Hamburg

Big Thief stehlen die Herzen der Hamburger

Adrianne Lenker singt und spielt Gitarre (Archivbild).
Adrianne Lenker singt und spielt Gitarre (Archivbild).

Sanfte Töne, aber auch kreischende Gitarren: Big Thief beweisen einmal mehr, dass sie eine der besten Livebands der Indie-Szene sind.

Seit mehr als zehn Jahren erspielen sich Big Thief mit ihren ausgefeilten Alben zwischen Indierock, Folk und Country eine wachsende Fangemeinde. Wichtig aber ist, um aus aktuellem Anlass einen Sinnspruch aus der Fußballwelt heranzuziehen, auf dem Platz, also der Bühne. Und dort spielt das Trio – auf Tour erweitert um einen Bassisten – ganz oben mit.

Eines Einheizers hätte es bei den hohen Erwartungen in der ausverkauften und sowieso recht schwülen Großen Freiheit also nicht bedurft. Er kam trotzdem: Ata Kak ist als Support ein krasses Kontrastprogramm zum Hauptact. Der ghanaische Mittsechziger und seine Band sorgen eine Dreiviertelstunde mit afrikanischem Rap und Elektro für Stimmung. Als Ata Kak abtritt, ist der Club in bestens animierter Mitsing- und Tanzlaune.

Big Thief in Hamburg: Sie zeigen ihre schönsten Songs

Das geht mit Big Thief so nicht gleich weiter. Ruhig geht’s nämlich los. Songwriterin Adrianne Lenker, die auch als Solokünstlerin erfolgreich ist, steht durch ihre Funktion als Sängerin im Mittelpunkt. Aber sehr unprätentiös in hemdsärmeliger Jeanskluft.

Schon die Anordnung auf der Bühne zeigt, dass Big Thief eine sehr eigenwillige Liveband ist. Das Quartett sortiert sich in einer Art Halbkreis. Ihr Konzert ist keine Präsentation der schönsten Songs, kein Showcase. Die Musik ist ein lebendiger Organismus. Natürlich spielen sie für ihr Publikum. Aber genauso für sich selbst. Bisweilen wirkt es, als dürften wir an einer privaten Session teilhaben, es ist ein Gemeinschaftserlebnis. Dabei rückt die physische Komponente der Instrumente stark in den Fokus. Kunst ist eben – auch – Handwerk.

Big Thief sträuben sich gegen Konventionen

Die Band sträubt sich zudem gegen gängige Konventionen, als sie auf ihrer ausgedehnten Tour ihr Repertoire durch den Setlist-Mixer quirlen und so jeder Abend eine andere Gestalt hat. Dieser Hamburger Abend ist glücklicherweise mit einigen der schönsten Songs der Band bestückt, etwa „Certainty“, „Shark Smile“, „Spud Infinity“, „Simulation Swarm“ und „Masterpiece“. Bei manchen von ihnen greifen Lenker und Co. hart in die Saiten. Diese lauten, schroffen Momente kontrastieren abwechslungsreich mit den leisen Tönen.

Zweimal lädt Lenker zum Mitsingen ein, und das Publikum macht gern mit – fast andächtig, um den zerbrechlichen Songs nicht zu schaden. „Eure Stimmen sind so süß“, freut sich Lenker. Das Kompliment geben wir gern zurück. Knapp zwei Stunden Big Thief sind einfach ein richtig gutes Konzerterlebnis ohne viel Schnickschnack. Ehrlich!

Seit mehr als zehn Jahren erspielen sich Big Thief mit ihren ausgefeilten Alben zwischen Indierock, Folk und Country eine wachsende Fangemeinde. Wichtig aber ist, um aus aktuellem Anlass einen Sinnspruch aus der Fußballwelt heranzuziehen, auf dem Platz, also der Bühne. Und dort spielt das Trio – auf Tour erweitert um einen Bassisten – ganz oben mit.

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