Von wegen altbacken: Diese Gesangskunst soll Kulturerbe der Menschheit werden
Was fällt den meisten Menschen zur Schweiz ein? Berge, Käse, Uhren, Taschenmesser, Schokolade. Und das Jodeln. Letzteres soll jetzt eine besondere Anerkennung erfahren.
Für unzählige Schweizer gehört das Jodeln zum Leben wie der Käse und die Schokolade. Diese Tradition soll nun geadelt werden, mit einer Anerkennung als Kulturerbe der Menschheit. Darüber befindet ein Ausschuss der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) bei einer Sitzung in Neu-Delhi. Die Entscheidung fällt bis zum 13. Dezember.
Der Eintrag in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes, wie es korrekt heißt, soll die Wertschätzung für das Jodeln stärken, sagt Barbara Betschart, Leiterin des Zentrums für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik, des Roothuus Gonten. „Es gilt unter anderem, der Meinung entgegenzuwirken, dass das Jodeln eine altbackene Sache ist“, sagte sie.
Verschiedene Arten: traditionelles und Wildjodeln
Dabei gibt es keine Nachwuchsprobleme. Allein im Eidgenössischen Jodlerverband sind rund 12.000 Aktive und es gibt viele freie Jodlergruppen. Der Verband hat für Wettbewerbe klare Regeln. So müssen vorher Liedpartituren eingereicht werden, und beim Vortrag ist „korrekte Tracht“ vorgeschrieben. „Verstöße werden grundsätzlich durch Disqualifikation geahndet“, heißt es im Reglement.
Was ist Jodeln überhaupt? Es ist ein Gesang ohne Text und Worte, bei dem zwischen tiefer Brust- und hoher Falsettstimme gewechselt wird. Er soll auf Hirten zurückgehen, die sich einst zwischen weit entfernten Bergweiden so verständigt haben sollen.
In Deutschland wird Jodeln mit Loriot verknüpft
Generationen von Deutschen denken, wenn sie „Jodeln“ hören, an einen legendären Loriot-Sketch von 1978, in dem Frau Hoppenstedt (Evelyn Hamann) einen Jodelkurs macht, um „etwas Eigenes“ zu haben. Unvergessen, wie sie und andere sich in „den Grundmotiven des Erzherzog-Johann-Jodlers“ („Holleri du dödl di, diri diri dudel dö“) verheddern.
Natürlich war das Blödelei. Auch, wenn die etwas hölzerne Beschreibung vom Schweizer Bundesamt für Kultur fast aus der Feder von Loriots strengen Jodellehrer stammen könnte: „Das Jodeln eröffnet ein breites klangliches Spektrum zwischen gepflegtem, klassisch anmutendem Schöngesang bis hin zur archaischen, rufenden Stimmgebung.“
Jodeln aus Simbabwe und Georgien schon anerkannt
Es wird im ganzen Alpenraum und darüber hinaus gejodelt. Aber das Schweizer Jodeln sei etwas Einzigartiges, sagt Betschart. Nach der reinen Lehre wird nur auf den Vokalen O und U sowie allenfalls Ü gejodelt. Der Schweizer Naturjodel ist meist viel getragener als das vor allem aus Österreich bekannte fetzig-fröhliche Jodeln.
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In der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes gibt es bereits zwei Jodel-Einträge, aus Simbabwe und aus Georgien. (dpa)
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