„Monster’s Paradise“: Da passiert Ungeheuerliches in der Staatsoper
Wie das künstliche Grün im Teletubbie-Land sieht die Welt aus. Mittendrin ein hässlicher Protz-Palast in grellem Gold. Darin ein fieser König-Präsident, der grausame Spiele mit aufmarschierenden Entertainern in Elvis- oder Hotdog-Kostümen spielt. Und das alles in der Staatsoper? Ja! Da gibt Bariton Georg Nigl furchtlos und orange geschminkt diese Parodie von Donald Trump.
Vergangenen Sonntag hatte die Polit-Groteske „Monster’s Paradise“ ihre Uraufführung. Die Musik stammt von Olga Neuwirth, die gemeinsam mit der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek auch das Libretto verfasste. Tobias Kratzer, seit dieser Saison Intendant des Hauses, fährt für die Inszenierung das große Bühnen-Besteck auf. Mit Neonreklame, einem von ökologischen Fragen bewegten Seemonster und viel Video. Er setzt dabei auf überzeichnende Elemente der „Grand Guignol Opéra“, eines französischen Horrortheaters aus dem 18. Jahrhundert.
Wilder Ritt mit Vampirinnen, einer Riesenechse – und Donald Trump
In dem Musiktheater treten mit je einer Schauspielerin und einer Sängerin besetzte Avatare von Neuwirth und Jelinek als Vampir-Duo Vampi (Sylvie Rohrer, Sarah Defrise) und Bampi (Ruth Rosenfeld, Kristina Stanek) auf. Geschockt von den Bedrohungen durch den Klimawandel und den despotischen Herrscher begeben sie sich für eine letzte Mahnung in die Welt.
Sie landen am Präsidenten-Palast. Dort lehnt die Gattin des Königs-Präsidenten auf Abruf mit Breitrandhut am Cola-Automaten. Die Untertanen Mickey (Andrew Watts) und Tuckey (Eric Jurenas) geben hörige Staatsdiener. „Wer Milliarden hat, braucht keine Wähler“, verkündet der Despot eine seiner einfachen gefährlichen Wahrheiten. In der Gestalt von Muppet-Figuren versuchen die Vampirinnen vergeblich, ihn zu töten. Diese Szenen haben Schauwert!

Auf einer Insel kommt es zur Begegnung des Königs-Präsidenten mit seinem Gegner, dem Seemonster Gorgonzilla (gesprochen von Anna Clementi und dargestellt von Vanessa Konzok). Später, als das Chaos aus Naturzerstörung und Kriegen weiter um sich greift, wird das Monster ihn besiegen und seinen Platz einnehmen. Doch damit ist die Welt nicht gerettet. Vampi und Bampi, herausragend gesungen und gespielt, irren weiter durch eine gottlose Welt. Während Gorgonzilla sich auf einem Hochhaus im Spielzeugformat (Bühne und Kostüme: Rainer Sellmaier) ausruht, sprießt auf einmal frisches Grün. Ein Stoffhase hoppelt vorbei. Doch die britische Schauspiellegende Charlotte Rampling tritt per Video als mahnende „The Goddess“ auf. Tapsig sich verrenkende Zombies kriechen hervor.
„Monster’s Paradise“ in Hamburg: Nur noch bis 19. Februar
Die Revue rührt kraftvolle Bilder mit viel Bühnenzauber zusammen. Der Stoff ist von zeitloser Aktualität, den der Text allerdings kaum in der Tiefe auslotet. In der herausfordernden Musik lösen sich wenig harmonische Klänge mit eher filmischen Melodien ab. Am Ende liegt der einzige Ausweg in der Kunst. Nachdem gigantische Wassermassen – per Video – alles verschlungen haben, finden sich Vampi und Bampi an der Oberfläche des Ozeans wieder und spielen an einem verstimmten Flügel vierhändig Schubert. Auch dafür gibt’s langen Applaus. (mp/dpa)

Staatsoper: 8./11./13./19.2., je 19 Uhr, 7-119 Euro (Einführung: 45 Minuten vor der Vorstellung)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.