Dilettantismus, Gier und Skrupellosigkeit – 100 Tage Donald Trump

Donald Trump
Herbe Klatsche für US-Präsident Donald Trump: Seine umstrittene Zollpolitik ist verfassungswidirg

Das Schlimmste war die Machtlosigkeit, erzählten Charlotte Pohl (18) und Marie Lepère (19). Die beiden Urlauberinnen aus Rostock wollten am Flughafen in Honolulu in die USA einreisen. Sie wurden in Handschellen abgeführt, ins Gefängnis gebracht und später abgeschoben – obwohl sie wohl alle nötigen Papiere vorweisen konnten. Donald Trump ist gerade mal 100 Tage im Amt – und hat eine der ältesten Demokratien der Welt in atemberaubendem Tempo in eine Bananenrepublik verwandelt, in der Willkür und Chaos rechtsstaatliche Ordnung ablösen. Das ist höllisch beängstigend. Und ein allerletzter Weckruf.

Zollpolitik. Ukraine. „Bürokratieabbau“. Trump und seine Spießgesellen toben seit der Amtsübernahme im Januar wie eine Truppe testosterontrunkener Hooligans durch die behördlichen Porzellanläden. Regeln werden aufgestellt und wieder einkassiert, nach Stunden teilweise. Die Börsen fahren Achterbahn. Viele verlieren viel Geld. Aber seien Sie sicher: Manch einer wird auch exzellent verdienen am Spiel mit der Unsicherheit.

Trump im Kampf gegen Moral, Presse und die bisherige Weltordnung

Unvergessen die Demütigung Selenskyjs vor laufenden Kameras im Oval Office. Trumps schamlose Anbiederung an Putin, dem er ganz aktuell mit seinem „Friedensplan“ die Kapitulation der Ukraine kredenzen will. Die rasant geschnittenen Abschiebevideos, in denen Männer mit der Hand im Nacken gebückt durch Gefängnisflure getrieben werden, bevor ihnen die Haare geschoren werden. Szenen, die in Licht, Kameraführung und Schnitt wirken wie Popkultur gewordene Gewaltporno-Fantasien. Wer diese Menschen sind und was aus ihnen wurde? Egal. In der inzwischen erschreckend ungeschminkt zu Tage getretenen Fascho-Denke der Trump-Truppe sind sie nur Figuren, Zerrbilder, gut für ein paar reichweitenstarke Posts auf Social Media. Faust-Emoji. Feuer-Emoji. US-Flaggen-Emoji. Fertig. Streng geheime Angriffs-Pläne auf andere Länder bespricht die Trump-Administration in Messenger-Chats, als wären sie Eltern, die die Fahrgemeinschaft zum Auswärtsspiel der E-Jugend planen. Die freie Presse wird bekämpft, bepöbelt, ausgeschlossen und diskreditiert.

Für alle, die bei uns klammheimlich oder auch ganz offiziell Sympathien hegten für Trumps „unkonventionelle“ Art, müsste all das ein Schlag ins Gesicht sein. Es gibt ja nicht wenige, die seine Rücksichtslosigkeit und Menschenfeindlichkeit an Stammtischen und in Leitartikeln als Deal-Kunst und Disruption schönredeten. Die Lust haben auf Vollgas-Kapitalismus, wenn sie profitieren. Und denen Ausgrenzung gefällt, solange sie nicht betroffen sind. Die reinfielen auf Trumps außergewöhnliches Talent dafür, Probleme zu erkennen und Themen zu besetzen. Aber nicht erkennen wollten, dass, wenn Trump Zahnarzt wäre, seine Antwort auf ein Loch im Zahn der Vorschlaghammer wäre.

Deutschland und Europa – Bastionen der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

All das liegt inzwischen auf dem Tisch und ist nicht mehr zu übersehen. Wir sollten darüber nicht mehr jammern und wehklagen. Und wir sollten es nicht einkleiden in Wischiwaschi-Beschreibungen, denn das führt nur dazu, dass wir uns um die richtigen Schlussfolgerungen drücken. Deswegen noch mal explizit: Die derzeitige US-Regierung ist ein faschistischer Führer-Kult, der in Teilen irrationalen Strategien folgt. Die US-Demokratie, einst Leuchtturm der freien Welt und Markenkern des Westens, ist waidwund. Es gibt kein Vertrauen. Und es gibt keinerlei Anlass, davon auszugehen, dass das in absehbarer Zeit besser wird.

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Bei allem Kummer über Dinge, die bei uns nicht gut laufen: Ich bin jeden Tag froh, nicht in Russland oder den USA zu leben, sondern in Deutschland und Europa. Ich hänge an unserem Rechtsstaat, an unserer Demokratie. Sie sind Garant unserer Freiheit. Ich will das nicht hergeben. Aber wir lernen derzeit auf die harte Tour: Resilienz gibt es nicht umsonst. Sie kostet Geld und Kraft. Wofür wäre beides besser angelegt?