Christian Schwarz-Schilling spricht bei einem CDU-Bundesparteitag 2019. Nun ist der ehemalige Postminister gestorben (Archivbild).

Christian Schwarz-Schilling spricht bei einem CDU-Bundesparteitag 2019. Nun ist der ehemalige Postminister gestorben (Archivbild). Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Ex-Postminister Schwarz-Schilling ist tot

Der frühere Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) ist tot. Der 95-Jährige sei am Ostermontag im Kreise seiner Familie im hessischen Büdingen gestorben, gab der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand, ein langjähriger Freund Schwarz-Schillings, bekannt.

Als internationaler Vermittler bemühte sich der Ex-Minister von 1995 bis 2007 um die Beilegung der Spannungen in Bosnien-Herzegowina. Zuvor hatte der Hessische Rundfunk über den Tod berichtet.

Schwarz-Schilling: Prägte Post und Telekom stark mit

Schwarz-Schilling wurde am 19. November 1930 in Innsbruck als Sohn eines Komponisten und einer Pianistin geboren wurde. Selbst an Klavier und Orgel versiert, studierte er nach dem Abitur in Berlin Geschichte und Sinologie, begann dann eine Banklehre und heiratete in eine Unternehmerfamilie im hessischen Büdingen ein. 

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Mit 30 Jahren trat er der CDU bei und profilierte sich im betont konservativen hessischen Landesverband als liberales Gegengewicht sowie als Fachmann für neue Medien. Seinen Kampf für die Durchsetzung des privaten Rundfunks führte Schwarz-Schilling von 1976 an als Bundestagsabgeordneter und nach dem Ende der sozial-liberalen Koalition im Jahr 1982 als Minister für Post und Fernmeldewesen. In einem jahrelangen Reformprozess stellte er die Weichen für die Privatisierung von Post und Telekom, was ihm auch viel Kritik und den Vorwurf der Verquickung privater und dienstlicher Interessen eintrug.

Kritik an deutscher Haltung zu Jugoslawien

Schwarz-Schilling sah deshalb seinen Rückhalt beim damaligen Kanzler Helmut Kohl (CDU) schwinden. Gleichzeitig erbitterte ihn, was er als Tatenlosigkeit der deutschen Politik angesichts des Bürgerkriegs im zerfallenden Jugoslawien empfand und provozierte so Ende 1992 seine Entlassung. 

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Im Bundestag verlegte sich der Ex-Minister dann auf auswärtige Angelegenheiten, Menschenrechte und humanitäre Hilfe und erwarb sich auf häufigen Balkan-Reisen internationalen Respekt. Im April 1995 wurde er offiziell zum Streitschlichter für Bosnien-Herzegowina berufen. Auf diesem Posten regelte er insbesondere die Rückkehr von Bürgerkriegsflüchtlingen. Als Krönung seines Einsatzes im früheren Jugoslawien wurde er Ende 2005 zum Hohen Repräsentanten der Vereinten Nationen in Bosnien-Herzegowina ernannt. Wenig später wurde er zudem Bosnien-Beauftragter der EU. 

Die Spannungen zwischen Muslimen, Kroaten und Serben konnte Schwarz-Schilling jedoch nicht völlig beilegen. Ursprünglich hatte der Posten des Hohen Repräsentanten mit dem Ablauf seiner Amtszeit aufgelöst werden sollen. Doch die Staatengemeinschaft sah sich gezwungen, das Mandat zu verlängern. Mitte 2007 übergab Schwarz-Schilling sein Amt an den slowakischen Diplomaten Miroslav Lajcák. Für seinen Einsatz im Balkan-Konflikt erhielt er Ende 2007 den renommierten Hessischen Friedenspreis. (dpa/mp)

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