Zum Saisonstart: Worauf Oldtimer-Besitzer jetzt achten müssen

in Mann poliert einen schwarzen Oldtimer in einer Werkstatt und bereitet einen Citroën DS auf die neue Saison vor.
Oldtimer brauchen nach der Winterpause besondere Pflege: Vor der ersten Ausfahrt sollten Lack, Technik und Flüssigkeiten gründlich kontrolliert werden.

Die Sonne kommt raus, die Straßen werden trocken – und in vielen Garagen warten die Klassiker auf ihre erste Ausfahrt. Doch wer seinen Oldtimer nach Monaten Standzeit einfach startet, riskiert Schäden. Worauf Besitzer jetzt achten sollten.

Für viele Oldtimer-Besitzer beginnt jetzt die schönste Zeit des Jahres: Die Fahrzeuge werden aus dem Winterschlaf geholt, poliert und wieder auf die Straße gebracht. Bundesweit waren zum 1. Januar 2026 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts mehr als 900.000 Oldtimer zugelassen. Doch gerade nach längerer Standzeit gilt: Ein Klassiker braucht vor der ersten Fahrt deutlich mehr Aufmerksamkeit als ein moderner Alltagswagen. Motor, Reifen, Bremsen, Batterie und Flüssigkeiten sollten gründlich kontrolliert werden, bevor der Zündschlüssel gedreht wird. „Ein Oldtimer ist kein gewöhnliches Fahrzeug, sondern technisches Kulturgut, das eine besondere Zuwendung verlangt – erst recht nach einer mehrmonatigen Standzeit“, sagt Olaf Bornhöft, Serviceleiter bei DAVID Finest Sports Cars in Hamburg.

1. Erst einmal rund um den Oldtimer gehen

Bevor der Motor gestartet wird, lohnt sich ein genauer Blick aufs Fahrzeug. Gibt es feuchte Stellen unter Motor, Getriebe oder Achsen? Öl- oder Flüssigkeitsspuren können auf spröde Dichtungen oder Undichtigkeiten hindeuten. Auch die Reinigung sollte vorsichtig erfolgen: In die Waschanlage gehört ein Oldtimer besser nicht. Bürsten können historische Lacke, Chromteile und Dichtungen beschädigen. Experten empfehlen stattdessen eine schonende Handwäsche mit lauwarmem Wasser und geeignetem Autoshampoo.

2. Flüssigkeiten und Leitungen prüfen

Vor dem ersten Motorstart sollten Ölstand, Kühlwasser und Bremsflüssigkeit kontrolliert werden. Auch Schläuche, Kabel und Kraftstoffleitungen verdienen einen genauen Blick. Nach längerer Standzeit können Leitungen porös werden, zudem sind Marderschäden keine Seltenheit. Bei luftgekühlten Klassikern sollten zusätzlich die Kühlrippen sauber sein, damit es später nicht zu Hitzestau kommt.

3. Reifen sollten keine Oldtimer sein

Viele Besitzer erhöhen vor der Winterpause den Luftdruck, um Standplatten zu vermeiden. Vor der ersten Fahrt muss dieser wieder auf den empfohlenen Wert abgesenkt werden. Wichtig ist aber nicht nur das Profil. „Ein Reifen, der älter als sechs Jahre ist, verhärtet und verliert dramatisch an Grip, selbst wenn er optisch noch gut aussieht“, warnt Bornhöft. Sichtbare Risse oder Verformungen gelten als klares Warnsignal.

4. Batterie richtig anschließen

Wurde die Batterie über den Winter mit einem Erhaltungsladegerät gepflegt, ist sie oft schnell wieder einsatzbereit. Beim Anschließen gilt allerdings die richtige Reihenfolge: zuerst den Pluspol, danach den Minuspol verbinden. Eine Spannungsmessung liefert zusätzliche Sicherheit – ideal sind laut Experten Werte zwischen 12 und 13 Volt.

5. Beim ersten Start Geduld haben

Nach mehreren Monaten Standzeit braucht das Kraftstoffsystem oft etwas Zeit, um wieder Druck aufzubauen. Dass ein älteres Triebwerk erst beim zweiten oder dritten Versuch anspringt, ist daher nicht ungewöhnlich. Sobald der Motor läuft, sollte er zunächst kurz im Stand beobachtet werden. Läuft er ruhig? Gibt es ungewöhnliche Geräusche oder Gerüche? Erst danach sollte es langsam auf die Straße gehen.

6. Die erste Fahrt lieber vorsichtig angehen

Leichter Flugrost auf den Bremsscheiben ist nach längerer Standzeit normal. Trotzdem empfiehlt sich vorsichtiges Bremsen auf freier Strecke, damit sich die Reibflächen reinigen und der Bremsdruck wieder stabil aufbauen kann. Generell gilt: Motor, Getriebe, Achsen und Bremsen sollten langsam auf Temperatur gebracht werden.

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Wer unsicher ist oder einen besonders wertvollen Klassiker besitzt, sollte vor Saisonbeginn einen professionellen Werkstatt-Check durchführen lassen. Das schützt nicht nur vor teuren Folgeschäden, sondern hilft auch dabei, den Zustand des Fahrzeugs langfristig zu dokumentieren und seinen Wert zu erhalten.