Iran-Krieg im Lego-Stil: Wie KI-Clips zur Waffe werden
Mit Lego-Figuren, Rap-Sounds und KI-Animationen verbreitet eine iranische Gruppe Botschaften zum Krieg. Die Clips wirken harmlos – doch Experten sehen in den Lego-Videos gezielte Propaganda.
Donald Trump beugt sich über die Epstein-Akten, Schweiß auf der Stirn. Neben ihm steht Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Beide als Lego-Figuren, beide mit starrem Lachen. Dahinter: ein roter Teufel mit Kelch.
KI-Videos mit klarer Botschaft: Wer den Iran angreift, verliert
Dann hebt eine Rakete mit US-Flagge ab. Explosionen folgen. Städte brennen. Eine Hand drückt einen roten Knopf. Iranische Offiziere stehen in einer Kommandozentrale um eine Karte.

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Kurz darauf kippt die Szene. Raketen und Drohnen schlagen am Golf und in Israel ein. Ölpreise steigen. Amerikanische Soldaten kehren in Särgen zurück. Die Botschaft: Wer den Iran angreift, verliert.
Lego-Videos erreichen Millionenpublikum im Netz
Seit Wochen verbreiten sich solche Clips rasant in sozialen Medien. Oft sind sie mit eingängigen Rap-Songs unterlegt. Auch regierungsnahe iranische Medien teilen sie. Die Videos wirken spielerisch und unwirklich – sind aber Teil einer gezielten Erzählung.
Das Magazin „The New Yorker“ schreibt: „Die politischen Botschaften in den Videos sind ebenso unverblümt und karikaturhaft wie die kantigen Lego-Figuren.“ Demnach erstellt ein Animationsstudio die Clips mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Der YouTube-Kanal „Explosive Media“ veröffentlichte schon vor dem Krieg antiwestliche politische Videos. Damals sah sie kaum jemand. Erst die Lego-Optik brachte der Gruppe ein Massenpublikum.
Iranische Lego-Videos greifen US-Popkultur auf
Dass die Clips funktionieren, liegt auch daran, wie Kriege heute erzählt werden. Konflikte laufen nahezu in Echtzeit durchs Netz. KI-Videos sind längst Teil psychologischer Kriegsführung.
„Menschen wenden sich teilweise von einigen der realen Konfliktinhalte ab und suchen nach etwas, das das Geschehen schnell verdichten kann“, sagt Experte Moustafa Ayad dem US-Magazin „Wired“. „Genau das leisten diese Lego-Videos.“
Proiranische KI-Videos: Genaues Verständnis amerikanischer Popkultur
Die Clips zeigen die iranische Perspektive. Gleichzeitig greifen sie politische Unzufriedenheit in den USA auf. Laut „Wired“ versteht „Explosive Media“ amerikanische Popkultur sehr genau.
Verbreitet werden die Videos auch über offizielle Kanäle, etwa iranische Auslandsvertretungen. Staatsnahe Medien und reichweitenstarke Influencer mit Verbindungen zu den Revolutionsgarden teilen sie ebenfalls. Die Gruppe selbst bestreitet in Interviews Verbindungen zur Führung in Teheran.
Ayad vom britischen Institut für strategischen Dialog sieht dennoch Hinweise darauf. Er verweist auf den Internetzugang der Gruppe: Wenn das Regime das Internet für fast alle anderen abschalte, müsse man der Regierung wohl ziemlich nahestehen, um Zugang zu haben.
YouTube sperrt Kanal von „Explosive Media“
YouTube hat den Kanal von „Explosive Media“ inzwischen gesperrt. Die Gruppe verbreitet ihre Videos nun vor allem über X und Telegram.
Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai kritisierte die Sperrung scharf. Sie sei erfolgt, „um die Wahrheit über ihren ‚illegalen Krieg‘ gegen den Iran zu verschleiern und die falsche Darstellung der amerikanischen Regierung vor jeglicher Gegenstimme zu schützen“, schrieb er auf X.
Die Lego-Clips zählen inzwischen zu den bekanntesten Videos, die regierungsfreundliche Narrative aus Teheran verbreiten. Sie passen zu einer Kommunikationsstrategie, die iranische Diplomaten und Regierungsvertreter seit Kriegsbeginn vorantreiben.
Iranische Lego-Videos als „Shitposting“-Strategie
Experten sprechen in diesem Zusammenhang von „Shitposting“. Gemeint sind provokante, absurde oder humorvolle Inhalte, die Reaktionen auslösen und Reichweite erzeugen.
Das Institut für strategischen Dialog schreibt, Beiträge iranischer Auslandsvertretungen hätten seit Kriegsbeginn rund 900 Millionen Aufrufe und 22 Millionen Likes erzielt. Das sei ein Anstieg um das Dreißigfache im Vergleich zu den 50 Tagen vor dem Krieg.
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Die hohen Reichweiten ließen sich nicht allein durch den Krieg erklären. Der Erfolg werfe Fragen über die Zukunft diplomatischer Kommunikation auf, besonders bei autoritären Staaten, heißt es in der Analyse.
Iran als „Underdog“ im Netz
Laut der Analyse hat sich die Darstellung Irans im Netz verschoben. Das Land erscheine dort zunehmend nicht mehr als Bösewicht, sondern als „Underdog“ im Widerstand gegen die USA. Frühere Menschenrechtsverletzungen treten dabei eher in den Hintergrund.
Die Autoren betonen zugleich, dass diese Entwicklung nicht allein auf Irans Kommunikation zurückgeht. Auch die US-Politik habe Zweifel an etablierten Deutungen verstärkt. Teheran habe diese Dynamik aufgegriffen und genutzt. „Dieses Rebranding ist wohl Irans bislang bemerkenswertester Erfolg in diesem Krieg“, heißt es in der Analyse. (dpa/mp)
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