Ratgeber
Zu bunt, zu hektisch, zu viel? Darum sind alte Kinderserien wieder gefragt
Alte Zeichentrickserien sind oft ruhiger erzählt als moderne Formate. Experten warnen, dass schnelle Schnitte, schrille Farben und Dauerreize kleine Kinder überfordern können.
Stundenlange Urlaubsfahrten ohne Bildschirm? Für viele Familien kaum vorstellbar. Doch gerade bei kleinen Kindern lohnt sich ein genauer Blick auf das Programm: Moderne Serien können mit schnellen Schnitten, schrillen Farben und pausenlosen Reizen regelrecht fesseln.
Wie schaffen Eltern sechs Stunden im Auto, Zug oder Flugzeug? Oft dürfen die Kinder irgendwann eine Serie schauen. Dabei kann es einen erheblichen Unterschied machen, ob auf dem Bildschirm hektisch geschnittene Animationsvideos laufen – oder ruhig erzählte Klassiker wie „Der kleine Maulwurf“, „Wickie und die starken Männer“ oder „Es war einmal … das Leben“.
Kinder – die leichteste Zielgruppe
„Kinder sind die am besten funktionierende Zielgruppe, egal um was es geht“, erklärt Laura Ackermann von der Professur für Pädagogische und Entwicklungspsychologie der TU Chemnitz gegenüber der „Rheinischen Post“. Kinder ließen sich schnell begeistern und seien deshalb für Medienunternehmen eine besonders attraktive Zielgruppe.
Schnelle Schnitte, bunte Farben, eingängige Melodien und vertraute Figuren aktivieren das Belohnungssystem im Gehirn. „Auch das Auftreten der Lieblingsfigur kann ein sehr starker Reiz sein, das ist individuell“, sagt Ackermann. Startet nach einer Folge automatisch die nächste, kann es Kindern entsprechend schwerfallen, den Bildschirm wieder auszuschalten.
Irreversible Entwicklungsstörungen können Kinder schädigen
Eltern sollten deshalb darauf achten, wie ihr Kind reagiert: Gebanntes Starren, aufgewühltes Verhalten nach dem Schauen oder die sofortige Forderung nach der nächsten Folge können Warnzeichen sein. Bei dauerhaft übermäßigem Konsum könnten außerdem Entwicklungsschritte zu kurz kommen, „die dann tendenziell nicht unbedingt mehr so nachholbar sind“, warnt Ackermann.
Die alten Zeichentrickserien sind zwar ebenfalls Bildschirmzeit. Viele von ihnen kommen jedoch mit längeren Einstellungen, klaren Geschichten, weniger grellen Farben und deutlich weniger akustischem Dauerfeuer aus. Für eine lange Urlaubsfahrt können sie daher die angenehmere Wahl sein – für Kinder und für Eltern, die die Titelmelodien vermutlich noch immer mitsingen können.
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