Zug kracht in Baukran – mehr als 20 Tote
In Thailand ist ein Passagierzug mit voller Geschwindigkeit mit einem massiven Baukran aus Stahl kollidiert. Der Zug mit fast 200 Menschen an Bord ist daraufhin entgleist, ein Abteil fing Feuer.
Rettungskräfte und Behörden sprechen von mindestens 22 Todesopfern. Der genaue Unfallhergang ist auch Stunden später noch unklar.
Mehrere örtliche Medien schrieben zunächst, der Kran sei wenige Sekunden vor dem Eintreffen des Zuges auf die Gleise gestürzt. Dieser sei daraufhin mit voller Wucht mit dem Stahlgerüst kollidiert. Bis zum Nachmittag häuften sich aber Berichte, wonach der Kran direkt auf den Zug gestürzt sein soll. Dutzende Passagiere wurden teilweise schwer verletzt – verschiedenen Angaben zufolge sind es zwischen 55 und 80.
Unfallort liegt an der „Neuen Seidenstraße“
Der Zug befand sich kurz nach 9 Uhr im Bezirk Sikhio in der Provinz Nakhon Ratchasima, etwa 230 Kilometer nordöstlich von Bangkok. Sein Ziel war Ubon Ratchathani nahe der Grenze zu Laos und Kambodscha. An Bord befanden sich nach Angaben des staatlichen Betreibers (SRT) mindestens 195 Menschen, darunter Passagiere und Personal. Nach Angaben des Portals „Thaiger“ handelte es sich vor allem um Studenten und Pendler.
Gleichzeitig liefen die Bauarbeiten an einer Eisenbahnbrücke für die thailändisch-chinesische Hochgeschwindigkeitsstrecke (HGV), die Thailand in Zukunft über Laos mit China verbinden soll. Das Projekt ist Teil der riesigen chinesischen Infrastrukturinitiative „Neue Seidenstraße“.
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Während der Zug mit etwa 120 Kilometern pro Stunde unter der Brücke entlangfuhr, stürzte plötzlich der Kran herab. Im Zuge des Unglücks sollen nach Medienberichten auch weitere schwere Baumaterialien auf die Waggons gefallen sein. Was genau die Katastrophe auslöste, wird derzeit noch ermittelt.
Schlimme Szenen am Unglücksort
Den Ersthelfern und Rettungskräften boten sich schockierende Szenen: Ein Großteil des Zuges war völlig zerstört, die eingedrückten Waggons lagen auf der Seite, Teile standen in Flammen. Viele Passagiere sind in den Trümmern eingeschlossen, besonders im zweiten der drei Waggons.
„Die Flucht gestaltete sich schwierig, weil der klimatisierte Zug über elektrische Türen und Fenster verfügte, die sich nicht manuell öffnen ließen“, schrieb die Zeitung „Bangkok Post“. Die Teams sind unter anderem mit hydraulischen Schneidgeräten und Löschfahrzeugen im Einsatz, um Verletzte zu befreien. Viele sollen in kritischem Zustand sein.
Premier fordert vollständige Aufklärung
Da die Bergung des Wracks sehr kompliziert ist, bleibt die wichtige Bahnstrecke in Richtung Nordosten von Thailand auf unbestimmte Zeit blockiert, wie der stellvertretende Gouverneur der Thailändischen Staatsbahn Anan Pothinimdaeng mitteilte. Zahlreiche Züge müssen umgeleitet werden.
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Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul forderte eine lückenlose Aufklärung des Unglücks. „Dieses Projekt ist auf mehrere Probleme gestoßen. Letztes Jahr stürzte während der Bauarbeiten ein Tunnel ein, und diesmal ist ein Kran umgestürzt“, sagte er. „Wir müssen untersuchen, ob die Bauarbeiten fehlerhaft ausgeführt wurden.“ Solche Unfälle könnten nur passieren, wenn Fahrlässigkeit vorliege oder die Baupläne nicht eingehalten würden, betonte er. (mp/dpa)
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