Badeunfälle: Diese Tipps schützen Kinder vor dem Ertrinken
Kinder ertrinken oft still – und schon wenige Sekunden Unachtsamkeit können reichen. Nach Badeunfällen in Rheinland-Pfalz warnen Wasserretter: Eltern müssen wachsam bleiben und dürfen sich nicht auf Schwimmhilfen verlassen.
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann reichen. Das Kind stolpert, fällt ins Wasser und taucht womöglich nicht wieder auf. Auch in Freibädern können Kinder ertrinken, wie zuletzt zwei Fälle aus Rheinland-Pfalz zeigten.
Viele Eltern haben beim Thema Ertrinken ein falsches Bild im Kopf: wildes Fuchteln, lautes Schreien, sichtbare Panik. Doch die Realität sieht meistens anders aus. Kinder ertrinken still – etwa, wenn sie mit dem Gesicht voran ins Wasser fallen und sich nicht mehr selbst befreien können.
Kinder vor Ertrinken schützen: Eltern müssen immer hinschauen
Die wichtigste Regel lautet: Kinder am Wasser nie unbeaufsichtigt lassen. Das gilt im Freibad genauso wie am See, am Gartenteich oder am Pool.
„Die Aufsichtspflicht liegt auch im Schwimmbad bei den Eltern“, sagt Marco Vogt vom Landesverband Rheinland-Pfalz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Zwar hat auch der Betreiber eines Schwimmbads eine Aufsichtspflicht. Eltern sollten aber nicht davon ausgehen, dass die Badeaufsicht ihr Kind jederzeit im Blick behalten kann.
Besonders bei viel Betrieb wird es schwierig. Zehn Menschen in einem Becken könnten noch gut beaufsichtigt werden. Bei 100 Menschen sei das unmöglich, sagt Vogt: „Da sind so viele Körper, die schwimmen, hopsen und springen.“
Wenige Sekunden reichen aus
Auch Andreas Paatz, Bundesleiter der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes, warnt vor Ablenkung. „Wir erleben sehr häufig, dass Eltern abgelenkt sind, kurz auf ihr Handy schauen“, sagt er. „Genau diese wenigen Sekunden reichen aber oftmals dafür aus, dass das Kind in eine Gefahrensituation gerät.“
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Das kann schon beim Spielen passieren. Ein Kind stolpert, fällt ins Wasser – und wird in der Menge nicht sofort bemerkt. Wenn andere Schwimmer einen reglos im Wasser treibenden Körper entdecken, ist es oft schon zu spät.
Gefährlich ist nicht nur tiefes Wasser. „Kinder können auch in einem kleinen Gartenteich oder in einem Pool mit 20 Zentimetern Wassertiefe ertrinken, wenn sie mit dem Gesicht ins Wasser fallen“, sagt Alexander Paffrath, Leiter Einsatz der DLRG.
Kinder vor Ertrinken schützen: Aufsicht klar absprechen
Eltern sollten ihr Kind deshalb immer im Blick behalten. Sitzen mehrere Erwachsene etwa am See auf einer Picknickdecke, sollte klar abgesprochen werden, wer gerade aufpasst.
So lässt sich vermeiden, dass alle denken, die jeweils anderen hätten das Kind oder die Kinder im Blick. Gerade solche Missverständnisse können am Wasser gefährlich werden.
Schwimmflügel reichen nicht
Kinder, die nicht schwimmen können, müssen durchgehend beaufsichtigt werden. Das gilt auch dann, wenn sie Schwimmhilfen tragen.
Schwimmreifen, Schwimmflügel oder Schwimmtiere sind bei Kindern beliebt. Viele Eltern verlassen sich ebenfalls darauf. Doch die Hilfen können eine trügerische Sicherheit vermitteln. „Schwimmflügel sorgen nicht dafür, dass mein Kind ständig mit dem Kopf über Wasser bleibt“, sagt Paatz.
Marco Vogt empfiehlt mit Blick auf die Sicherheit Schwimmwesten. Von Schwimmflügeln rät er ab. Springt ein Kind damit ins Wasser, könnten sie sich rasch vom Arm ziehen.
Schwimmhilfen ersetzen keine Aufsicht
Schwimmlernhilfen können allenfalls unterstützen, wenn Eltern gemeinsam mit dem Kind im Wasser sind und es nicht permanent stützen wollen. Sie ersetzen aber keine Aufsicht.
Das gilt, wenn Kinder am Ufer spielen. Und es gilt genauso, wenn sie im Wasser planschen. Eltern bleiben verantwortlich – auch im Schwimmbad.
Kinder vor Ertrinken schützen: Schwimmkurs kann Leben retten
Prävention ist die beste Rettung. „Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder gut und sicher schwimmen können“, sagt Paatz. „Nutzen Sie die Angebote für Schwimmkurse.“ Die DLRG empfiehlt, mit der Schwimmausbildung im Alter von fünf Jahren zu beginnen – also in der Vorschulzeit. Je nach Koordinationsfähigkeit sind Kinder etwa mit acht oder neun Jahren in der Lage, schwimmen zu lernen.
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Wichtig ist dabei auch der richtige Ort. Seen oder gar Flüsse eignen sich laut Vogt nicht zum Schwimmenlernen. Das sollte in einem gesicherten Raum passieren – also in einem Becken. (dpa/mp)