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Promi-Premiere und jede Menge Hits: So ist das neue Musical „& Julia“

Chiara Fuhrmann in der Rolle der Julia singt die Empowerment-Hymne „Roar“ von Katy Perry.
Manifest für die Selbstbestimmung der Frau: Chiara Fuhrmann in der Rolle der Julia singt die Empowerment-Hymne „Roar“ von Katy Perry.

Eigentlich sind das doch die besten Abende: Man hat nicht viel erwartet, wird dann aber überaus positiv überrascht. So geschehen beim neuen Pop-Musical „& Julia“, das am Mittwoch im Operettenhaus unter Anwesenheit zahlreicher Promis seine Deutschland-Premiere feierte. Darunter auch Hit-Produzenten-Legende Max Martin höchstpersönlich.

Warum die anfängliche Skepsis? Das Konzept klang ein bisschen zu einfach, ja geradezu verdächtig: Man nehme 24 Nummer-1-Hits des schwedischen Rekord-Songwriters und -Produzenten Max Martin und mache daraus ein Musiktheaterstück. Das kann doch nur flach werden – war zumindest zu befürchten.

Tatsächlich ist die Story von „& Julia“ aber originell und geradezu inspirierend, sie trifft den Zeitgeist und die Songs sind – mehrheitlich in neuen Arrangements – so fabelhaft in die Geschichte eingepasst, dass nichts wie mit der Kneifzange herbeigeführt wirkt. Dennoch bleibt es natürlich ein Jukebox-Musical, diese ist dann auch Bestandteil der Bühnendekoration.

„& Julia“ in Hamburg: Spektakulär und stark besetzt

Das Buch stammt von David West Read, die Regie von Luke Sheppard und die Choreografie von Jennifer Weber. Am Anfang steht die Frage: Was wäre, wenn William Shakespeare (1564-1616) das Ende von „Romeo und Julia“ anders geschrieben hätte? Zu „Larger Than Life“, im Original gesungen von den Backstreet Boys, springt der Dichter (gespielt von Andreas Bongard) höchstpersönlich auf die Bühne. Er kommt eher daher wie Boyband-Material: blondierte Haare, Lederweste, Jeans, Turnschuhe und Hüftschwung, aber mit Schreibfeder in der Hand.

Er erzählt seiner Frau Anne Hathaway von einem „spektakulären Ende“ für das berühmteste Liebespaar aller Zeiten: Beide sollen sterben. Doch seine Angetraute ist sich sicher: „Lass das Ende wie es ist, dann bleibt’s eben Mist.“ Während William noch beharrlich „I Want It That Way“ (ebenfalls Backstreet Boys) singt, setzt sich Anne immer mehr durch: „Romeo kann ruhig sterben, das passt.“ Aber Julia darf weiterleben! Mehr noch, Anne schreibt sich gleich selbst ins Stück hinein als eine der besten Freundinnen von Julia.

„& Julia“: Coole Ensemble-Tanznummer

Schon bei Romeos Beerdigung in Verona wird schnell klar: Julia tat gut daran, sich für das Leben zu entscheiden. Denn ihr Kurzzeitgatte war ein Weiberheld. „Er stand ständig unter meinem Balkon“, so eine seiner Angebeteten. Julias Eltern wollen sie zur Läuterung in ein Kloster schicken. Doch Julia und ihr Tross flüchten nach Paris, kosten das Leben, die Partys und die Liebe aus; in Kostümen, die gerne eine Rüsche zu viel haben.

Echt cool ist die Ensemble-Tanznummer beim „Renaissance Ball“, an dessen Ende Julia mit dem Kronleuchter über der Bühne schwebt. Eine kreisrunde Drehbühne sorgt für zusätzliche Effekte bei den Choreografien.

In „& Julia“ tritt auch der Original-Autor William Shakespeare (M.) auf – aber als Boygroup-Mitglied.
In „& Julia“ tritt auch der Original-Autor William Shakespeare (M.) auf – aber als Boygroup-Mitglied.

Witzig: Immer wieder werden Szenen eingestreut, in denen sich William und Anne über den Fortgang der Story austauschen. Gender-Bending sowie die Suche nach Identität gehören zu den zentralen Themen. Anne hält ihrem Gatten den Spiegel vor, schrieb er doch Stücke, in denen „Männer Frauenkleider tragen, die dann wieder Frauen spielen in Männerkleidern.“

Gänsehaut im Stage Operettenhaus bei „& Julia“

May, die Freundin von Julia, ist irgendwo dazwischen. Es ist der erste emotionale Höhepunkt der Show, wenn May auf der Suche nach der eigenen Identität das Solo „I’m Not a Girl, Not Yet A Woman“ (von Britney Spears) singt. Gänsehaut pur!

Während die Gender-Diskussion im Alltag manchen mittlerweile nerven mag, ist es hier wunderschön in die Handlung eingebettet. Kleine Randnotiz: Bram Tahamata scheint optisch und stimmlich auch wie gemacht für die Titelrolle im am 2.12. startenden Michael-Jackson-Musical.

Chiara Fuhrmann: Stark in der Rolle der Julia

Sowieso ist das Stück gesanglich stark besetzt. Wenn Willemijn Verkaik (war u. a. Elsa in „Die Eiskönigin“) als Anne stimmgewaltig „That’s The Way It Is“ darbietet, kommt sie im Gesamteindruck ganz nah an Céline Dion ran. Bravo! Und auch Chiara Fuhrmann in der Rolle der Julia bringt ihr gesungenes Manifest für Selbstliebe und Selbstbestimmung der Frau stark rüber. Darauf die Empowerment-Hymne „Roar“ von Katy Perry.

Opulentes Spektakel: Das Musical „& Julia“ in Hamburg.
Opulentes Spektakel: Das Musical „& Julia“ in Hamburg.

Da sich Shakespeare entscheidet, im zweiten Akt mehr Konflikt zu haben und deshalb Romeo von den Toten wieder auferstehen lässt, entwickelt sich der Stoff – sehr zum Missfallen von Anne – zur Vierecks-Liebesgeschichte. Denn Francois (Oliver Edward), Sohn des Nachtclubbesitzers vom „Renaissance Ball“, ist sich nicht sicher, ob er Julia oder May liebt. Und als Romeo (Raphael Groß) wieder auftaucht, kommt auch Julia erneut ins Schwanken. „Wird es schon wieder eine Tragödie? Was, wenn es Schicksal ist, dass Julia alles verkackt?“, fragt sie sich. Aber wo ein William ist, ist auch ein Weg…

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Toll: Auch der sonst eher unsichtbare Hitproduzent Max Martin kam für ein „Moin, Moin Hamburg!“ ins Operettenhaus vorbei und lobte den Cast über den Klee. Für ihn war die Hamburg-Premiere fast wichtiger als die am New Yorker Broadway oder dem Londoner West End – und er erklärte auch warum: „Als ich damals anfing, Songs zu schreiben, waren Deutschland und speziell Hamburg der erste Ort, an dem die Musik der Backstreet Boys Anklang fand.“ Und nun darf sich ganz Hamburg in „& Julia“ verlieben – dieses Musical ist ein Knaller!

Stage Operettenhaus: Di-So, verschiedene Zeiten, Tickets ab 59,99 Euro

Eigentlich sind das doch die besten Abende: Man hat nicht viel erwartet, wird dann aber überaus positiv überrascht. So geschehen beim neuen Pop-Musical „& Julia“, das am Mittwoch im Operettenhaus unter Anwesenheit zahlreicher Promis seine Deutschland-Premiere feierte. Darunter auch Hit-Produzenten-Legende Max Martin höchstpersönlich.