Ratgeber

Speckkäfer: Wie Sie ihn erkennen – und aus Ihrer Wohnung vertreiben

Zweifarbig behaarter Speckkäfer auf sandigem Untergrund in Aufsicht.
Ein zweifarbig behaarter Speckkäfer.

Sie sitzen am Fenster, verstecken sich hinter Fußleisten und fressen Löcher in Wollpullover oder Teppiche: Speckkäfer bleiben oft lange unentdeckt. Gefährlich sind vor allem ihre haarigen Larven. Mit diesem Sofortplan finden Sie den Befallsherd und stoppen die Plage.

Winzige Käfer auf der Fensterbank wirken zunächst harmlos. Tauchen jedoch immer wieder Tiere auf oder finden sich haarige Larven und plötzlich Löcher in Wollkleidung, könnte ein Speckkäferbefall dahinterstecken.

Der Name ist dabei etwas irreführend: Speckkäfer sind keine einzelne Art, sondern eine ganze Käferfamilie. In Mitteleuropa kommen nach Angaben des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rund 67 Arten vor. Dazu zählen etwa Teppichkäfer, Pelzkäfer, Museumskäfer und der vor allem in Großstädten vorkommende Berlinkäfer.

In der Natur erfüllen viele dieser Käfer eine wichtige Aufgabe, weil ihre Larven trockene tierische Überreste abbauen. In Wohnungen können sie jedoch zum Material- und gelegentlich auch zum Vorratsschädling werden.

Ein Käfer am Fenster bedeutet noch keinen Befall

Erwachsene Teppich- und Pelzkäfer ernähren sich häufig von Pollen und Nektar. Sie können von draußen durch ein geöffnetes Fenster in die Wohnung gelangen und werden dort oft auf Fensterbänken gefunden, weil sie sich zum Licht orientieren.

Ein einzelner Käfer ist deshalb noch kein Beweis dafür, dass sich die Tiere in der Wohnung vermehren. Kritisch wird es, wenn regelmäßig Käfer auftauchen, Larven oder leere Larvenhüllen gefunden werden oder Textilien Fraßlöcher aufweisen. Begattete Weibchen können gezielt in Gebäude fliegen, um ihre Eier an geeigneten Nahrungsquellen abzulegen.

So erkennen Sie die Larven der Speckkäfer

Die Larven sehen je nach Art unterschiedlich aus. Typisch sind jedoch eine längliche oder leicht gedrungene Form, eine bräunliche Färbung und eine auffällige Behaarung. Häufig bleiben nach der Häutung leere, borstige Larvenhüllen zurück.

Die lichtscheuen Tiere verstecken sich bevorzugt an dunklen, selten gestörten Stellen. Häufige Befallsorte sind:

  • hinter Fußleisten und in Dielenritzen,

  • unter Wollteppichen,

  • in Kleiderschränken und Bettkästen,

  • in Sofaritzen und unter Möbeln,

  • in Katzenkratzbäumen und Tierkörbchen,

  • auf Dachböden mit toten Insekten,

  • in alten Vogel-, Bienen- oder Wespennestern.

Auch Haare, Hautschuppen, Federn und tote Insekten können den Larven als Nahrung dienen. Haushalte mit Haustieren sollten deshalb schwer zugängliche Stellen besonders gründlich kontrollieren.

Diese Schäden richten Speckkäfer an

Nicht die erwachsenen Käfer, sondern vor allem ihre Larven verursachen die Schäden. Je nach Art fressen sie unter anderem Wolle, Seide, Pelze, Felle, Federn und Teppiche aus tierischen Fasern. Manche Arten können zudem an Trockenfleisch, Getreideprodukten, Nüssen oder anderen trockenen organischen Stoffen vorkommen.

Speckkäferlarve mit dunklen Segmenten auf braunem Untergrund und feinen Haaren.
Die Larve des zweifarbig behaarten Speckkäfers.

Typisch sind unregelmäßig geformte Löcher in Pullovern, Decken oder Teppichen. Anders als bei Kleidermotten fehlen normalerweise die weißen Gespinste. Bei Pelzen können die Haare büschelweise ausfallen.

Einige größere Speckkäferarten bohren sich zur Verpuppung sogar in ausreichend weiche Materialien ein. Nach Angaben des LAVES können davon neben Textilien auch Holz oder weiches Metall wie Blei betroffen sein.

Können Speckkäfer Menschen gefährlich werden?

Speckkäfer stechen oder beißen Menschen normalerweise nicht. Die Pfeil- und Borstenhaare der Larven können jedoch bei empfindlichen Personen Haut und Atemwege reizen.

