Solo auf der Bühne, viel Mimik, sie zeigt mit ausgestrecktem Arm nach vorne

„Meisterklasse“: Annic-Barbara Fenske ist brillant als „die Callas“. Foto: Morris Mac Matzen

„Meisterklasse“: Tragikomisches Meisterwerk über „die Callas“ auf dem Kiez

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Sie gilt als „Primadonna assoluta“, eine der größten Opernsängerinnen aller Zeiten, eine Diva mit Allüren, die mit ihrer markanten und ausdrucksstarken Stimme, die fast drei Oktaven umfasste, für Furore sorgte: Maria Callas. Im Schmidtchen ist nun ein musikalisches Bühnenstück zu sehen, das das Leben, vor allem aber die innere Zerrissenheit dieser Ausnahmekünstlerin in den Fokus nimmt.

Schmidt-Chef Corny Littmann führte Regie bei „Meisterklasse“, eine Herzenssache für ihn: „Maria Callas war eine fantastische Sängerin und Persönlichkeit. Ihre Geschichte hat mich fasziniert, mit allen Höhen und Tiefen.“ Das Stück zieht das Publikum direkt hinein in eine der Meisterklassen, die die Diva nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere Anfang der 70er in New York unterrichtete. Jede und jeder hier wird zur Gesangsschülerin und zum Gesangsschüler – und muss dabei zusehen, wie die Legende ihre „Opfer“ herunterputzt.

Corny Littmann inszenierte die „Meisterklasse“

Annic-Barbara Fenske (u.a. bekannt aus den Schmidt-Produktionen „Der Räuber Hotzenplotz“, „Die Weihnachtsbäckerei“) brilliert in der Rolle der Callas. Jede Geste, jede hochgezogene Augenbraue, jedes ungeduldige Aufseufzen mimt sie formvollendet. Egal, ob sie Pianist „Manny“ herablassend herumscheucht und kapriziös nach einem Kissen, Fußschemel oder Wasser verlangt, oder ihre Studierenden immer wieder bei deren Arien unterbricht – Fenske lebt in dieser Rolle auf.

Besonders beeindruckend ist das, wenn sie sich als „die Callas“ an ihre Anfänge, an ihre Erfolge und Misserfolge, an ihre harte Jugend im von den Nazis besetzten Griechenland oder ihre Zeit mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis erinnert, an Intrigen in der Scala, an ihre legendären und umjubelten Auftritte dort, an ihren Fall in die Bedeutungslosigkeit – hier fesselt Fenske das Publikum mit ihrer raumfüllenden Bühnenpräsenz.

Annic-Barbara Fenske ist brillant als „die Callas“

Ihre Monologe trägt sie so leidenschaftlich vor, dass man eine Stecknadel fallen hören würde, so still und gebannt lauscht ihr das Publikum. Dass zwischendurch meisterhafter Operngesang zu hören ist (Ljuban Zivanovic und Freia Sandkamm intonieren die Arien bravourös), ist ein gewagter Schritt für das Kiez-Theater. Corny Littmann: „Dieses Stück zu inszenieren ist eine Herausforderung, etwas ganz Neues für mich – und das reizt mich immer wieder.“

Dank seiner Experimentierfreudigkeit hat Littmann mit dem Callas-Stück „Meisterklasse“ ein kleines Wunderwerk geschaffen, das die Magie und die Abgründe der „Primadonna assoluta“ auf den Kiez bringt. (jh)

Schmidtchen: bis 28.3. (nächste Termine: 19.-21.2., 25.-28.2.), 19 Uhr, ab 22 Euro

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