Kultur
Das Erfolgsrezept der Eberhofer-Krimis: Mord, Leberkäs und Gemütlichkeit
Der neue Eberhofer-Krimi kommt bald ins Kino. Was macht den trägen bayerischen Provinzpolizisten eigentlich so unwiderstehlich?
Beim Eberhofer Franz werden selbst Nordlichter schwach. Der Polizist aus dem bayerischen Niederkaltenkirchen ermittelt widerwillig, isst leidenschaftlich – und hat deutschlandweit eine riesige Fangemeinde. Die kann es kaum erwarten, dass am 13. August der zehnte Film der Reihe in die Kinos kommt: „Steckerlfischfiasko“.
Bevor Sebastian Bezzel (in Bayern geboren, seit 2008 lebt er in Hamburg) dem Franz sein sympathisches Phlegma verlieh und Simon Schwarz dessen Kumpel Rudi den unverwüstlichen Appetit, existierte Niederkaltenkirchen bereits auf dem Papier. Rita Falk hat das alles erfunden – den Ton, die Figuren und die kulinarischen Titel. 13 Bände umfasst die Reihe ihrer Provinzkrimis, die Filme sind zuverlässige Publikumsmagneten.
Eberhofer-Krimis: Der Reiz der Reihe liegt in ihrer vertrauten Welt
Dass die Eberhofer-Filme so viele Menschen ins Kino locken, liegt natürlich nicht nur an den Kriminalfällen. Zwar wird in Niederkaltenkirchen regelmäßig gemordet, erpresst und anderweitig gegen die bayerische Gemütlichkeit verstoßen und das meist sehr fantasievoll, doch der jeweilige Fall ist vor allem der Anlass, Franz Eberhofer aus seinem ruhigen Alltag zwischen Polizeidienststelle, heimischem Hof, Stammtisch und Leberkässemmel zu reißen. Und das ist bekanntlich schon Zumutung genug.
Der eigentliche Reiz der Reihe liegt in ihrer vertrauten Welt. Niederkaltenkirchen (das Dorf ist fiktiv, gedreht wird in Frontenhausen) ist eine Art bayerisches Biotop, in dem jeder jeden kennt und Neuigkeiten schneller die Runde machen, als der Eberhofer seinen Dienstwagen starten kann. Mit jedem Film kehren wir an dieselben Orte zurück und treffen auf Figuren, die uns trotz ihrer Macken längst ans Herz gewachsen sind.
Figuren sorgen für beste Publikumsunterhaltung
Überhaupt – die herrlichen Figuren! Franz walzt regelrecht über die Bedürfnisse der anderen hinweg und ist trotz seiner Ich-Bezogenheit dennoch grundsympathisch, wie ein großer Junge halt, dem man vieles nachsieht. Doch erst im Zusammenspiel mit Kumpel Rudi, Dauerfreundin Susi (Beziehungsstatus: kompliziert), seinem Vater, der Oma, Bruder Leopold („die alte Schleimsau“) und den übrigen Dorf-Originalen entsteht jener ganz eigene Ton, der die Filme unverwechselbar macht. Jede Figur bringt ihre persönlichen Marotten, Empfindlichkeiten und Vorstellungen vom richtigen Leben mit. Dass die nur selten zusammenpassen, ist für die Beteiligten anstrengend, für das Publikum dagegen höchst unterhaltsam.
Die Mischung macht's: Krimi, Familie, Heimat – und ein wenig Drama
Hinzu kommt die besondere Mischung. Krimi, Familie, Heimat, Männerfreundschaft werden da verhandelt und immer ein bisschen Drama. Das klingt zunächst ungefähr so harmonisch wie Leberkäse mit Champagner, funktioniert aber erstaunlich gut. Auf einen Mord folgen Beziehungsprobleme, auf eine Verfolgungsjagd Streit am Küchentisch und auf kriminalistische Ermittlungen oft die weitaus drängendere Frage, was es eigentlich zum Essen gibt.
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So bayerisch die Schauplätze, Dialekte und Essgewohnheiten auch sein mögen, die Konflikte sind allen verständlich. Susi will im Leben vorankommen, Rudi kämpft mit Geldsorgen und mangelnder Anerkennung, und innerhalb der Familie weiß ohnehin jeder ganz genau, was für die anderen das Beste wäre – Beziehungskrisen, Ehrgeiz, gekränkte Eitelkeiten und familiären Zwist gibt es eben überall.
Und Franz? Der wird vor allem wieder feststellen müssen, dass das Leben hartnäckig lästige Dinge von ihm verlangt. Vor allem Bewegung.
„Steckerlfischfiasko“: Kinostart am 13.8.; am 26.8. ist Sebastian Bezzel zu Gast im Zeise (20 Uhr) und im Zeise-Open-Air (20.45 Uhr)
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