Ulf Wiedersehen! Poschardt gibt Position als „Welt“-Herausgeber auf

Porträt von Ulf Poschardt bei einer Veranstaltung vor einer „Welt“-Fotowand. Der Journalist trägt einen dunklen Rollkragenpullover und ein Sakko.
Ulf Poschardt gibt seinen Posten als „Welt“-Herausgeber auf. Künftig soll er Axel Springers „freiester Mitarbeiter“ werden.

Ulf Poschardt zieht sich aus der Führungsspitze von Axel Springers „Premium-Gruppe“ zurück. Der 59-Jährige gibt seinen Posten als Herausgeber von „Welt“, „Politico“ Deutschland und „Business Insider“ Deutschland zum 1. Juli auf eigenen Wunsch ab. Künftig arbeitet er als „freiester Mitarbeiter“ für den Konzern.

Wie Axel Springer mitteilte, soll Poschardt in seiner neuen Rolle als Autor, Podcaster und Creator „maximale journalistische Freiheit“ erhalten. Geplant sind unter anderem tägliche Kurzclips für Social Media, eine Talkshow bei „Welt TV“ sowie eine wöchentliche Kolumne und Videoformate bei „Bild“. Vorstandschef Mathias Döpfner erklärte: „Wir wollen mehr Ulf Poschardt.“

Poschardt selbst begründete den Schritt mit dem Wunsch nach größerer publizistischer Freiheit. „Im Laufe des vergangenen Jahres habe ich festgestellt, dass ich für meine publizistische Arbeit mehr Freiheit brauche, die sich mit einer formalen Funktion nicht immer vereinbaren lässt“, sagte er. Poschardt kam 2008 zu Axel Springer, wurde 2016 Chefredakteur der „Welt“-Gruppe und im vergangenen Jahr Herausgeber. 2024 erschien sein Bestseller „Shitbürgertum“, am 15. Juni soll mit „Bückbürgertum“ der Nachfolger erscheinen.

Poschardt, Schreiber, Burgard: Die „Welt“ erlebt den nächsten großen Umbau

Mit Poschardts Rollenwechsel setzt sich die Reihe prominenter Personalrochaden bei „Welt“ und Axel Springer fort. Erst vergangenes Jahr wechselte der frühere Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber von der ARD zu Springer. Schreiber begründete den Schritt später mit dem Wunsch nach mehr publizistischer Freiheit und stärkerer Reporterarbeit. Nach dem 7. Oktober habe er verstärkt über Islamismus und Demonstrationen berichten wollen. In einem Interview mit der „Zeit“ sagte er: „Ich wollte über die Demonstrationen sprechen, die wir ja bis heute auf den Straßen sehen, die Hamas-Parolen, darüber, dass da vieles islamistisch ist.“

Das könnte Sie auch interessieren: Hamburger Star vor Gericht: Hamid Mossadegh drohen vier Jahre Haft

Auch der frühere „Welt“-Chefredakteur Jan Philipp Burgard kehrte zuletzt als „Global Reporter“ für die Nahost-Berichterstattung zu Springer zurück, nachdem er seinen Posten Anfang des Jahres im Zuge von Berichten über mutmaßlich „unangebrachtes Verhalten“ auf einer Weihnachtsfeier aufgegeben hatte. Axel Springer erklärte damals, entsprechende Hinweise hätten sich nicht erhärtet. Bereits Ende 2025 hatte zudem Robin Alexander seinen Posten als stellvertretender „Welt“-Chefredakteur aufgegeben, um den Politikpodcast „Machtwechsel“ unabhängig weiterzuführen.