Neue Studie: Hilfe zur Pflege kommt nicht überall an
Wer Pflege braucht und nicht ohne weitere finanzielle Hilfe auskommt, kann Hilfe zur Pflege beantragen. Zwischen Heim und zu Hause gibt es hier Riesenunterschiede. Eine Studie zeigt mögliche Gründe.
Viele Pflegebedürftige mit geringem Einkommen nehmen laut einer neuen Studie ihnen zustehende Leistungen des Staates nicht in Anspruch. Der Pflegeexperte und Rechtswissenschaftler Thomas Klie kommt in der Studie im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands zu dem Schluss, dass in der häuslichen Pflege nur weniger als 20 Prozent der Betroffenen ihre Ansprüche auf „Hilfe zur Pflege” geltend machen, wie aus der in Berlin veröffentlichten Erhebung hervorgeht.
Hilfe zur Pflege: Rund 390.000 der zu Hause gepflegten Menschen haben Anspruch
„Hilfe zur Pflege” können Pflegebedürftige mit zu wenig Einkommen zur Bezahlung der Pflege beim Sozialamt beantragen, wenn etwa die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen. Laut der Studie kommt diese Hilfe bei den Menschen in Pflegeheimen viel stärker an. Rund 42 Prozent der zuletzt rund 800.000 Pflegebedürftigen in Heimen haben sie demnach zuletzt bekommen (2023). Von den in Betracht kommenden 4,2 Millionen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad zwei bis fünf außerhalb von Einrichtungen seien es nur rund 76.000 gewesen, also nur 1,8 Prozent.
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Nach Hochrechnung der Studie haben rund 390.000 der zu Hause gepflegten Menschen Anspruch auf die Sozialleistung. Einkommen und Vermögen würden in den Fällen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die eigenen Bedarfe zu decken.
Aus Scham nicht zum Amt
Dass mehr Menschen Hilfe zur Pflege erfolgreich beantragen könnten, nimmt die Studie auch anhand von Daten für die Grundsicherung an. Angenommen wurde, dass sich die Anteile fehlender Inanspruchnahme in beiden Fällen in etwa entsprechen. So kommt die Erhebung zu dem Ergebnis, dass mehr als 300.000 Menschen ohne Hilfe zur Pflege auskommen, obwohl sie diese bekommen könnten. Der Paritätische Gesamtverband macht Unwissen, Scham oder ausbleibende Beratung Betroffener dafür verantwortlich.
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In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin werde Hilfe zur Pflege dabei ambulant in größerem Ausmaß gewährt, im Saarland, Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie Rheinland-Pfalz in eher geringem, so die Studie. „Bund und Länder müssen endlich die Menschen in der ambulanten Pflege in den Blick nehmen und Pflegearmut entschieden bekämpfen”, sagte Hauptgeschäftsführer Joachim Rock. (dpa/mp)
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