Urlaubsplanung mit KI kommt für immer mehr Reiselustige in Betracht

Raus aus dem Alltag und ab in die Ferien: KI übernimmt bereits jetzt bei vielen Deutschen die Urlaubsplanung. Foto:  Christin Klose/dpa-tmn

Sollte ich KI meine Urlaubsplanung überlassen? Wohin die Reise geht

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Immer mehr Menschen lassen sich ihren Urlaub von Chatbots planen. Was KI heute schon kann, wo ihre Grenzen liegen – und was das für Reisebüros und Portale bedeutet.

Fragen wie „Was mache ich zwei Tage in Barcelona?“ oder „Wo ist es warm, mit Meer und Bergen?“ beantworten längst nicht nur Reiseführer oder Reisebüros. Immer häufiger liefern KI-Systeme personalisierte Vorschläge in Sekunden. Künstliche Intelligenz hat die Reisebranche erreicht – und verändert, wie Menschen Urlaub planen und buchen.

Studie: Millionen nutzen bereits KI für die Urlaubsplanung

Laut einer aktuellen Befragung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) haben 17 Prozent der 18- bis 75-Jährigen in Deutschland schon KI rund um Reisen genutzt – hochgerechnet mehr als zehn Millionen Menschen. Weitere 35 Prozent können sich die Nutzung künftig vorstellen. Von denen, die Chatbots und ähnliche Systeme bereits eingesetzt haben, empfanden 48 Prozent die Vorschläge als hilfreich. 42 Prozent sparten nach eigenen Angaben Zeit.

Doch es gibt auch Kritik: 16 Prozent bemängeln falsche Informationen. Jeweils zehn Prozent finden, KI schmälere spontane Entdeckungen und lasse sie weniger in die lokale Kultur eintauchen.

Reiseprofis: KI-Entwicklung geht rasant voran

Michael Buller vom Verband Internet Reisevertrieb (VIR) sieht enormes Potenzial – aber auch Risiken. Die KI-Entwicklung sei „beängstigend schnell“. Wie bei Navigationssystemen werde die Masse den Empfehlungen folgen. Spannend werde die Frage der Verantwortung: Bisher liege sie beim Nutzer. Doch Buller hält es für möglich, dass Unternehmen künftig Prompts vorgeben und dann auch für die Antworten einstehen.

Ein Problem: Viele Reisende formulieren ihre Anfragen noch unpräzise. Präzise Prompts führen zu besseren Ergebnissen – und daran scheitere es bislang oft.

Wie Bots heute schon komplette Reisen planen

Moderne KI-Systeme fragen gezielt nach und liefern in kürzester Zeit umfangreiche Pläne. Ein Beispiel: Eine Anfrage für eine einwöchige Familienreise nach Südtirol führt nach 22 Sekunden zu einer vierseitigen Übersicht mit Anreiseoptionen, Tagesplänen und Packliste. Ein Ergebnis, für das man sonst Stunden recherchieren müsste.

Google Flights bietet inzwischen einen KI-Modus für flexible Reisende an. Statt Filter zu setzen, beschreibt man einfach die gewünschte Reise. Eine Testanfrage nach einer warmen Stadt mit gutem Essen und Direktflug aus Berlin lieferte in Sekunden passende Vorschläge – etwa Marrakesch, Lissabon und Kairo. In wenigen Klicks wäre der Flug buchbar gewesen. Künftig sollen Flüge und Hotels direkt im KI-Modus buchbar sein.

Individuellerer Urlaub – und wachsende Erwartungen

Für Buller steht fest: KI macht die Suche einfacher und die Angebote passgenauer. Doch Vertrauen ist entscheidend. Denn längst nicht jede KI-Antwort stimmt. Systeme und Nutzer müssen lernen – und die Branche sich anpassen. „Jedes Geschäftsmodell wird sicher hinterfragen müssen“, sagt Buller.

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Buchungsportale und Veranstalter haben bereits reagiert. Sie entwickeln ebenfalls Chatbots als Alternative für Eingabemasken, in denen Urlauber bei der Suche nach Reisen sonst erst in diversen Kästchen Häkchen setzen und Entscheidungen treffen müssen. Es gibt außerdem Software, die anhand von Mausbewegungen erkennt, wenn man ein Buchungsportal verlässt – dann öffnet sich ein Chatfenster und der Nutzer wird von einem Bot gefragt, wie man ihm helfen könne. Nicht wenige buchten dann doch, sagt Michael Buller.

Reisebüros setzen ebenfalls auf KI – ersetzt wird dort niemand

Auch vor Ort verändert KI den Alltag. „Wir statten unsere Büros damit aus“, sagt Ömer Karaca von Schmetterling International, einem Dienstleister für mehr als 2000 Reisebüros. Kunden kommen zunehmend gut vorbereitet – oft mit kompletten Reiseverläufen aus ChatGPT & Co.

Buchen kann man über solche Bots noch nicht. Was passiert, wenn sich das ändert? Karaca bleibt gelassen. Alles sei im Wandel – bei Portalen wie auch in Reisebüros. Doch er ist überzeugt: „Wir werden KI einsetzen, sie wird uns unterstützen – aber sie wird uns nicht ersetzen.“ Im Urlaub gehe es um Vertrauen, Emotion – und um den Menschen. (dpa/mp)

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