Bohren sich die feinen Haare in die Haut, können juckende Rötungen oder Quaddeln entstehen, die an Mückenstiche erinnern. Auch allergische Reaktionen der Atemwege sind möglich. Wer wiederholt ungeklärte Hautreaktionen bemerkt und gleichzeitig Larven oder Larvenhüllen in der Wohnung findet, sollte den Kontakt zu befallenen Materialien vermeiden und die Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Beseitigung, Schritt 1: Den Befallsherd finden

Ein paar sichtbare Käfer einzusammeln, reicht nicht aus. Entscheidend ist, die Nahrungsquelle der Larven aufzuspüren.

Kontrollieren Sie alle Textilien und Gegenstände aus tierischen Materialien. Dazu gehören neben Wollkleidung und Teppichen auch Federkissen, Filz, Pelzbesätze, Tierdecken und selten geöffnete Aufbewahrungsboxen. Möbel sollten von der Wand abgerückt und Fußleisten, Heizungsbereiche sowie Bodenritzen untersucht werden.

Auch Vogelnester an der Fassade, tote Insekten auf dem Dachboden oder Haare unter einem Katzenkratzbaum können die Ursache sein. Noch genutzte Vogelnester dürfen nicht einfach entfernt werden. Im Zweifel sollte vor einem Eingriff geprüft werden, ob artenschutzrechtliche Regeln zu beachten sind.

Beseitigung, Schritt 2: Jetzt muss der Staubsauger ran

Befallene Räume sollten gründlich und wiederholt ausgesaugt werden. Wichtig sind vor allem Ritzen, Fugen, Bettkästen, Schränke, Polstermöbel sowie die Bereiche unter und hinter Möbeln.

Das LAVES empfiehlt, das Saugen alle paar Tage zu wiederholen. Dadurch werden Larven und Eier entfernt und gleichzeitig Haare, Hautschuppen und andere Nahrungsreste beseitigt. Ein Staubsaugerbeutel sollte anschließend dicht verschlossen entsorgt oder bis zur nächsten Benutzung im Gefrierfach aufbewahrt werden. Beutellose Behälter müssen unmittelbar außerhalb der Wohnung entleert und gereinigt werden.

Schränke, Bettkästen und Fußleisten können danach feucht gereinigt werden. Das Umweltbundesamt nennt dafür Essigreiniger oder verdünnte Essigessenz im Verhältnis von einem Teil Essigessenz zu vier Teilen Wasser. Zuvor sollte an einer unauffälligen Stelle geprüft werden, ob die Oberfläche die Reinigung verträgt.

So behandeln Sie befallene Kleidung und Teppiche

Waschbare Textilien können bei 60 Grad behandelt werden, sofern das Pflegeetikett dies erlaubt. Das Umweltbundesamt empfiehlt bei geeigneten Materialien eine Behandlung von mindestens einer, besser zwei Stunden bei 60 Grad. Empfindliche Wollstoffe dürften dadurch allerdings beschädigt werden.

Nicht heiß waschbare Textilien können luftdicht verpackt und bei mindestens minus 18 Grad mehrere Tage eingefroren werden. Da einzelne Entwicklungsstadien des Speckkäfers widerstandsfähig sein können, sollte die Kältebehandlung bei Bedarf nach zwei bis drei Wochen wiederholt werden. Wertvolle Teppiche, Pelze oder empfindliche Textilien gehören besser in eine professionelle Reinigung.

Nicht mehr zu rettende Stücke sollten in einem gut verschlossenen Beutel entsorgt werden, damit sich die Larven nicht weiter in der Wohnung verteilen.

Helfen Insektensprays gegen Speckkäfer?

Sprays lösen das eigentliche Problem häufig nicht, weil Eier und Larven tief in Ritzen, Hohlräumen oder unter Fußleisten sitzen können. Zudem muss für eine erfolgreiche Bekämpfung zunächst geklärt werden, um welche Speckkäferart es sich überhaupt handelt und wo sich der Befallsherd befindet.

Chemische Mittel sollten deshalb nicht wahllos in Wohn-, Schlaf- oder Vorratsräumen versprüht werden. Besonders bei Kindern, Haustieren oder empfindlichen Personen ist Vorsicht geboten. Lässt sich der Befall durch Reinigung, Wärme- oder Kältebehandlung nicht eindämmen, sollte eine Schädlingsbekämpfungsfirma übernehmen.

So bleiben die Speckkäfer Ihrer Wohnung fern

Wollkleidung und andere tierische Materialien sollten nur sauber und vollständig trocken eingelagert werden. Luftdichte Boxen oder fest verschlossene Kleidersäcke erschweren den Larven den Zugang.

Teppiche, Sofas und Tierplätze regelmäßig absaugen – besonders unter den Möbeln und an Fußleisten. Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren können verhindern, dass erwachsene Weibchen zur Eiablage in die Wohnung fliegen.

Tauchen trotz gründlicher Maßnahmen weiterhin Larven auf, steckt der Herd möglicherweise hinter einer Fußleiste, in einer Dämmung oder in einem alten Nest am Gebäude. Spätestens dann ist professionelle Hilfe sinnvoll.

Kommentare öffnen