Panorama

RKI schlägt Alarm: Mehr als 9000 Hitze-Tote in einer Woche!

Sonne brennt auf Neubauten in der Hamburger HafenCity an einer leeren Promenade.
Die Hamburger HafenCity während der extremen Hitzewelle Ende Juni 2026.

Von rund 5000 Toten durch die Hitzewelle Ende Juni ging das Robert Koch-Institut zunächst aus. Neue Zahlen zeigen: Die Zahl liegt wohl fast doppelt so hoch.

Die extreme Hitze Ende Juni hat offenbar weit mehr Menschenleben gefordert als zunächst angenommen. Allein innerhalb einer Woche starben nach neuen Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 9600 Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen.

In Deutschland sind in diesem Jahr bislang schätzungsweise 11.900 Menschen hitzebedingt gestorben. Das geht aus dem aktuellen Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zur hitzebedingten Sterblichkeit hervor.

Hitzetote in Deutschland: Mehr Opfer als in jedem Jahr seit 2016

Der Großteil der Todesfälle entfällt auf die besonders heiße Woche vom 22. bis 28. Juni. Rund 9600 Sterbefälle werden diesem Zeitraum zugerechnet. Damals lagen die Temperaturen vielerorts bei rund 40 Grad.

Schon jetzt sind damit deutlich mehr Menschen an den Folgen der Hitze gestorben als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. Der bisherige Höchstwert wurde 2018 registriert. Damals gab es im gesamten Jahr rund 9000 Hitzetote.

RKI: Folgen der extremen Juni-Woche erst jetzt sichtbar

Die Folgen der extremen Juni-Woche und der darauffolgenden Woche würden erst jetzt vollständig sichtbar, schreibt das RKI. Ein Grund sei, dass derart hohe Temperaturen in Deutschland bisher kaum oder gar nicht vorkamen.

Hinzu kommt eine Verzögerung bei den Daten. Bundeslandspezifische Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes werden demnach erst nach fünf Wochen gemeldet. Erst die aktuellen Berechnungen enthalten deshalb die geschätzte Zahl der Hitzetoten in vollem Umfang.

Zuvor war das RKI für die besonders heiße Periode von mehr als 5000 hitzebedingten Todesfällen ausgegangen.

Hitzetote in Deutschland: RKI berechnet Zahlen jede Woche neu

Der aktuelle Bericht umfasst den Zeitraum vom 6. April bis zum 26. Juli. Die Werte würden jede Woche auf Grundlage neuerer Daten neu berechnet, sagte eine RKI-Sprecherin.

Bei den Angaben handelt es sich um Schätzungen. Grundlage sind die Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Zusätzlich fließen Temperaturdaten von 52 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in die Berechnung ein.

Besonders gefährlich ist Hitze für ältere Menschen. Mit gut 6000 Todesfällen war die Gruppe der mindestens 85-Jährigen am stärksten betroffen.

Knapp 3000 Gestorbene waren zwischen 75 und 84 Jahre alt. Knapp 1800 waren zwischen 65 und 74 Jahre alt. Bei den Menschen unter 65 Jahren wurden gut 1100 hitzebedingte Todesfälle geschätzt.

Hitzetote in Deutschland: Temperaturen weit über kritischer Schwelle

Ein hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit wird nach Angaben des RKI typischerweise ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad sichtbar. Dabei werden die Temperaturen am Tag und in der Nacht über eine Woche gemittelt.

Vom 22. bis 28. Juni lag dieser Wert bundesweit bei 26,4 Grad. Damit wurde die Schwelle deutlich überschritten. In sämtlichen Bundesländern lag die mittlere Temperatur in dieser Woche bei mehr als 20 Grad.

Hitzewelle Ende Juni brachte mehrere Extremwerte

Der Juni 2026 war nach Angaben des DWD mit einer Durchschnittstemperatur von 19,5 Grad der zweitwärmste Juni seit Beginn der Messungen. Nur im Jahr 2019 lag der Durchschnitt noch höher.

Die Hitzewelle Ende Juni brachte mehrere Extremwerte. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war nach derzeitigen DWD-Daten die wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen.

Mehrfach meldete der Wetterdienst Temperaturen von mehr als 41 Grad. Am 27. Juni wurde deutschlandweit an 46 Wetterstationen die Marke von 40 Grad überschritten.

Hitzetote in Deutschland: Verbände verlangen besseren Schutz

Nach den jüngsten Hitzewellen fordern die Bundesärztekammer, rund 80 weitere europäische Gesundheitsorganisationen und zahlreiche Umweltverbände deutlich größere Anstrengungen von Deutschland und der Europäischen Union.

Die Erklärung des Klimanotstands müsse in verbindliche Verpflichtungen münden, heißt es in einer Erklärung der Gesundheitsorganisationen. Extreme Hitze müsse zudem als ernsthafte Gefahr für die Gesundheit anerkannt werden.

Mediziner fordern: Pflegeheime, Kitas und Schulen klimafest machen

Die Mediziner verlangen unter anderem, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimafest zu machen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Fridays for Future, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und weitere Gruppen wollten am Donnerstag vor dem Kanzleramt auf das Thema aufmerksam machen.

„Wir fordern Bundeskanzler Merz und sein Kabinett dazu auf, einen Hitzegipfel einzuberufen. Bund, Länder und Kommunen müssen ihre Aktivitäten strategisch aufeinander abstimmen. Zivilgesellschaft und Forschung müssen gehört und ihre Erkenntnisse beim politischen Handeln umfänglich berücksichtigt werden“, erklärten die Organisationen. (dpa/mp)

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