Ratgeber
Was das „Signal for Help“ bedeutet – und wie Sie richtig reagieren
Eine geöffnete Hand, der Daumen eingeklappt, anschließend schließen sich die Finger zur Faust: Das „Signal for Help“ ist ein stiller Hilferuf. Was hinter dem Handzeichen steckt, in welchen Situationen es verwendet wird und wie Zeugen richtig reagieren.
Wer das Handzeichen kennt, kann im Ernstfall Leben retten. Das sogenannte „Signal for Help“ ist ein international anerkanntes Notsignal, mit dem Menschen unauffällig auf eine Gefahrensituation aufmerksam machen können – etwa bei häuslicher Gewalt oder wenn sie sich bedroht fühlen.
Vor allem durch soziale Medien und Videotelefonate wurde das Handzeichen weltweit bekannt. Inzwischen kennen es auch viele Polizei- und Hilfsorganisationen.
Was ist das „Signal for Help“?
Das Handzeichen besteht aus drei einfachen Bewegungen:
Die Handfläche wird offen gezeigt.
Der Daumen wird in die Handfläche eingeklappt.
Anschließend werden die übrigen Finger über den Daumen zur Faust geschlossen.
Die Bewegung dauert nur wenige Sekunden und kann unauffällig ausgeführt werden – etwa während eines Gesprächs, eines Videoanrufs oder aus einiger Entfernung.
Wofür steht das Handzeichen?
Das „Signal for Help“ soll ausdrücken: „Ich brauche Hilfe, kann aber nicht offen darüber sprechen.“ Es ist für Menschen, die sich in einer Situation befinden, in der sie sich bedroht oder kontrolliert fühlen und keinen sicheren Weg haben, um Hilfe zu rufen.
Das Signal wurde ursprünglich entwickelt, um Betroffenen häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie eine diskrete Möglichkeit zu geben, auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Inzwischen wird es weltweit auch in anderen Gefahrensituationen genutzt.
Wer hat das „Signal for Help“ entwickelt?
Entwickelt wurde das Handzeichen 2020 von der Canadian Women's Foundation. Während der Lockdowns in der Pandemiezeit stiegen in vielen Ländern die Fälle häuslicher Gewalt. Gleichzeitig waren Betroffene oft dauerhaft mit den Täterinnen oder Tätern zu Hause. Das Handzeichen sollte deshalb eine einfache Möglichkeit schaffen, unauffällig Hilfe zu signalisieren. Heute wird es international von zahlreichen Organisationen bekannt gemacht.
Wie sollte man reagieren?
Wer das Handzeichen sieht, sollte die Situation ernst nehmen – aber nicht vorschnell handeln.
Experten empfehlen:
Ruhe bewahren und keine Aufmerksamkeit auf das Signal lenken.
Wenn möglich, die betroffene Person später unauffällig ansprechen oder kontaktieren.
Mit einfachen Ja-Nein-Fragen klären, ob tatsächlich Hilfe benötigt wird.
Bei akuter Gefahr oder wenn Leib und Leben bedroht sind, sofort die Polizei über den Notruf 110 verständigen.
Die betroffene Person nicht unter Druck setzen. Nicht jede Situation erlaubt es ihr, sofort Hilfe anzunehmen.
Wichtig: Das Handzeichen allein ist kein Beweis für eine Straftat. Es sollte jedoch immer ernst genommen werden.
Kann das „Signal for Help“ auch missverstanden werden?
Ja. Wie jedes nonverbale Zeichen kann auch das „Signal for Help“ versehentlich oder aus anderen Gründen gezeigt werden.
Deshalb raten Fachleute dazu, zunächst diskret nachzufragen und die Situation einzuschätzen. Ein sensibles Vorgehen schützt sowohl mögliche Betroffene als auch Menschen, die das Zeichen unbeabsichtigt gemacht haben.
Wo finden Betroffene Hilfe?
Wer selbst von häuslicher Gewalt betroffen ist oder den Verdacht hat, dass jemand Hilfe benötigt, kann sich an verschiedene Beratungsstellen wenden.
Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr kostenlos unter 116 016 erreichbar. Die Beratung erfolgt anonym und auf Wunsch in mehreren Sprachen. Bei akuter Gefahr gilt: Notruf 110 wählen.
Auch Männer, Kinder und Angehörige können sich an Beratungsangebote oder die örtliche Polizei wenden.
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