Warum Heuschnupfen auch bei Frost und Schnee zuschlägt
Dauerfrost in Hamburg, klirrende Kälte – und trotzdem meldet die Pollenflugvorhersage „erhöhte Belastung“, jucken Augen und Nase. Für viele Allergiker fühlt sich das wie ein schlechter Witz an, Mitmenschen runzeln ungläubig die Stirn. Wie kann das sein, wenn draußen alles gefroren ist? Die kurze Antwort: Frost schützt nicht automatisch vor Pollen. Die längere Erklärung zeigt, warum Heuschnupfen auch bei Minusgraden zuschlagen kann.
Es schneit in Hamburg, seit Tagen liegen die Temperaturen unter null Grad. Dennoch spüre ich dieses ständige Jucken in der Nase und verbrauche Unmengen an Taschentüchern. Die Heuschnupfensaison hat begonnen, jedenfalls für mich, der unter anderem auf Hasel-Pollen allergisch reagiert. Schon Mitte Januar fing es an. Da war es kurz mal etwas milder und der Pollenflug begann.
40 Taschentücher habe ich an diesem einen Mittwoch Mitte Januar verbraucht. Unter den mitleidigen Blicken der Kolleg:innen, die das irgendwie nicht glauben konnten: Heuschnupfen im Januar, wo gibt’s denn so was? Das hat auch MOPO-Redakteurin Sandra Schäfer gefragt. Allerdings erst jetzt, Anfang Februar, als mein Lokalchef und Leidensgenosse Julian König aus dem Niesen kaum noch herauskam, während draußen vor dem Fenster die Schneeflocken vorbeiflogen.
Ich gebe zu, dass ich mir diese Frage in mehr als 20 Jahren als Pollenallergiker nie gestellt habe. Irgendwann nimmt man das eben hin, dass es immer früher beginnt, und bereitet sich dementsprechend vor. Doch die Frage ist berechtigt: Warum leiden wir selbst bei Eis und Schnee unter Heuschnupfen?
Pollen kommen nicht nur aus der Nachbarschaft
Ein entscheidender Punkt wird oft unterschätzt: Pollen reisen. Und zwar weit und ohne Grenzkontrollen oder Einreisebeschränkungen. Bei bestimmten Wetterlagen können sie über Hunderte Kilometer transportiert werden. Wind kann zum Beispiel Hasel- oder Erlenpollen aus anderen Regionen nach Hamburg bringen – selbst dann, wenn hier vor Ort nichts blüht. Die Messstationen erfassen also nicht nur „Hamburger Pollen“, sondern das, was gerade in der Luft ankommt.
Heuschnupfen: Frost stoppt die Blüte – aber nicht sofort
Frühblüher wie Hasel und Erle sind erstaunlich robust. Kurze oder selbst mehrtägige Frostphasen bremsen die Blüte, beenden sie aber nicht. Sobald tagsüber die Sonne rauskommt oder die Temperaturen kurz anziehen, können bereits freigesetzte Pollen wieder aufgewirbelt werden. Sie sind dann da – auch wenn es sich eigentlich noch nach Winter anfühlt.
Das könnte Sie auch interessieren: Die häufigsten Heuschnupfen-Fehler: Was viele Allergiker falsch machen
Für Heuschnupfen ist nicht nur die Temperatur entscheidend, sondern vor allem die Luftfeuchtigkeit. Kalte Winterluft ist oft extrem trocken, die Schleimhäute trocknen aus. Die Folge: Nase und Augen reagieren empfindlicher, die Beschwerden fühlen sich stärker an, selbst wenn die gemessene Pollenzahl „nur mittel“ ist.
Pollenallergie: Kein Regen, keine Entlastung
Der effektivste Pollen-Killer ist Regen. Bleibt er aus, bleiben die Pollen in der Luft. Schnee kann sie zwar binden – aber nur, wenn er liegen bleibt. Wird er verweht oder taut wieder an, sind die Pollen schnell zurück im Spiel. Bei trockener Kälte ohne Niederschlag gibt es für Allergiker daher oft keine echte Pause.
Messwert und Gefühl passen nicht immer zusammen
Messwerte und individuelles Empfinden sind nicht dasselbe. Kalte, trockene Luft reizt die Schleimhäute zusätzlich. Viele können sich deshalb deutlich schlechter fühlen, obwohl die Pollenbelastung laut Prognose nur „mäßig“ ist. Das macht die Situation besonders tückisch.
Feinstaub als Verstärker – gerade im Winter
Feinstaub kann im Winter ein zusätzlicher Verstärker sein: Er löst zwar keinen Heuschnupfen aus, reizt aber Nase, Augen und Atemwege – und macht die Schleimhäute dadurch empfindlicher für Pollen. Gerade bei Frost, wenig Wind und Inversionslagen bleibt mehr Schadstoff in Bodennähe hängen (Heizungen, Verkehr), viele Betroffene fühlen sich dann trotz „nur“ mäßiger Pollenwerte deutlich schlechter – gerade in Städten, wo die Feinstaubkonzentration besonders hoch ist.
Heuschnupfen trotz Frost: Was jetzt hilft
Auch bei Frost lohnt es sich, Pollenprognosen im Blick zu behalten, richtig zu lüften und abends Haare zu waschen. Wer Medikamente nimmt, sollte sie nicht absetzen, nur weil es kalt ist. Denn Minusgrade bedeuten leider nicht automatisch, dass die Luft pollenfrei ist. Heuschnupfen kann eben leider auch bei minus fünf Grad voll zuschlagen – ganz ohne meteorologischen Widerspruch.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.