30 Seconds To Mars in Hamburg: Ein Rockgott lässt es bombastisch krachen

Jared Leto mit 30 Seconds To Mars im Konfetti-Regen.
Jared Leto mit 30 Seconds To Mars im Konfetti-Regen.

Dass er nicht nur ein exzellenter Schauspieler ist, sondern auch ein großer Selbstdarsteller, zeigte Oscar-Preisträger Jared Leto am Sonntagabend in der Barclays-Arena: Mit seinem Bruder Shannon Leto absolvierte er den Deutschland-Tourauftakt der gemeinsamen Band 30 Seconds To Mars. Das Publikum machte er dabei zu Statisten seiner Inszenierung, für die er groß auffuhr.

„Gefällt euch mein Cowboy-Hut?“, fragt Jared Leto, Frontmann der US-Rockband. „This ain’t Texas“, hätten wir ihm gern in Beyoncé-Manier gesagt. Aber gut sieht er ja damit aus.

Sein langes Haar ist darunter so perfekt gelegt, als stünde er für ein Gucci-Shooting vor der Kamera. Seine schwarze Tunika flattert bei jeder seiner Bewegungen. Und davon gibt es an diesem Abend vor knapp 6000 Zuschauern reichlich. Auch wenn schon mal mehr gekommen waren.

Rezension: 30 Seconds To Mars in Hamburg

Die beiden Brüder Jared und Shannon Leto entern die Bühne durch die Menge und bringen gleich zu Anfang ihren Hit „Kings And Queens“. Der Sound klingt bombastisch, und auch Jared ist bestens bei Stimme.

Jared Letos Tanz mit der Deutschland-Flagge kommt beim Hamburger Publikum gut an.
Jared Letos Tanz mit der Deutschland-Flagge kommt beim Hamburger Publikum gut an.

Den Bühnen-Hintergrund ziert eine eindrucksvolle XL-Leinwand mit Lichtumrandung in Pyramidenform. Während Shannon davor mit Sonnenbrille wie ein Berserker trommelt, formt Jared – ebenfalls mit Sonnenbrille – mit den Händen Pyramiden in Richtung Fans. Das Publikum gibt den Ohohoho-Chor, und es klingt ganz warm, weich und wunderbar. Was für ein toller Einstand! „Danke, danke, dankeschön“, sagt Jared.

Bombast-Show mit Jared Leto in Hamburg

„Are you ready?“, fragt er im Anschluss, und schon schießt Konfetti passend zum Song „Up In The Air“ in die Luft. Jareds Wolken-Bilder flimmern dazu über die Leinwand. Sie stammen aus dem Artwork des neuen, mittlerweile schon sechsten 30 Seconds To Mars Albums „It’s The End Of The World But It’s A Beautiful Day“.

Sowieso ist es Jareds Show, und wir sind alle nur seine Statisten – daran lässt der Frontmann und Oscar-Preisträger keinen Zweifel. Seine Regie-Anweisungen sind überdeutlich: „Get the fuck down“, meint er etwas unwirsch – geht aber immerhin auch selbst in die Knie, um danach im Kollektiv mit den Fans hochzuspringen. „Get your hands in the air“, befiehlt er bei „Walk On Water“. „Louder“, dirigiert er uns, seinen Chor.

Bombastisch: 30 Seconds To Mars in der Barclays Arena

Auch die Lichtregie übernimmt er gleich mit, als er sich auf die Suche nach dem verrücktesten Tänzer im Publikum macht. Das gleicht bei ihm einem Casting. „This ain’t Hollywood“, hätten wir ihm gern zugerufen.

Drei Fans dürfen zum Song „Rescue Me“ auf der Bühne crazy mit ihm tanzen. „Ihr Deutschen braucht immer etwas Zeit, um warm zu werden, aber wenn ihr es seid, dann ist es großartig“, bemüht sich Jared um ein Kompliment.

Zu „Do Or Die“ gibt es Feuersalven aus dem Boden, Raubkatzen auf der Leinwand und einen Tanz mit der Deutschland-Flagge von Jared. Das kommt schon gut. Sympathie-Bekundungen aus dem Publikum entgegnet er mit „I love you too, bro.“

Meister der Selbstinszenierung: Jared Leto live in Hamburg

Dann bringt er die Kamera-Männer auf der Bühne in Position, denn er will Mutti zum Muttertag gratulieren – und wir dürfen alle dabei sein. Mit den goldenen Handschuhen, die Jared trägt, lässt sich das Smartphone allerdings nicht bedienen, aber das erledigen andere für ihn. Als Mutter Leto schließlich den Hörer abnimmt, wünscht ihr das Publikum einen schönen Muttertag. „Du musst jetzt sagen: dankeschön“, sagt er seiner Mutter. Auch sie macht, was Jared ihr sagt.

Zu „Do Or Die“ gibt es bei 30 Seconds To Mars Feuersalven aus dem Boden.
Zu „Do Or Die“ gibt es bei 30 Seconds To Mars Feuersalven aus dem Boden.

„Are you having fun tonight?“, vergewissert sich Jared, um dann auszuholen, dass das deutsche Publikum ihre Leben verändert hätte. „Als wir anfingen, kamen wir immer wieder zu euch, ihr habt an uns geglaubt, deshalb konnten wir mehr an uns glauben und unsere Träume wahr werden lassen. Nun träumen wir alle zusammen, das ist eine schöne Sache. Danke an euch. Wir lieben euch.“

Jared Leto kommt rüber wie ein Rockgott, auch wenn ihm die eigene Eitelkeit gern mal im Weg steht. Wie gut er singen kann, beweist er einmal mehr mit dem Coversong „Stay“, bekannt durch Rihanna, den er akustisch ohne seinen Bruder darbietet.

30 Seconds To Mars fahren große Show auf

Ist denn schon Weihnachten, fragt man sich, als die Pyramide zu „City Of Angels“ leuchtet wie ein Tannenbaum – die Fans schwenken ihre Handylichter dazu. Bei „A Beautiful Lie“ von 2005 sieht man den Jared von vor 20 Jahren auf der Leinwand neben dem Heutigen. Er hat sich gut gehalten – natürlich!

Zu „Stuck“ in der Zugabe zeigt er sich unter freakigen Models auf jener Leinwand. Zwischendurch geht er noch live auf Instagram und erzählt allen, die nicht vor Ort sind, dass sie die beste Show überhaupt verpassen. Auch das gehört zu einer Inszenierung.

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Bei „The Kill“ nimmt Jared ein Bad in der Menge. „We love you so much. Dankeschön, dankeschön, dankeschön“, lauten seine Abschiedsworte.

Bevor 30 Seconds To Mars gehen, gibt es allerdings eine weitere Castingrunde: Jared zeigt mit dem Finger auf die Auserwählten, die mit ihm zum Rausschmeißer-Song „Closer To The Edge“ auf der Bühne tanzen dürfen. Mit hochgestreckter Faust versteht sich.