Düstere Szene mit zwei Personen

„Richard III.“ kommt Ende Mai vom Düsseldorfer Schauspielhaus nach Hamburg. Foto: Thomas Rabsch

„Hamburger Theater Festival“ bringt Schauspielstars und alte Bekannte in die Stadt

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2026 gibt es zwar kein rundes Jubiläum, dennoch genug Gründe zum Jubeln beim diesjährigen „Hamburger Theater Festival“. Acht Gründe, um genau zu sein, denn so viele sensationelle Produktionen holt die aktuelle Ausgabe in die Hansestadt. Auf den Bühnen vom 23. Mai bis 21. Juni: Schauspielstars und alte Bekannte.

Innerhalb von nur vier Wochen präsentieren sich die Theaterstücke in Hamburger Spielstätten, so gebündelt wie nie zuvor. Jedes Gastspiel ist an aufeinanderfolgenden Tagen zwei Mal zu sehen. Für Werke wie Spielende gilt: Große Namen und gute Bekannte mischen sich mit Raritäten und Newcomern. Die Acht sind das Best-of-Ergebnis aus 50 Inszenierungen, die Intendant Nikolaus Besch für das Festival im gesamten deutschsprachigen Raum sichtete.   

„Hamburger Theater Festival“: 23. Mai bis 21. Juni

Niemand kann den russischen Irrsinn besser kommentieren als Künstler aus Russland – mit sicherem Abstand aus dem Exil: Zur Eröffnung inszeniert Regiestar Kirill Serebrennikov „Der Schneesturm“ seines Landsmanns Vladimir Sorokin, eine Reise ins zukünftige Russland als Theater für alle Sinne mit Text, Tanz, Gesang und Projektionen. (23./24.5., Thalia-Theater)

„Der Schneesturm“ von Kirill Serebrennikov: am 23./24. Mai im Thalia-Theater Vahid Amanpour
Wilde Szene mit vielen Menschen
„Der Schneesturm“ von Kirill Serebrennikov: am 23./24. Mai im Thalia-Theater

Erstmals in Hamburg zu erleben ist die Regiehandschrift von Evgeny Titov; bei ihm wird Shakespeares „Richard III.“ mit André Kaczmarczyk in der Titelrolle zum grausamen Machtkampf der besonderen Art – Richard ist allein unter Frauen. (27.5./28.5., Schauspielhaus) 

Pulitzerpreisträger Ayad Akhtar beschreibt in seinem Drama „Der Fall McNeal“, wie ein bislang erfolgreicher Schriftsteller seinen körperlichen Verfall durch die Nutzung von KI auszugleichen sucht; dabei schreckt er auch nicht vor einem Verrat an seiner Familie zurück – eine Figur, wie geschaffen für den schillernden Joachim Meyerhoff. (3.6./4.6., Schauspielhaus) 

Erschreckend aktuell sind die Parallelen zwischen einem Brecht-Stück und heutigen Verhältnissen: „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ entstand als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre, tatsächlich sind die dort beschriebenen menschenverachtenden Mechanismen hundert Jahre später immer noch die gleichen. (9.6./10.6., Thalia-Theater) 

Festival im Schauspielhaus, Thalia-Theater, St. Pauli-Theater – und in der Bucerius-Law-School

34 Jahre jung ist die Regisseurin Elsa-Sophie Jach, entsprechend jugendlich ihr Blick auf die berühmteste Liebesgeschichte der Welt, Shakespeares „Romeo und Julia“. Begleitet von Live-Musik, spielt neben einer toughen Julia und einem sensiblen Romeo das bewegliche Bühnenbild eine wichtige Rolle. (10.6./11.6., Schauspielhaus)

Kafkas unvollendete Erzählung „Der Bau“ nimmt Max Simonischek zum Anlass, sich in das dort beschriebene Tier zu verwandeln: Er inszeniert und spielt das Solo eines Wesens, das sich in einem unterirdischen Labyrinth verschanzt, einem Zufluchtsort vor (nicht vorhandenen) Feinden. (12./13.6., St. Pauli-Theater) 

Während seines zweijährigen Zuchthausaufenthalts schrieb Oscar Wilde einen buchlangen Brief an seinen ehemaligen Geliebten, Lord Alfred Douglas; verurteilt worden war er wegen seiner Liebe zu ihm, aufgrund von „homosexuellen Handlungen“, aber eigentlich wollte man ihn als abschreckendes Beispiel abstempeln. Veröffentlicht unter dem Titel „De Profundis“, wird dieses letzte, sprachgewaltige Statement des brillanten Dichters nun lebendig: Oliver Reese inszeniert Jens Harzer alias Oscar Wilde. (14./15.6., Thalia-Theater)

Das Schauspiel Stuttgart beendet das Festival am 20. und 21. Juni mit „Die Ermittlung“ in der Bucerius-Law-School. Ingrid Hertfelder
Situation im Gericht, man sieht drei Menschen
Das Schauspiel Stuttgart beendet das Festival am 20. und 21. Juni mit „Die Ermittlung“ in der Bucerius-Law-School.

Das vielleicht wichtigste Stück setzt den Schlusspunkt: Vor 60 Jahren verfasste Peter Weiss mit „Die Ermittlung“ ein dokumentarisches Drama über den ersten Auschwitz-Prozess in Deutschland, den er als Zuschauer miterlebte. Darin wird verstörend sachlich über die perfekte Tötungsmaschinerie der Nazis berichtet, Täter und Opfer treffen im Gerichtssaal erneut aufeinander. Dieser Abend braucht unbedingt einen besonderen Rahmen, und den liefert das Helmut-Schmidt-Auditorium der Bucerius-Law-School. (20./21.6.)

Das sich ausschließlich aus privaten Geldern und dem Kartenverkauf finanzierende Hamburger Theaterfestival war selten gesellschaftlich relevanter als in diesem Jahr: Erschreckend aktuell sind die vielen Bezüge zwischen dem Programm und der weltpolitischen Lage.

Hamburger Theater Festival: 23.5.-21.6., div. Zeiten, Schauspielhaus, Thalia-Theater, St. Pauli-Theater, Bucerius-Law-School, Programm unter www.hamburgertheaterfestival.de, der Vorverkauf startet am 16. Februar

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