abend. Zwei weiße Rhodes-Pianos stehen diagonal auf der Bühne, Puth dahinter, der sichtlich beeindruckt ist: „Das ist einer der schönsten Orte, an dem wir je gespielt haben. Hamburg ist unglaublich: Heute war ich mit dem Fahrrad unterwegs, der Kaffee hat überall toll geschmeckt und die Luft ist so klar.“ Erstaunlich, wie leicht sich Künstler beeindrucken lassen, die in der Smogstadt Los Angeles leben.
Auch vom „tollen Sound auf der Bühne“ schwärmt Puth, der seine Songs wie ein Hütchenspieler spielerisch zwischen den Genres Pop, Jazz und R&B wechselt. Dabei hat man ihm auf dem Musikcollege früher immer einbläuen wollen, dass sich Jazz und Pop doch eigentlich überhaupt nicht vertragen. „Hört auf, in Schubladen zu denken!“, ruft er dem Publikum zu, in dem auch bemerkenswert viele junge Frauen Taylor-Swift-Shirts trugen.
Puth frönt dem Familiendasein
Puth singt über die fiesen „LA Girls“ oder verarbeitet in „We Don’t Talk Anymore“ vergangene Liebschaften. Alles Beziehungskrams von gestern: Im Frühjahr ist er zum ersten Mal Vater geworden und frönt dem Familiendasein. Das passt ins Bild, denn Puth ist niemand, der das Publikum aufgrund seiner sexuellen Aura zum Ausrasten bringt. Er ist vergeben? Kein Problem. Puth hat einfach diese sehr freundliche Ausstrahlung, die alle begeistert, aber nicht erotisch auflädt. Auch das blaue Getränk neben seinem Piano, ist kein fancy Partydrink, „sondern Elektrolyte, wegen des vielen Reisens“, sagt er fast entschuldigend.
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Der Megahit „Attention“ kommt erstaunlich früh, wunderbar von den Zuschauern stimmlich begleitet. „Hier sind viele Musiker im Publikum, oder? Ihr trefft alle Töne!“, zeigt sich Puth beeindruckt. „Love in Exile“ und „One Call Away“ spielt er solo am Piano, tausende Handys gehen hoch, erneut ein Chor in absoluter Harmonie. Als das Phil-Collins-hafte „Changes“ den Abend beendet, schließt man die Augen und fühlt sich, als würde man 1987 im knallroten Golf-Cabriolet durch Beverly Hills fahren. Dass die Band keine Zugaben spielt, ist schade, aber mag man verzeihen: Einem so knuddeligen Musikstar kann man einfach nicht böse sein.
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