Politik & Wirtschaft

Vertrauen im Keller: Mehrheit glaubt nicht mehr an Merz-Regierung

Bundeskanzler Friedrich Merz steht vor der deutschen Flagge beim Termin im Amtssitz am Spreebogen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Einer Umfrage zufolge traut eine Mehrheit der Bundesregierung keine wichtigen Reformen mehr zu.

Die Baustellen sind riesig, die Erwartungen gering: Zwei Umfragen zeigen, wie tief das Vertrauen in Bundesregierung und Staat inzwischen gesunken ist.

Die Bundesregierung hat ihr Kabinett umgebaut, doch bei vielen Menschen scheint die Hoffnung auf einen politischen Neustart bereits verflogen zu sein. Laut einer repräsentativen Insa-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ rechnen 65 Prozent der Befragten nicht damit, dass Schwarz-Rot in diesem Jahr noch wichtige Reformen umsetzt. Nur 25 Prozent trauen der Regierung das zu.

Auch am Fortbestand der Koalition zweifelt eine Mehrheit. 57 Prozent glauben nicht oder eher nicht, dass Union und SPD bis zum regulären Ende der Wahlperiode 2029 durchhalten. Lediglich 29 Prozent rechnen damit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte nach dem Rücktritt Jens Spahns als Chef der Unionsfraktion drei Ministerposten neu besetzt.

Große Baustellen, wenig Zuversicht

Dabei ist der wahrgenommene Handlungsdruck enorm. Jeweils knapp zwei Drittel der Befragten sehen vor allem bei Rente, Wirtschaft und Gesundheit dringenden Reformbedarf. Bei innerer Sicherheit und Migration erwartet gut jeder Zweite stärkere Anstrengungen. Für die Insa-Erhebung wurden am 30. und 31. Juli insgesamt 1002 Menschen befragt.

Nur 17 Prozent halten den Staat für handlungsfähig

Noch alarmierender fällt eine Forsa-Befragung im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes aus, über die „Bild“ und „Welt“ berichten. Demnach trauen nur noch 17 Prozent der Bürger dem Staat zu, seine Aufgaben erfüllen zu können. 79 Prozent halten ihn angesichts der Vielzahl an Problemen für überfordert. Der Vertrauensverlust ist deutlich: 2025 hatten noch 23 Prozent dem Staat diese Handlungsfähigkeit zugetraut, 2024 waren es 25 Prozent und 2023 noch 27 Prozent.

Volker Geyer spricht am Rednerpult bei einer dbb-Pressekonferenz in Berlin.
Volker Geyer (60), dbb-Bundesvorsitzender, blickt mit Sorge auf die neuesten Umfragezahlen und hofft auf einen „Weckruf für die Bundesregierung“.

Beamtenbund-Chef Volker Geyer bezeichnete die Ergebnisse als „Katastrophe“ und „Weckruf für die Regierung“. Besonders groß ist der Frust bei Rente und Sozialsystemen, Wirtschaft, Arbeitsplätzen und Infrastruktur.

Weniger Bürokratie, schnellere Behörden

Die Erwartungen an den Staat sind klar: 86 Prozent wünschen sich weniger und einfachere Vorschriften, 78 Prozent kürzere Bearbeitungszeiten und 72 Prozent mehr digitale Verwaltungsangebote. Gleichzeitig sagen erstmals 51 Prozent, die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes habe sich verschlechtert. Der Beamtenbund führt das vor allem auf immer mehr Aufgaben, fehlendes Personal und veraltete Ausstattung zurück. (apa/dpa)

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