Polizist Berlin Kreuzung

Ein Polizist regelt in Berlin den Verkehr an einer Kreuzung, an der die Ampel durch den Stromausfall ausgefallen ist. Foto: picture alliance/dpa/Britta Pedersen

Verwirrung um Stromnetz-Anschläge: Neues Bekennerschreiben – und eine Distanzierung

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Erst ein Bekennerschreiben, dann ein Text gegen Russland-Spekulationen – und nun die nächste Überraschung: Nach dem massiven Stromausfall im Südwesten Berlins ist in der Nacht ein weiteres Schreiben aufgetaucht, in dem sich eine Gruppe aus dem Umfeld der sogenannten „Vulkangruppen“ vollständig von der Tat distanziert. Die ohnehin widersprüchliche Lage wird damit noch unübersichtlicher.

Nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, der am Samstagmorgen rund 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Unternehmen lahmlegte, kursieren inzwischen mehrere Texte mit Bezug zur Tat. Während sich zunächst die linksextremistische „Vulkangruppe“ zu dem Anschlag bekannt hatte, folgte später ein weiteres Schreiben, in dem Spekulationen über eine angebliche russische Urheberschaft entschieden zurückgewiesen wurden.

Schreiben weist Beteiligung eines ausländischen Staates zurück

In diesem zweiten Text hieß es, Gerüchte über eine „False-Flag“-Aktion eines ausländischen Staates seien „nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren“. Sabotage sei auch ohne fremde Geheimdienste möglich, die Motive seien „weder neu noch geheim“. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hält dieses Schreiben für authentisch.



In der Nacht zu Mittwoch tauchte nun jedoch ein weiteres Schreiben auf der linken Plattform Indymedia auf, das eine neue Wendung bringt: Der Beitrag der „Vulkangruppe“ schließt jede Beteiligung an dem Stromausfall ausdrücklich aus. Man habe „mit der Aktion nichts zu tun“ und distanziere sich sowohl von dem Anschlag selbst als auch von den zuvor veröffentlichten Bekennerschreiben. Auch eine Zuordnung zur Tat über das Label „Vulkangruppe“ wird zurückgewiesen.

Bundesanwaltschaft prüft Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage

Damit stehen nun mindestens drei Schreiben im Raum, die sich teils widersprechen. Sicherheitsbehörden weisen seit Längerem darauf hin, dass es sich bei den „Vulkangruppen“ nicht um eine fest organisierte Struktur handelt, sondern um lose Zusammenschlüsse aus dem militanten anarchistischen Spektrum, die ein gemeinsames „Label“ nutzen. Unterschiedliche Einschätzungen zu einzelnen Aktionen seien daher möglich.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Sie prüft unter anderem den Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie der Störung öffentlicher Betriebe. Zu dem neuesten Schreiben äußerten sich die Ermittler zunächst nicht.

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Berlins Polizei-Vizepräsident Marco Langner hatte zuvor betont, es gebe keinerlei Hinweise auf eine Beteiligung Russlands oder anderer ausländischer Akteure. Die bisherigen Prüfungen, auch gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt, deuteten vielmehr auf einen linksextremistischen Hintergrund hin. (dpa/mp)

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