Aufregung nach Anerkennung von Somaliland durch Israel – das steckt dahinter
Somaliland sieht in der Anerkennung durch Israel einen historischen Schritt. Was sich das Land von der neuen Partnerschaft verspricht, für die es Kritik anderer Länder der Region hagelt. Eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats wurde bereits für Montag angekündigt.
Somalilands Außenminister Abdirahman Dahir Adam hat die Anerkennung seines Landes durch Israel ungeachtet der Kritik anderer regionaler Staaten begrüßt. „Diese Anerkennung ist nicht nur ein diplomatischer Meilenstein, sondern auch ein Moment großer historischer Gerechtigkeit und moralischer Klarheit“, sagte er dem israelischen Kan-Sender. Er stellte klar, Somaliland habe sich im Gegenzug nicht dazu bereiterklärt, Menschen aus dem Gazastreifen aufzunehmen.
Die Zusammenarbeit mit Israel werde sich auf Diplomatie, Handel, Technologie, Landwirtschaft, Wassermanagement, Gesundheit und Sicherheit konzentrieren. „Somaliland strebt eine Partnerschaft an, die transparent, friedlich und für beide Länder vorteilhaft ist“, sagte der Außenminister weiter. Die Anerkennung Somalilands durch Israel stärke die Sicht der ostafrikanischen Republik als „stabilen, demokratischen und verantwortungsbewussten Staat in einer fragilen Region“.
Israel hatte am Freitag als weltweit erstes Land die abtrünnige Region Somaliland als souveränen Staat anerkannt. Somaliland, eine muslimische Region im Norden Somalias mit nur wenigen Millionen Einwohnern, ist seit mehr als drei Jahrzehnten praktisch unabhängig.

Somalische Regierung: „rechtswidriger“ Angriff
Israels Vorgehen erfolgte wenige Tage, bevor Somalia turnusgemäß die Präsidentschaft im UN-Sicherheitsrat übernimmt. Die somalische Regierung sprach von einem „vorsätzlichen“ und „rechtswidrigen“ Angriff Israels auf die Souveränität des Landes. Das Parlament des Landes stimmte gegen den Schritt.
Laut dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erfolgte die Anerkennung „im Geiste der Abraham-Abkommen“. Diese Abkommen hatte US-Präsident Donald Trump 2020 in seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel.

Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats
Israelische Medien verwiesen darauf, dass Somaliland unweit der strategisch wichtigen Meeresenge Bab al-Mandab liegt, wo es immer wieder zu Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf internationale Handelsschiffe mit mutmaßlichem Bezug zu Israel gekommen war. Die „Times of Israel“ schrieb, ein Zugang zum Territorium und Luftraum Somalilands würde es Israel erleichtern, Angriffe gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen durchzuführen und sie zu überwachen.
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Der UN-Sicherheitsrat kommt wegen Israels Schritt zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Vor dem für Montag anberaumten Treffen in New York warnten 21 überwiegend muslimische Länder in einer gemeinsamen Erklärung vor „schwerwiegenden Folgen“ des beispiellosen Vorgehens Israels für „den Frieden und die Sicherheit am Horn von Afrika und im Roten Meer“ sowie für die internationale Sicherheit. (dpa/mp)
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