Greta Thunberg
  • Die Fridays for Future-Initiatorin Greta Thunberg lässt kaum ein gutes Haar an den Ergebnissen der Klimakonferenz in Glasgow.
  • Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Jane Barlow

Klima-Gipfel: Nur „blah-blah-blah“ oder „historisch“?

Vertreter von 200 Ländern haben zwei Wochen lang verhandelt: Am Ende der Klimakonferenz von Glasgow (COP26) steht der weltweite Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle. Doch reicht das tatsächlich, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen? Die Urteile fallen höchst unterschiedlich aus.

Am Ende kämpfte der britische Konferenz-Präsident Alok Sharma mit den Tränen. Er entschuldigte sich dafür, wie die Abschlusserklärung zu Stande gekommen war. Denn Indien, China, Venezuela und Kuba hatten die Formulierung zum weltweiten Kohleausstieg – dem wichtigsten Ziel der Verhandler – in letzter Minute entschärft. Statt eines Bekenntnisses zum Ausstieg heißt es jetzt nur noch, Kohlekraft solle „heruntergefahren“ werden. Weiter verpflichteten sich die Staaten dazu, die Klimahilfen für arme Länder zu verdoppeln und ineffiziente Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen.

Umweltministerin spricht von „historischem Moment“

Noch-Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) wertet die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz als „historischen Moment“. Der weltweite Ausstieg aus der Kohle sei eingeleitet worden. Mit dieser Beschleunigung der Energiewende in aller Welt sei ein „neues wirtschaftliches Leitbild“ entstanden, freute sich Schulze.

Svenja Schulze
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hält die Abschlusserklärung der Klimakonferenz in Glasgow für „historisch“.

Weit weniger zufrieden zeigt sich der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres. „Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen“, schrieb Guterres auf Twitter. Und auch die Fridays for Future-Initiatorin Greta Thunberg konnte der Konferenz nichts Gutes abgewinnen: „Die COP26 ist zu Ende. Hier eine kurze Zusammenfassung: Blah, blah, blah“, schrieb sie. Und weiter: „Die wirkliche Arbeit beginnt außerhalb dieser Hallen.“

Grüne sehen Glasgow als Rückenwind für ihre Ziele

Mit letzterer Aussage trifft Thunberg auch bei den Ampel-Parteien in Berlin auf Zustimmung. „Glasgow ist ein wichtiges Signal, aber die eigentliche Arbeit beginnt erst“, sagte SPD-Fraktions-Vize Matthias Miersch (SPD). Aus abstrakten Absichtserklärungen müsse jetzt „konkretes Handeln“ werden. Die Grünen-Co-Vorsitzende Annalena Baerbock erklärte, sie nehme die Ergebnisse aus Glasgow als Auftrag für die neue Regierung, „selber früher aus fossiler Energie auszusteigen und die Technologie für saubere Industrie auf den Weg zu bringen“.

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Die Grünen streben einen Kohleausstieg vor 2030 an. Bisher ist 2038 als Datum festgelegt. Grünen-Co-Chef Robert Habeck hatte vorige Woche erklärt, wenn es nicht gelänge, Maßnahmen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels festzulegen, „dann sind wir in den Koalitionsverhandlungen gescheitert“.

Auch die FDP scheint mitziehen zu wollen

Um dies zu erreichen, müsse Deutschland das Planungsrecht überarbeiten, die Infrastruktur ändern und ein klares Bekenntnis zu den erneuerbaren Energien ablegen, ist aus Ampel-Kreisen zu vernehmen. FDP-Chef Christian Lindner scheint den Weg mitgehen zu wollen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es ein hochwirksames Paket zum Klimaschutz geben wird, das zugleich die soziale Sensibilität achtet und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft langfristig stärkt“, erklärte er. Das sei nicht alleine ein Anliegen der Grünen, so Lindner.

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