Gesundheit

Ab Juli in die Apotheke, um mit dem Arzt zu sprechen

Rotes Apotheken-A an einer Schaufensterscheibe vor einem Gebäude.
Ab Juli können Apotheken dabei unterstützen, Videosprechstunden in Anspruch zu nehmen.

Videosprechstunde ohne eigene Technik: Ab dem 1. Juli sollen Apotheken Patientinnen und Patienten dabei helfen, online mit Ärztinnen und Ärzten zu sprechen.

Videosprechstunden können Wege sparen. Wer ein Gesundheitsproblem mit Arzt oder Ärztin besprechen will, muss dafür nicht immer in die Praxis fahren. Gerade für Menschen auf dem Land kann das praktisch sein. Facharztpraxen sind dort mitunter weit entfernt.

Doch nicht alle kommen technisch gut mit Videosprechstunden zurecht. Gerade ältere Menschen haben womöglich kein passendes Gerät zu Hause.

Assistierte Telemedizin in Apotheken startet ab dem 1. Juli

Für diese Menschen ist ein neues Angebot gedacht, das ab dem 1. Juli in Apotheken anrollt. Das sagt Jan-Niklas Francke, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).

Das Angebot heißt assistierte Telemedizin. Dabei können sich Patientinnen und Patienten in der Apotheke helfen lassen, eine Videosprechstunde zu nutzen.

Videosprechstunden in Apotheken: So läuft der Arztkontakt ab

Wer das Angebot nutzt, setzt sich in ein Zimmer, das vom Verkaufsraum der Apotheke abgetrennt ist. Dort richtet das Fachpersonal die Technik ein.

„In dem Moment, in dem die Sprechstunde startet, führen Sie die dann alleine durch – es sei denn, Sie brauchen Hilfe“, sagt Francke.

Kassen übernehmen die Kosten

Die Kosten für assistierte Telemedizin übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen. Wer den Service nutzen möchte, muss sein Krankenversicherungsverhältnis nachweisen.

Gesetzlich Versicherte sollten dafür ihre elektronische Gesundheitskarte mitbringen. Sie ist auch wichtig, wenn in der Videosprechstunde ein Medikament verordnet wird. Dann kann das E-Rezept nach dem Termin direkt in der Apotheke eingelöst werden.

Assistierte Telemedizin in Apotheken soll auch in dringenden Fällen helfen

Das Angebot richtet sich auch an Menschen mit Einschränkungen. Dazu zählen etwa Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen. Auch „dringende Fälle“ sollen laut Jan-Niklas Francke profitieren. In Apotheken kämen Menschen mit vermeintlich leichten Beschwerden vorbei.

„Fragt man dann weiter nach, merkt man manchmal, dass ein gesundheitliches Problem dahinterstecken könnte, das ärztlich abgeklärt werden sollte“, sagt Francke.

Ist die nächste Arztpraxis weit weg oder bereits geschlossen, soll assistierte Telemedizin ebenfalls helfen. „In solchen Fällen wollen wir ermöglichen, unmittelbar einen Arzt zu erreichen, um abzuklären, ob es ein Notfall ist.“

Assistierte Telemedizin in Apotheken muss erst anlaufen

Francke geht davon aus, dass der Aufbau des Angebots „einige Wochen bis wenige Monate“ dauern wird. Apotheken müssen dafür zunächst das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten im Umkreis suchen.

Dabei geht es um Details der Zusammenarbeit. Zu Beginn könnten nach seiner Einschätzung „einige hundert“ Apotheken am Start sein.

Franckes Tipp für alle, die assistierte Telemedizin nutzen möchten: in der Stammapotheke nachfragen oder online prüfen, ob sie das Angebot macht. Auch über das Portal „www.apoguide.de“ sollen Interessierte nach Apotheken filtern können, die assistierte Telemedizin anbieten. Ab wann das möglich sein wird, ist noch nicht bekannt. (dpa/mp)

Kommentare öffnen