Calum Scott in der Barclays Arena: Erst in der Heulecke springt der Funke über

Calum Scott spielte am Donnerstag in der Barclays Arena.
Calum Scott spielte am Donnerstag in der Barclays Arena.

Calum Scott verfügt über eine außergewöhnliche Stimme und eine besondere Verbindung zu den Fans. Beides kann der Engländer in der Barclays Arena zeigen – aber nicht von Anfang an.

Scott ist auf Tour mit seinem neuen Album „Avenoir“, das vor drei Wochen erschienen ist. Geprägt ist es von radiotauglichen Popsongs, und so startet der 37-Jährige mit voller Bandunterstützung. Das Problem: Seine Stimme wird von E-Gitarre und Schlagzeug verschluckt, der Funke springt nicht über.

Die kleine Umbaupause nach fünf Songs stört ein bisschen, hat dafür aber große Wirkung: In der „Heulecke“ wird alles besser. Scott wird von einem großen weißen Vorhang eingehüllt, steht hinter einer Reihe von Kerzen, lässt sich nur noch von Klavier und Cello begleiten. Für die nun folgenden „traurigen Songs“ entschuldigt sich der Sänger fast, muss er aber gar nicht: Bei den Balladen hat seine außergewöhnliche Stimme endlich Raum, funktioniert auch die Verbindung zum Publikum. Langsam bekommen die Fans eine Ahnung davon, warum sie den Eintrittspreis bezahlt haben.

Calum Scott beweist Duolingo-Deutschkenntnisse

Der Oberrang der Arena ist komplett abgedunkelt, dafür der Bereich vor der Bühne bestuhlt. So wirkt die Halle voller und die Atmosphäre gemütlicher. Scott lässt die Zuschauer in sein Herz blicken, nicht nur durch seine Musik: Er erzählt von Identitätsproblemen in seiner Jugend und seinem Wunsch, Vater zu werden. Charmant probiert er seine Duolingo-Deutschkenntnisse (immerhin 120 Tage Streak) aus.

Calum Scott in der Barclays Arena.
Calum Scott in der Barclays Arena.

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass Scott bei „Britain’s Got Talent“ mit seiner Version des Songs „Dancing On My Own“ die Jury und das Publikum umgehauen hat. Seitdem ist aus dem Rathausangestellten ein Sänger mit drei Soloalben geworden – und neuerdings hat er sogar im Castingshow-Business die Seiten gewechselt. Seit Kurzem ist Scott bei einem Spin-off von „The Voice Of Germany“ als Coach tätig.

Scott singt Hit von Whitney Houston

Die Setlist ist ein Mix aus Pop-Nummern und Balladen, aus eigenen Songs und Covern. Mit einer Version von „Where are you now“ bringt der Musiker aus dem Nordosten Englands die Arena zum Tanzen und baut auch noch ein paar Zeilen aus Linkin Parks „In The End“ ein. Ein ganz besonderer Moment: Zusammen mit Whitney Houston singt Scott den Hit „I Wanna Dance With Somebody“ der 2012 gestorbenen Pop-Queen. Dafür wird Houstons Stimme eingespielt und ihr Konterfei eingeblendet.

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Dann ist es Zeit für seinen eigenen Hit. Und für Romantik: „You Are The Reason“ ist für viele im Publikum und auch für Scott selbst eine hochemotionale Angelegenheit. Manche wischen sich die Tränen aus den Augen.

Ganz am Ende folgt (natürlich) noch „Dancing On My Own“, das Lied der schwedischen Künstlerin Robyn, das für Scott zur Eintrittskarte in eine Musikkarriere wurde. „Dieser Song hat mein Leben verändert“, sagt Scott. Aber braucht er ihn noch, spricht nicht längst seine eigene Musik für sich? Die Antwort gibt Calum Scott mit seiner Performance. Er hat dieses Lied zu seinem gemacht, hat ihm seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Seine Version ist mittlerweile bekannter als das Original. Das macht einen großen Künstler aus.