Wahl in Baden-Württemberg: Grüne gewinnen hauchdünn vor der CDU
Die Grünen liegen knapp vor der CDU, dafür gab es unter anderem auch Glückwünsche aus Hamburg. Die AfD konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur vergangenen Wahl verdoppeln, während die SPD auf ein historisches Tief abstürzt. FDP und Linke sind beide nicht im Landtag vertreten.
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liefern sich Grüne und CDU ein knappes Rennen um Platz eins – mit einem hauchdünnen Vorsprung für die Grünen. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir könnte damit in die Fußstapfen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) treten. Über Monate hatte die CDU mit Landeschef Manuel Hagel in Umfragen deutlich geführt, am Ende legten die Grünen aber eine rasante Aufholjagd hin.
Wahl in Baden-Württemberg: AfD verdoppelt Ergebnis
Die AfD verdoppelte ihr Ergebnis und verbuchte damit ihr bestes Ergebnis bislang in einem westdeutschen Bundesland.
Die SPD stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagswahlen bundesweit und ist gerade noch so im Landtag vertreten. Spitzenkandidat Andreas Stoch zog die Konsequenzen und kündigte seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. FDP und Linke scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. Auch FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke will sein Amt niederlegen.

Wie die Wahlleitung in der Nacht zum Montag mitteilte, kommen die Grünen auf 30,2 Prozent (2021: 32,6 Prozent), die CDU liegt mit 29,7 Prozent knapp dahinter (24,1). Die AfD erhält 18,8 Prozent (9,7). Mit großem Abstand folgt die SPD mit 5,5 Prozent (11,0). Die FDP kommt auf 4,4 Prozent (10,5), die Linke auf 4,4 Prozent (3,6).
Die Grünen erhalten laut Hochrechnungen 56 Sitze im Landtag (2021: 58), genauso wie die CDU (42). Grüne und CDU hätten damit zusammen eine Zweidrittelmehrheit im Landtag.
Özdemir bietet CDU Zusammenarbeit an – Hagel gratuliert
Özdemir rief die Christdemokraten noch am Wahlabend zu einer erneuten Zusammenarbeit auf und bot ihnen eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ an. „Der Maßstab sollten die letzten zehn Jahre sein und die Erfolge, die wir eingefahren haben.“
Hagel sagte, wenn sich das Wahlergebnis so bewahrheite, liege der Regierungsauftrag bei den Grünen. Er gratulierte der Partei und auch Özdemir zu deren Ergebnis und schloss zugleich kategorisch aus, sich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Gleichzeitig sprach er von einem „bitteren Abend“. Seine Partei habe im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl zwar klar gewonnen, betonte er. „Aber wir haben nicht das gewonnen, was wir gewinnen wollten“. Hagel kritisierte zudem einen „Schmutzwahlkampf“ der Grünen „deutlich unter der Gürtellinie“ kurz vor der Wahl.
Grünen-Bundeschef Felix Banaszak nannte das starke Grünen-Ergebnis auch eine Ansage an Kanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen politische „Orientierungslosigkeit“. Co-Vorsitzende Franziska Brantner sprach von einem „sensationellen Ergebnis“.
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin gratuliert Cem Özdemir
Glückwunsche gab es auch aus Hamburg: Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) gratulierte Cem Özdemir. „Eine sensationelle Aufholjagd, wie man sie in Deutschland kaum gesehen hat, endet mit einem historischen Ergebnis“, sagte sie. „Die Menschen in Baden-Württemberg wollen Cem Özdemir als zukünftigen Ministerpräsidenten und sie werden ihn bekommen. Für uns Grüne kommt es jetzt darauf an, diesen Rückenwind für die kommenden Wochen und Monate zu nutzen.“
Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der Politik – er saß im Bundestag und im Europaparlament, war Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der sich einen „anatolischen Schwaben“ nennt, auf Abstand zu den Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil.

Der 37-jährige gelernte Bankkaufmann Hagel ist seit 2021 CDU-Fraktionschef im Landtag. Im Wahlkampf stand der gläubige Katholik und Jäger in der Kritik wegen eines Videos: In dem acht Jahre alten Clip schwärmt er von den „rehbraunen Augen“ einer minderjährigen Schülerin.
Hagel schwärmte von „rehbraunen Augen“ einer Schülerin
Auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch trat in einen „Fettnapf“, wie er selbst sagte: In einem SWR-Porträt ist zu sehen, dass er ausgerechnet nach einem Besuch in einem Laden der Tafel seinem Fahrer offenbar aufträgt, im benachbarten Frankreich Pastete einzukaufen. Auch wenn es zu dem Einkauf nie kam, drückte Stoch sein Bedauern aus.
Das historisch schlechte SPD-Ergebnis im Südwesten schockt auch die Bundes-SPD, wo Parteichef Lars Klingbeil mit den Koalitionspartnern CDU und CSU wichtige Reformen im Renten- und Gesundheitssystem vor der Brust hat.
Klingbeil zeigte sich tief enttäuscht über das schlechte Abschneiden. „Das ist ein total bitterer Abend“, sagte er im ZDF. Es sei nur noch um die Frage gegangen: Cem Özdemir oder Manuel Hagel? Das habe am Ende auch die SPD Stimmen gekostet.
AfD in Baden-Württemberg ohne Chance auf Regierung, Schicksalswahl für FDP
Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet; keine der übrigen Parteien will mit der AfD koalieren. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla sagte im ZDF, seine Partei sei der Gewinner des Abends. „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg eine Volkspartei.“
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Die im Südwesten tief verwurzelte FDP zog mit Spitzenkandidat Rülke ins Rennen. Er sprach im Wahlkampf von der „Mutter aller Wahlen“ für seine Partei. Dass sie nun in Baden-Württemberg nicht mehr im Landtag sitzen, dürften auch ein Comeback im Bund erschweren. FDP-Chef Christian Dürr sieht aber noch Chancen: Nach der vergangenen Bundestagswahl sei man „bei Null gestartet“. Es gehe um einen Marathonlauf und keinen Sprint.
Die Linke trat mit drei jungen Frauen als Spitzen-Trio an und setzte damit einen Kontrapunkt zu den übrigen Parteien. Ins Zentrum rückten sie die hohen Mieten und die Kluft zwischen Arm und Reich.
Auftakt für das „Superwahljahr 2026“
Die Wahlbeteiligung lag laut der Wahlleitung bei 69,6 Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben – so viele wie nie zuvor.
Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen wie bei der Bundestagswahl. Die Zweitstimme entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den Direktkandidaten im Wahlkreis.
Die Wahl ist die erste von fünf Landtagswahlen im „Superwahljahr 2026“ und die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). CDU und SPD debattieren über wichtige Reformen. Die Wahlergebnisse sind daher wichtig für die Stimmung.
Die nächste Wahl steht am 22. März in Rheinland-Pfalz an. Dort droht der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des Ministerpräsidentenpostens. Im September wählen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – hier kommt die AfD in Umfragen an die 40 Prozent.
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