Kultur
Lust auf Angst?
Dämonen, Killer, Aliens und schwarzer Humor: Acht Tage lang zeigt das Fantasy-Filmfest die ganze Bandbreite gepflegten Schreckens.
Der Mörder lauert hinter der nächsten Ecke. Wir sehen ihn längst – nur die Heldin nicht. Der Puls geht hoch, die Hände werden feucht, und trotzdem würden wir jetzt auf keinen Fall den Kinosaal verlassen. Genau dieses lustvolle Gruseln hat einen Namen: Angstlust. Wir setzen uns freiwillig Situationen aus, die uns erschrecken, weil wir zugleich wissen, dass uns nichts passieren kann. Das Gehirn schlägt trotzdem Alarm – und genau dieser kontrollierte Ausnahmezustand sorgt für den Kick, von dem manche nie genug bekommen können.
Und die können sich freuen, denn das Fantasy-Filmfest ist bald wieder in der Stadt. Vom 2. bis 9. September im Savoy, und es feiert Geburtstag: 40 Jahre! Wie immer hat das Team ein Programm zusammengestellt, das keine Wünsche offen lässt. Horror in jeder Form, Sci-Fi, Drama, Animation und schwarzhumorige Komödie – mehr als 30 Filme werden gezeigt, und jedes Genre ist dabei.
„Leviticus“ eröffnet Fantasy-Filmfest
Eröffnet wird das Festival mit „Leviticus“. Der australische Thriller erzählt von Naim und Ryan, deren Dorf von einer übernatürlichen bösen Kraft heimgesucht wird, die Besitz ergreift von den Einheimischen. Nie kann man wissen: Ist es der Freund oder der Dämon?
Etwas Besonderes ist traditionell das „Centerpiece“, also der Film in der Mitte. Hier geht es diesmal nicht um Außerirdische oder Axtmörder, sondern um zwölfjährige Jungs. Dass die mitunter sehr, sehr grausam sein können, zeigt „The Plague“ auf verstörende Weise. Im Feriencamp hetzt Jake, Anführer der angesagten Clique, permanent gegen den armen Eli, der an einer Hautkrankheit leidet. Doch am Ende wehrt sich Eli ...
Klassiker „Don’t Look Now“ wird beim Fantasy-Filmfest gezeigt
Für alle, die es nicht so düster mögen, ist „The Fox“ ein guter Tipp. Der harmoniebedürftige Farmer und Jäger Nick findet heraus, dass Kori, seine frisch Angetraute, ihn mit dem örtlichen Tierarzt betrügt. Eines Nachts läuft Nick eine Füchsin vor die Flinte. Die kann sprechen und bietet Nick einen Handel an: Lässt er sie leben, verrät sie ihm, wie er es anstellen soll, dass Kori geläutert zu ihm zurückkehrt. Funktioniert ... na ja, nicht ganz so, wie Nick es sich vorgestellt hat.
Das Fantasy-Filmfest zeigt ausnahmslos Deutschlandpremieren, abgesehen von der Hommage an ausgewählte Genre-Perlen, die „Screen Legends“. Da ist dieses Jahr unter anderem der Klassiker „Don’t Look Now“ („Wenn die Gondeln Trauer tragen“) dabei. Mehr als 50 Jahre alt ist das Mystery-Drama mit Donald Sutherland und Julie Christie in den Hauptrollen. Der Film machte damals Schlagzeilen, aber nicht weil Regisseur Nicolas Roeg ein Meisterwerk abgeliefert hat – es war vielmehr die Sex-Szene von Christie und Sutherland, die 1973 die Gemüter erhitzte. Mit fünf Minuten war sie nicht nur außerordentlich lang, sondern auch so gut geschnitten, dass die halbe Welt dachte, die beiden Stars hätten „echten“ Sex gehabt.
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Auch „The Chaser“ wird noch einmal gezeigt. Das wuchtige, brutale Debüt des Koreaners Na Hong-jin um einen Zuhälter, der auf der Suche nach „seinen“ vermissten Frauen an einen Serienkiller gerät, galt 2008 bei Thriller-Fans als Sensation. Na Hong-jins neuer Film „Hope“ – ein beeindruckender Actionreißer um eine Alien-Invasion, der schon das Festivalpublikum in Cannes begeisterte – beendet das Fantasy-Filmfest.
Savoy-Filmtheater: 2.-9.9, Einzeltickets 12/14 Euro, alle Filme OV oder OmU, ab 18 J., Steindamm 54, fantasyfilmfest.com
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