Heiner Flassbeck

Top-Ökonom Heiner Flassbeck Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Mauro Scrobogna

Boomer: Deshalb sind sie so reich – und das ist das Problem daran

Ein Großteil der Vermögen in Deutschland befindet sich in den Händen der Boomer. Topökonom Heiner Flassbeck erklärt, warum das so ist und warum das ein Problem ist.

Während die jüngeren Generationen im Moment vor allem Schulden aufbauen, schwimmen die Boomer im Geld. Diesen Eindruck könnte man angesichts der Wortmeldungen junger Unionsabgeordneter in der jüngsten Debatte um die Rente gewinnen. Tatsächlich haben die geburtenstarken Jahrgänge einen überproportionalen Anteil an den Vermögen in Deutschland. Können Boomer einfach besser mit Geld umgehen? Topökonom Heiner Flassbeck ist anderer Meinung.

Flassbeck ist Volkswirt und war unter Oskar Lafontaine (damals SPD, später Linke und BSW) Staatssekretär im Finanzministerium. Geforscht hat er unter anderem für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), wo er die Abteilung „Konjunktur“ geleitet hat. Er war zudem Chefvolkswirt der OECD.

Flassbeck: Die Boomer sind so reich, weil sie Glück hatten

Flassbeck erklärte, das große Vermögen der Boomer sei entstanden, weil sie „Glück hatten“ und die Weltwirtschaft nach dem Krieg 30 Jahre lang gut funktioniert habe. In jüngerer Zeit habe sich der deutsche Wohlstand zudem massiv auf einen hohen Exportüberschuss gestützt: „Deutschland hatte einfach massives Glück, dass andere Länder mehr bei uns gekauft haben als umgekehrt“, meint Flassbeck. „Ohne diese Schulden hätte es das deutsche Sparen nicht gegeben.“ Diese Schulden des Auslands bei deutschen Unternehmen hätten es ermöglicht, dass die deutsche Volkswirtschaft über ihre Verhältnisse gespart habe. Das könne aber nicht lange gut gehen: „Wenn einer sparen will, muss es immer einen anderen geben, der sich verschuldet“, so Flassbeck. Da deutsche Waren im Ausland nicht mehr so gefragt sind wie früher und Unternehmen und Bevölkerung ebenfalls sparen, „bleibt nur der Staat als Schuldner“.

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Insgesamt braucht es seiner Ansicht nach ungefähr 250 Milliarden Euro in neuen Schulden. Diese sollten erst mal in Investitionen, etwa in Straßen, Schienen und Infrastruktur, fließen. Bei diesen Summen brauche es jedoch auch mehr „konsumptive Ausgaben“, wie Ökonomen es nennen. Also zum Beispiel mehr Geld für Sozialleistungen wie die Rente. „Eine kaputte Wirtschaft schadet der Jugend viel nachhaltiger als Staatsschulden und höhere Rentenbeiträge.“

Flassbeck will demografischen Wandel über mehr Sozialleistungen bekämpfen

Flassbeck warnte, dass mit dem Renteneintritt der Boomer, die als Arbeitskräfte wegfallen und perspektivisch weniger konsumieren, ein Schrumpfen der Wirtschaft drohe. Dies müsse vermieden werden. Er forderte den Staat auf, die Rolle von Konsumenten zu übernehmen und Nachfrage zu schaffen, etwa über mehr Sozialleistungen.

Flassbeck kritisierte, dass in Europa die Zusammenhänge zwischen Sparen und Schulden missverstanden würden, und forderte einen Staat, der bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten mehr Schulden aufnehme, wie es in den USA oder Japan praktiziert werde.

Flassbeck: „Der Fachkräftemangel ist ein eingebildetes Problem“

Die Versuche der Bundesregierung, das Arbeitskräfteangebot zu erhöhen – etwa durch die Aktivrente –, hält Flassbeck für nicht zielführend. Er argumentierte, am Arbeitsmarkt fehle es nicht an Arbeitskräften, sondern an offenen Stellen.

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