Gesundheit
Nach deutschem WM-Aus: Psychologin erklärt, wie Fans das Stimmungstief überwinden
Das überraschende WM-Aus Deutschlands gegen Paraguay hat viele Fans hart getroffen. Eine Berliner Psychologin erklärt, warum die Enttäuschung oft länger anhält – und mit welchen einfachen Strategien man wieder aus dem Tief herauskommt.
Aus und vorbei: Deutschlands Traum vom fünften Weltmeistertitel ist geplatzt. Das überraschende Aus im Sechzehntelfinale gegen Außenseiter Paraguay beendet für viele Fans die Hoffnung auf weitere Wochen voller Fußball-Euphorie.
Während manche das Ausscheiden schnell abhaken, fällt es anderen deutlich schwerer. Sie denken immer wieder an Spielszenen zurück oder spüren sogar körperliche Anspannung. Für die Berliner Psychologin Ilka Hoffmann-Bisinger sind das typische Anzeichen von Traurigkeit und Enttäuschung.
WM-Aus gegen Paraguay: Warum die Niederlage so lange nachwirkt
Nach Einschätzung der Expertin ist es zunächst wichtig, die eigenen Gefühle zuzulassen. Schmerz und Frust seien normale Reaktionen auf eine große Enttäuschung. Anschließend gehe es jedoch darum, den Blick wieder nach vorne zu richten.
„Das Beste, was man machen kann, ist zu akzeptieren: Es ist ein Spiel, es wird immer jemand gewinnen und immer jemand verlieren“, sagt Hoffmann-Bisinger der Deutschen Presse-Agentur.
Bleibt der Frust bestehen, liege das häufig daran, dass man an der Vorstellung festhalte, wie das Spiel hätte ausgehen müssen. Gedanken wie „Deutschland hätte gewinnen müssen“ oder „Der Schiedsrichter hätte das Tor zum 2:1 in der Verlängerung nicht aberkennen dürfen“ sorgten dafür, dass die Enttäuschung länger anhalte. Wer diese Erwartungen nicht loslassen könne, bleibe emotional stärker in der Niederlage hängen.
Die Psychologin vergleicht den Frust mit einem Stau
Zur Veranschaulichung zieht Hoffmann-Bisinger einen Vergleich aus dem Alltag: Wer im Stau steht und dringend zu einem Termin muss, habe zwei Möglichkeiten. Man könne akzeptieren, dass sich die Situation gerade nicht ändern lasse, Musik hören und möglichst gelassen bleiben. Oder man kämpfe innerlich gegen den Stau an, rege sich auf und komme völlig gestresst am Ziel an.
Genau diese Entscheidung habe man auch nach einer sportlichen Enttäuschung. Sich zunächst gegen das Geschehene aufzulehnen, sei völlig normal. Auf Dauer müsse jedoch ein Weg gefunden werden, die Situation anzunehmen.
Diese Tipps helfen gegen das Stimmungstief nach dem WM-Aus
Die Psychologin empfiehlt mehrere einfache Maßnahmen, um die innere Anspannung zu lösen:
Bewusst körperlich entspannen, zum Beispiel tief in den Bauch atmen und innerlich loslassen.
Sich gezielt ablenken und den Fokus auf Dinge richten, die Freude bereiten und für die nun wieder mehr Zeit bleibt.
Sich bewusst machen, dass Gefühle sich mit der Zeit verändern und die Enttäuschung nachlassen wird.
Wer grundsätzlich Fußball liebt, könne die Weltmeisterschaft natürlich weiter verfolgen und sich ein anderes Team suchen, dem er die Daumen drückt. Hoffmann-Bisinger betont jedoch, dass das nicht für alle funktioniert.
Anderen Teams die Daumen drücken? Hilft nicht bei jedem
Viele Fans hätten sich nach 20 Jahren auf ein neues Sommermärchen gefreut und gehofft, dass die Euphorie bis zum Titel anhält. Diese Enttäuschung lasse sich nicht einfach dadurch ersetzen, dass man plötzlich für eine andere Mannschaft mitfiebere.
Zum Vergleich erinnert die Psychologin an das Sommermärchen 2006. Damals belegte Deutschland bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land überraschend den dritten Platz und begeisterte das ganze Land. (dpa/mp)
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