Familie

Fernbeziehung mit Kind: So kann Familie auf Distanz funktionieren

Frau im Auto blickt auf Mann mit Kind vor grüner Hecke; Abschiedsszene
Abschiedsmomente fallen immer schwer. Für Kinder ist es besonders wichtig, zu wissen, wann genau das nächste Wiedersehen stattfindet.

Ein Elternteil zieht weg, der Familienalltag verändert sich komplett. Ein Familientherapeut erklärt, worauf es ankommt – und warum Kinder vor allem Verlässlichkeit brauchen.


Eine Fernbeziehung ist oft schon zu zweit eine Herausforderung. Noch schwieriger wird es, wenn Kinder dazugehören.

Das kann etwa passieren, wenn ein Paar zusammenlebt, eine Familie gründet – und ein Elternteil später aus beruflichen Gründen wegziehen muss. Dann stehen viele Fragen im Raum: Wie kann eine Fernbeziehung mit Kind funktionieren? Und leidet der Nachwuchs darunter?

Fernbeziehung mit Kind: Verlässlichkeit ist entscheidend

Die gute Nachricht: Es muss für das Kind kein wesentlicher Nachteil sein. „Es muss für das Kind kein wesentlicher Nachteil sein, solange ein verlässlicher Bezugsmensch vor Ort bleibt“, sagt Peter Wendl.

Wendl ist Paar- und Familientherapeut. Er forscht an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu Fernbeziehungen und schreibt Bücher zum Thema.

Fernbeziehung mit Kind: Kontakt sollte persönlich bleiben

Kinder brauchen aber nicht nur zu Hause Verlässlichkeit. Auch der abwesende Elternteil muss verlässlich bleiben.

Konkret heißt das: Der Kontakt sollte nicht nur über gemeinsame Familientelefonate laufen. Wichtig ist auch ein individueller Austausch zwischen Kind und Mutter oder Vater.

Der Elternteil in der Ferne sollte für das Kind erreichbar sein. „Das ist natürlich einfacher, wenn das Kind schon etwas älter ist und dem Elternteil selbst schreiben oder anrufen kann“, sagt Wendl. Aber auch Drei- oder Vierjährige könne man bereits allein telefonieren lassen.

Kinder brauchen eine klare Perspektive

Entscheidend ist außerdem, dass Kinder wissen: Wann sehe ich Mama oder Papa wieder? Gerade jüngere Kinder können mit Zeitangaben wie „in 14 Tagen“ oft wenig anfangen.

Peter Wendl empfiehlt deshalb spielerische Methoden. Ein Beispiel: jeden Tag eine von 14 Murmeln von einem Glas in ein anderes legen.

„Wir nennen das den Adventskalender-Effekt: Wenn das Glas leer ist, kommt Papa beziehungsweise Mama nach Hause“, beschreibt der Therapeut.

Beim Wiedersehen bestimmt das Kind die Nähe

Auch beim Wiedersehen gibt es laut Wendl eine wichtige Regel: „Die Nähe stellt das Kind her und nicht der Elternteil, gerade die körperliche Nähe.“

Elternteile, die in der Ferne leben, sollten sich bewusst machen: Während sie weg sind, läuft der Alltag ohne sie weiter. Wenn sie zurückkommen, bleibt deshalb nicht automatisch alles stehen und liegen.

„Das kann ein verletzender Moment sein“, sagt Wendl. Das Kind brauche unter Umständen Zeit, bis es kuscheln möchte. Das müssten Eltern aushalten, statt sich aufzudrängen.

Fernbeziehung mit Kind: Eltern müssen auch Paar bleiben

Eine Fernbeziehung mit Kindern ist nicht nur für den Nachwuchs eine Herausforderung. Auch das Elternpaar selbst muss auf die Beziehung achten.

„Die wichtigste Challenge wird sein, trotz Kind ein Paar zu bleiben“, sagt Wendl. Das sei bei einer Fernbeziehung mit Kind noch schwieriger als in Nahbeziehungen mit Kind.

Denn in der knappen gemeinsamen Zeit zu Hause nehmen die Kinder viel Raum ein. Wendl rät Paaren deshalb, sich trotzdem Freiräume zu zweit zu schaffen und einander im Blick zu behalten.

Eine Fernbeziehung mit Kindern bleibt herausfordernd. Wenn Paare die möglichen Schwierigkeiten kennen und bewusst angehen, kann sie aber durchaus funktionieren. (dpa/mp)

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