AfD-Kurs der Familienunternehmer spaltet Wirtschaft: Jetzt tritt auch Rossmann aus
Der Kurswechsel des Verbands der Familienunternehmer gegenüber der AfD sorgt weiter für Unruhe. Nach Kritik von Politik und Wirtschaft tritt nun auch die Drogeriekette Rossmann aus – und selbst Hausgerätehersteller Vorwerk geht auf Abstand.
Im Oktober 2025 hat der Verband der Familienunternehmer erstmals AfD-Vertreter zu einem Parlamentarischen Abend in einer Berliner Niederlassung der Deutschen Bank eingeladen. Präsidentin Marie-Christine Ostermann erklärte im „Handelsblatt“, damit sei das bisherige „Kontaktverbot“ aufgehoben. Bereits im Frühjahr habe der Verband beschlossen, das Gespräch mit einzelnen AfD-Fachpolitikern zu suchen.
Der Verband begründet das mit der Notwendigkeit, die AfD inhaltlich zu stellen. Die Hoffnung, ein Viertel der Wählerschaft durch moralische Ausgrenzung zu erreichen, sei nicht aufgegangen. Jetzt helfe nur die Auseinandersetzung „jenseits von schlichten Kategorisierungen in gut und böse“.
Scharfe Kritik an Entscheidung des Verbands
Die neue Linie bleibt nicht ohne interne Folgen. Die Drogeriemarktkette Rossmann hat ihre Mitgliedschaft im Verband beendet. Man unterstütze die Haltung des Verbands nicht, teilte das Unternehmen der dpa mit. Der Austritt zählt zu den bislang deutlichsten Reaktionen aus der Wirtschaft.
Auch der Hausgerätehersteller Vorwerk, selbst Mitglied, distanziert sich. Man teile die wirtschaftspolitischen Positionen des Verbands, sehe jedoch „einzelne Formulierungen kritisch – insbesondere dort, wo sie Interpretationsspielräume im Umgang mit politischen Rändern eröffnen“.
Die Oetker Collection KG, die dem Verein ebenfalls angehört, wollte sich auf Nachfrage der dpa „zu politischen Themen nicht äußern“. Zu dem kleineren Unternehmensteil der Oetker-Familie zählt unter anderem Henkell Freixenet.
Auch Geschäftspartner ziehen Konsequenzen. Die Deutsche Bank stellt dem Verband ihre Berliner Räumlichkeiten künftig nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung. Die Entscheidung folgt direkt auf die Einladung der AfD zu dem Parlamentarischen Abend. Zuvor hatten das „Handelsblatt“ und andere Medien berichtet.
Verband schließt Regierungsbündnis weiter aus
Trotz der Gesprächsbereitschaft betont der Verband, weiterhin klar gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD zu stehen. „Wir Familienunternehmer wollen keine Regierung mit AfD-Beteiligung“, so Ostermann. Das Weltbild der Partei passe nicht zur freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung des Verbands. Diskussion bedeute keine Zustimmung, heißt es in der Stellungnahme.
Politiker verschiedener Parteien lehnen den Kurswechsel ab. Die Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz und Andreas Audretsch erinnern daran, dass die AfD eine „gesichert rechtsextreme Partei“ sei, vor der Sicherheitsbehörden „vehement warnen“. SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff kritisierte im „Handelsblatt“, eine als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei könne „kein normaler Gesprächspartner“ sein. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) kritisierte ebenfalls den Dialogkurs. Er bezeichnete die AfD als „arbeitgeber- und arbeitnehmerfeindliche Partei“.
Auch die Chefin des CDU-Wirtschaftsflügels, Gitta Connemann, kritisierte den Verband. Das AfD-Programm und ihre Haltung schadeten dem Standort Deutschland massiv, sagte Connemann dem „Handelsblatt“. Weiter warnte die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion mit Blick auf den Außenhandel: „Eine nationalistische Wirtschaftspolitik à la AfD würde diese Exporte torpedieren, Lieferketten und Arbeitsplätze zerstören.“
Deutliche Abgrenzung anderer Wirtschaftsverbände
Auch große Wirtschaftsverbände distanzieren sich. Bertram Brossardt, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, sagte, man setze sich „mit niemandem an den Tisch, der rechte Parolen propagiert und vom Verfassungsschutz beobachtet wird“.
Der Ökonom Marcel Fratzscher warnte erneut, die AfD wie eine normale Partei zu behandeln. Das könne der deutschen Wirtschaft „erheblichen Schaden im Ausland wie im Inland“ zufügen.
Wirtschaftliche Lage der Familienunternehmen
Parallel zur politischen Debatte verweist der Verband auf wirtschaftliche Sorgen seiner Mitglieder. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 23 Prozent der Familienunternehmer im laufenden Quartal Arbeitsplätze abbauen wollen. Im vierten Quartal 2024 gaben dies 19 Prozent an. Ostermann mahnte, dieser „voranschreitende Arbeitsplatzabbau“ müsse alle alarmieren.
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Zudem sehen 63 Prozent der Befragten die Bürokratie als größtes Investitionshemmnis. Dies sei ein sehr hoher Wert, so der Verband. Die Bereitschaft zu investieren, befinde sich im „anhaltenden Sinkflug“. Nur noch jeder Fünfte der befragten Unternehmer wolle im vierten Quartal sein Unternehmen erweitern. Gar nicht investieren wollten 46 Prozent. Der Verband vertritt rund 6500 Unternehmen in Deutschland. (vd)
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