Abschied von Fettes Brot: Fans fassungslos – so war die Party des Jahrhunderts

Bühne, dre Musiker auf einem Schlepper, im Hintergrund eine Plastikmöwe
Dokter Renz (v.l.), König Boris und Björn Beton am Samstag auf der Trabrennbahn: Fettes Brot ist jetzt Geschichte.

Jetzt also wirklich. Vor knapp zehn Monaten hatten Fettes Brot ihr großes Finale angekündigt. Samstagabend um 22.19 Uhr ist dann tatsächlich Schluss. Das allerletzte Konzert der Band zu Ende, der letzte Vorhang gefallen, die Gesichter der 25.000 Fans gerötet. Erschöpft vom Tanzen, zu Tränen gerührt – und noch immer fassungslos. Über diese Party des Jahrhunderts. Und über richtig fette Überraschungsgäste.

„Oh nein, jetzt hat er es gesagt, das schlimme Wort“, ruft Dokter Renz und zeigt auf seine Kollegen. „Abschied! Das ist der Elefant auf der Trabrennbahn!“ Es ist 18 Uhr, der zweite „Brotstock“-Abend läuft seit einer halben Stunde, aber alles Drumrumreden hilft ja nix. Wissen die drei Rapper auch. Alle sind hier, um sie ein letztes Mal live zu erleben. Und sie selbst sind hier, um ein letztes Mal Fettes Brot zu sein. Da kann man schon mal einen Kloß im Hals haben. Aber: „Es sind nur 20 Prozent Traurigkeit erlaubt.” Die Losung hat König Boris schon am Freitagabend ausgegeben (hier können Sie lesen, wie der erste „Brotstock“-Abend lief), er wiederholt sie auch am Samstag wieder.

Großes Finale: Das letzte Konzert von Fettes Brot

Und die Band setzt alles daran, die restlichen 80 Prozent mit ordentlich Party zu füllen. Drum kommt zu Beginn des Abends – lange bevor König Boris, Björn Beton und Dokter Renz überhaupt zu sehen sind – Meute auf die Bühne. Saxofone, Schlagwerk, Trompeten, ein Sousafon … das klötert ganz ordentlich. Der Bass pumpt vielleicht nicht bis nach Obervolta, aber schon gut in die Magengegend. Könnte so weitergehen.

Geht es auch. Wie auch am Freitag sind Fatoni, Grossstadtgeflüster, Antilopen Gang und dann noch schnell Danger Dan solo dran. Die Brote – sweete Gastgeber, die sie sind – sagen jeden Act an, erzählen Anekdoten, lachen. Man drückt sich, man schätzt sich. Es macht Spaß, all dem zuzusehen.

Blick ins Publikum
25.000 Fans feierten den Abschied von Fettes Brot am Samstag.

Und dann das: „Wir haben im Trockendock Anfang der 90er so kleine, quirlige Kinder gesehen“, sagt Renz kurz vor 19 Uhr und ein Raunen geht durch die Menge. „Diese Band, die wir für sehr talentierte Kinder gehalten haben, ist heute hier.“ Beginner? „Ahnma“! „Hammerhart“ (umgedichtet in „Ihr seid Zeuge, wie Schiffmeister ’n neuen Hit schreibt“) – fast nicht enden wollender Applaus. „Schön, dass ihr unsere Freunde auch so mögt“, sagt Björn Beton und lacht.

Danach geht’s dann aber wirklich nur noch um sie. Erst gibt‘s Gold- und Platin-Platten vom Management, viel Liebe von allen Seiten (Björn Beton: „Ich habe mit euch die besten Typen getroffen. Danke!“) und nach einer kurzen „Halbzeitpause“ die komplette Packung Fettes Brot. Mehr als 20 Songs stehen auf der Setlist, die (und das finden nicht alle Fans gut) dieselbe ist wie am Freitag. Von „Jein“, über „Erdbeben“, „Denxu“, „Nordish By Nature“ (mit Jan Delay!) bis „Emanuela“ – 25.000 Menschen springen und grölen. Das mit der Party nehmen sie ernst, die Drei. „Brot weint nicht“ ist der vorerst letzte Song, es ist kurz vor halb 10, ein Vorhang wird hochgezogen.

Beginner und Die Ärzte als Überraschungsgäste

Nur um wenig später schon wieder zu fallen: Überraschung! Die Ärzte! „Das andere Trio“, wie Bela B die Band (aus Berlin!) knackig vorstellt. „Teenagerliebe“, „Schrei nach Liebe“ – und auf Wunsch der Brote „Radio brennt“, das nahtlos in Fettes Brots „Was in der Zeitung steht“ übergeht. Kein Halten mehr im Publikum, auch die Jüngeren sind komplett textsicher. Nach zehn Minuten ist schon wieder alles vorbei, Punkrock eben. Aber auch zehn Minuten Die Ärzte muss man sich erstmal gönnen können. Fettes Brot – von Rap- und Rock-Kollegen in früheren Jahren häufiger mal belächelt – können das. Und sie feiern sich an diesem Abend zu Recht dafür.

Es geht auf 22 Uhr zu, noch sechs Lieder bis zum Ende (für immer, immer), da darf man auch gefühlig werden – und zu „Echo“ einen Sternenhimmel aus Handylichtern verlangen. Aber es wäre nicht die Party des Jahrhunderts, käme da nicht noch der komplette Abriss mit „Bettina“ und „Schwule Mädchen“. Alle! Springen! Alle singen! Selbst als der Song längst vorbei ist. Die Rührung ist Dokter Renz, Björn Beton und König Boris anzusehen, viel mehr aber noch die Freude und die Dankbarkeit. „Ey Leute, das vergessen wir nie!“, rufen sie. Die Kameras zeigen Menschen in den ersten Reihen, da sind viele feuchte Augen zu sehen. Ein letzter Vorhang, das Licht geht an. Es ist 22.19 Uhr.

Brot weint nicht? Kann sein. 25.000 Brötchen dafür umso doller.