Kultur

Maren Kroymann: „Männer werden schlucken, wenn sie den Film sehen“

Lächelnde Frau sitzt entspannt auf weißem Sofa in hellem Raum.
Mit der Serie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ gab Maren Kroymann 1988 ihren TV-Einstand. Heute ist sie bekannt für ihre feinsinnig clevere Komik – und dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt.

Im MOPO-Interview spricht Schauspielerin Maren Kroymann über die Doku „Was haben wir gelacht“ und einen Ehrenpreis, den sie bald in Hamburg bekommt.

Es geht um TV-Männer und ihr gockelhaftes Verhalten. Um Sexismus. Und Macho-Comedians, die im Fernsehen noch immer eine große Rolle spielen: In der Dokumentation „Was haben wir gelacht“, die jetzt ins Kino kommt (siehe Kritik S. 57), gehen TV-Frauen wie Esther Schweins, Hella von Sinnen und Maren Kroymann mit der Fernsehwelt der 90er und frühen 2000er hart ins Gericht. Im Interview verrät Kroymann – zwei Mal mit dem Deutschen Fernsehpreis und zwei Mal mit dem Grimme-Preis für ihre Satiresendung „Kroymann“ ausgezeichnet –, was ihr Hoffnung macht. Und spricht über ihr Coming-out  „vor mittlerweile 34 Jahren“.

MOPO: Harald Schmidt stellte im Fernsehen einmal die „lustige“ Frage, was eine Klobrille und Bettina Böttinger gemeinsam hätten. Und beantwortete sie selbst mit: „Die würde kein Mann freiwillig anfassen.“ In der Doku „Was haben wir gelacht“ wird der Sexismus von TV-Männern wie Schmidt und Gottschalk vorgeführt. Das ist kein Schnee von gestern, richtig?

Maren Kroymann: Das ist absolut aktuell. Deswegen ist es so wichtig, dass dieser Film gerade jetzt in die Kinos kommt: um zu zeigen, wie viele Anknüpfungspunkte es bis heute gibt. Ich glaube, ein Großteil der männlichen Comedians wird schlucken, wenn sie diesen Film sehen. Und sie werden sich überlegen, ob sie sich darüber lustig machen oder ob sie es annehmen und sich selbst reflektieren. Es wird eine Ablehnung von den alten Macho-Comedians geben, gerade weil es diese große Aktualität gibt – siehe ganz aktuell Dieter Nuhr.

Hat sich die Lage für kreative Frauen nicht insofern verbessert, als über soziale Medien ein Publikum sehr einfach zu erreichen ist? Die „männlichen Windmühlen“ von damals gibt es nicht mehr.

Da hat sich sehr viel verändert. Da ist eben nicht mehr irgend so ein machomäßiger Fernsehchef, der auswählt und sagt: „Die nehmen wir, die sieht gut aus, die lassen wir jetzt mal was machen.“ Alle können posten, alle können Videos online stellen, es gibt ein so viel breiteres Spektrum an Frauentypen, die sich jetzt äußern. Das ist ein Riesenfortschritt. Was bin ich darüber froh. Auf einmal sieht man viel mehr Frauen, die sich zu verschiedenen Themen äußern, die schreiben und die spielen können. Klar – da sind viele Kanäle, in denen es darum geht, wie man die Nägel pflegt und ob man sich die Lippen aufspritzen lässt. Aber trotzdem sind auch genug da, die politisch sind. Die ganze Generation „Fridays for Future“ etwa ist durch das Internet bekannt geworden. Das gibt mir einfach Hoffnung.

Wie weit kann Humor eine Form von Widerstand sein?

Humor kann immer eine Form von Widerstand sein – wenn man das Thema ernst nimmt. Dazu muss man aber erst mal das Problem erkennen, dann haben wir die Chance, unsere Gegenstimmen zu erheben. Es wichtig, dass wir alle unsere Haltung – zum Beispiel zur Frage der Geschlechterrollen – weiter vertreten.

Maren Kroymann in der Sendung „Nachtschwester Kroyman“
Maren Kroymann am 27.4.1996 in der Sendung „Nachtschwester Kroymann“

Zu Ihren jüngsten Auszeichnungen gehören das Bundesverdienstkreuz am Bande, der Dieter-Hildebrandt-Preis und  der Grimme-Preis. Sie sammeln Preise?

Von den staatsbürgerlichen Preisen habe ich früher bereits einige bekommen. Die aktuellen Auszeichnungen hängen mit der „Kroymann“-Sendung im Ersten zusammen. Ich hatte einfach Schwein, dass ich diese Sendung machen durfte – als alte Frau, die es im Fernsehen eigentlich gar nicht mehr gibt. Ich bin mir bewusst, dass ich eine Ausnahme bin und dass ich Glück hatte. Solche Bestätigungen sind großartig. Nie im Leben dachte ich, einen Grimme-Preis zu bekommen. Ich wusste, ich gehöre zu denen, die nie einen kriegen. Deswegen ist das etwas ganz Besonderes.

Am 25. Juli kommt in Hamburg noch ein weiterer Preis dazu: der „Ehren-Pride Award“ zu Beginn der „Pride Week“. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Dass man sich an mein Coming-out vor mittlerweile 34 Jahren erinnert, finde ich wunderbar. Diese Würdigung von Wegbereiter-Biografien gefällt mir sehr gut. Die Jüngeren kennen meine Arbeiten von damals wahrscheinlich gar nicht mehr. Da ist es natürlich besonders schön, dass in dem Film einige zu sehen sind. Zum Glück gibt es im Internet eine Art Parallelexistenz mit Kroymann-Sketchen. Und deswegen kennen mich vielleicht doch mehr, als ich vermute.

Kino: „Was haben wir gelacht“ läuft im Zeise, zeise.de

Pride-Award im Rahmen der Pride-Night: 25.7., 20 Uhr, Curio-Haus, 35 Euro 

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