Dialog im Dunkeln

Anna Depenbusch und Julia Westlake: Gänsehaut-Momente direkt nach dem Auftritt – das Publikum unsichtbar, die Nerven blank Foto: PublicAdress/HFR

Intensiv und bewegend: Dieser Abend war mehr als ein Konzert

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Die Idee klang schon im Vorfeld besonders – in der Umsetzung war sie dann vor allem eines: überraschend. „Musik im Dunkeln“ in der Laeiszhalle hat gezeigt, wie interessant ein Perspektivwechsel sein kann, wenn das Offensichtliche fehlt: das Sehen.

Die Halle war voll, die Erwartungen hoch. Statt Lichtshow und Bühneninszenierung stand an diesem Abend das im Mittelpunkt, worum es eigentlich immer geht, aber selten so konsequent: die Musik. Ohne visuelle Ablenkung, ohne Licht im Saal, entstand eine besondere Konzentration im Saal.

Dabei war es gerade die ungewöhnlich breite Mischung an Acts, die dem Abend eine eigene Dynamik verlieh. Von Anna Depenbusch, die mit ihrer Intensität herausragte, bis zu Rolf Zuckowski mit seiner Tochter Anuschka, bei denen der Saal textsicher und hörbar bewegt mitsang. Mit Enno Bunger, Lotto King Karl, Miss Allie und Sebastian Krumbiegel trafen Acts aufeinander, die so wohl nur hier gemeinsam auf der Bühne standen – und genau damit ein ungewöhnlich breites Publikum erreichten.

„Dialog im Dunkeln“-Konzert: Künstler verzichten auf Gage

Dass dieser Abend mehr war als ein Konzert, zeigte sich auch auf der Bühne: Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel und Svenja Weber, Geschäftsführerin des Dialoghauses, unterstrichen die gesellschaftliche Dimension des Projekts. Denn hinter der besonderen Atmosphäre stand primär eine starke Idee: Inklusion erlebbar zu machen und dabei Spenden zu sammeln.

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Organisiert von MenscHHamburg e. V. und initiiert von Lars Meier, wurde „Musik im Dunkeln“ auch zu einer tollen Spendenaktion zugunsten des Dialoghaus Hamburg. Dass alle Künstler:innen auf ihre Gage verzichteten – und auch die Laeiszhalle auf Einnahmen – verlieh dem Abend zusätzliche Strahlkraft.

Für viele im Saal – auf und vor der Bühne – war das Format ungewohnt. Das haben die KünstlerInnen immer wieder betont. Aber genau darin lag seine Stärke. Wer nichts sieht, hört anders. „Musik im Dunkeln“ war damit nicht nur ein Konzert, sondern ein Perspektivwechsel, der nachwirkt.

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