Alles easy bei Cros Chronicles Tour auf der Trabrennbahn
Ein schwarzer Vorhang fällt nach unten, als der Rapper Cro in seiner glitzernden Bomberjacke auf die Bühne springt. „Wie in guten alten Zeiten, in der Elbphilharmonie“, erinnert sich der 35-Jährige. Doch die Stimmung am Freitagabend auf der Hamburger Trabrennbahn ist verhalten.
Eine schnelle Zeitreise durch die letzten Alben beginnt. Songs werden angespielt, bekannte Gesichter aus der Deutschrap-Szene auf die Bühne geholt. Es sind zu viele, um sie zu nennen. Zu ihnen gehören Rapper Badchieff, Voract Majan und Edo Saiya, mit denen Cro ihren gemeinsamen Hit „Ich liebe“ performt. Wie ein großer Bruder scheint er für seine Gäste zu sein, die sich artig für ihre Auftritte bedanken und ihre eigenen Alben bewerben.
Zwischendurch spielt Cro mit riesigen Basketbällen, tanzt mit seinen Backgroundsängerinnen und macht Fotos mit seinen Fans – die passende Social-Media-Dokumentation ist ein integraler Bestandteil des Freiluftkonzerts. Dabei bleibt wenig Zeit für persönliche Anekdoten, vielleicht gehört das aber auch zum Mysterium Cro. Die verspiegelte Maske verdeckt das Gesicht, kühles Silber zieht sich durch die Inszenierung.
Bei Cros Chronicles Tour bleibt nichts dem Zufall überlassen
Kurze Trailer mit einer KI-anmutenden Stimme verkünden die wechselnden Stimmungen: Jede Ära erhält ein passendes Bühnenbild und ein eigenes Outfit. Bei einer solch konstruierten Show ist der Vergleich zu Taylor Swifts „Eras“-Tour naheliegend. Ähnlich wie dem Popstar ist es Cro gelungen, sich in all den Jahren immer wieder neu zu erfinden.
Passenderweise besteht auch das Publikum zum größten Teil aus jungen Frauen in Coachella-Outfits, Paaren und Kindern. „Sind heute auch Männer da“, fragt Cro lachend. Brav folgen sie den Anweisungen des Rappers: mal halten alle Pistolenfinger in die Höhe, mal hüpfen sie zu Cros melodischen Refrains.
Erinnerungen an die 2010er an einem nostalgischen Abend
13 Jahre sind es her, als Cros erste Platte Roap ihm den 1. Platz in den deutschen Charts bescherte. Es ist die goldene Chronik seiner Chronicles-Tour, in der die Menge endlich auftaut. Und das weiß Cro, nicht umsonst sind die meisten Songs der Setlist von seinem sechsten Studioalbum Raop. Schwarzweiße Musikvideos laufen im Hintergrund, funkelnde Fontänen leuchten in der lauwarmen Freitagnacht.
Spätestens bei „Ein Teil“ zücken alle das Handy, um die Songs der 2010er zu dokumentieren. Die Zeile „du bist und bleibst ein Teil“ wirkt noch bedeutungsschwerer, als Cro zu einer flauschigen E-Gitarre greift und eine stille Variante des Hits singt.
Wer ist der Mann mit der Pandamaske?
Nun in altbekannter Pandamaske und Tanktop rappt Cro von Frauen und Geld, teuren Häusern und schnellen Autos. Mehr als zehn Jahre später bleibt ein kapitalistischer Beigeschmack lauter im Ohr. Die Fans stört das nicht, sie tanzen zu der fröhlichen Hiphop-Musik ihrer Kindheit. Seine Lässigkeit hat Cro nicht verloren, so locker groovt er mit seiner Crew vor den knapp 30.000 Fans.
Nach 90 Minuten rollen die Credits über die großen Leinwände, während die Fans im Eilzug die Trabrennbahn verlassen. Rufe nach Zugaben bleiben aus.