Nach „Nius“-Buch: Gysi und 31 Autoren brechen mit Verlag

Gregor Gysi trägt ein dunkles Sakko und ein schwarzes Poloshirt, blickt frontal in die Kamera und steht vor einem hellgrauen Hintergrund.
Linken-Politiker und Buchautor Gregor Gysi gehört zu den 32 Autorinnen und Autoren, die sich in einem offenen Brief vom Westend Verlag distanzieren.

Ein offener Brief sorgt für Wirbel in der deutschen Verlagswelt: Gleich 32 Autorinnen und Autoren haben angekündigt, künftig nicht mehr beim Westend Verlag veröffentlichen zu wollen. Unter den Unterzeichnern sind prominente Namen wie Gregor Gysi, Ulrike Herrmann und die frühere hessische SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti. Auslöser ist ein Buch aus dem Umfeld des rechtskonservativen Portals „Nius“ um Julian Reichelt.

In dem Schreiben, das dem „Spiegel“ vorliegt, werfen die Autoren dem Verlag eine politische Neuausrichtung vor. Westend habe sich lange ausdrücklich als Plattform für „kritische, linke Perspektiven auf gesellschaftliche Entwicklungen“ verstanden. Diese Selbstbeschreibung sei inzwischen jedoch von der Website verschwunden.

Die Unterzeichner betonen zwar, dass sie eine Öffnung des Programms in der Vergangenheit akzeptiert hätten. Auch Autoren wie FDP-Politiker Wolfgang Kubicki oder „Welt“-Herausgeber Ulf Poschardt seien aus ihrer Sicht noch vom Gedanken der Meinungsvielfalt gedeckt gewesen. Nun sehen sie jedoch eine Grenze überschritten.

Buch von Reichelt und „Nius“-Umfeld wird zum Wendepunkt

Konkret entzündet sich der Streit am Sammelband „Links – Deutsch/Deutsch – Links“, herausgegeben von Pauline Voss und Julian Reichelt. Beide arbeiten für das Portal „Nius“. Reichelt ist dort Chefredakteur, Voss seine Stellvertreterin.

Für die Autoren markiert die Veröffentlichung einen Wendepunkt. In ihrem offenen Brief schreiben sie, Westend habe sein Programm damit „bis hin zur extremen Rechten erweitert“. Kritisiert wird vor allem, dass das Buch Personen eines Portals eine Bühne biete, das „Tag für Tag große Teile des demokratischen Spektrums verunglimpft“. Zudem seien Beiträge von Autoren enthalten, deren Positionen der AfD nahestünden.

Gleichzeitig erkennen die Unterzeichner ausdrücklich das Recht des Verlags an, frei über sein Programm zu entscheiden. Sie wollten ihre eigene publizistische Arbeit jedoch „nicht in dieser ideologischen Nachbarschaft“ fortsetzen.

Westend weist Vorwürfe zurück

Wie „Welt“ berichtet, reagierte der Westend Verlag mit Bedauern auf den offenen Brief. Man verstehe sich weiterhin als Plattform für kritische Perspektiven und soziale Gerechtigkeit – „ohne Anspruch auf ideologische Geschlossenheit“.

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Zugleich betont der Verlag, unterschiedliche Positionen innerhalb des demokratischen Spektrums nicht diskreditieren zu wollen. Gerade gegensätzliche Ansätze seien wichtig für eine offene Debatte. Die Türen für Gespräche mit Autoren stünden weiterhin offen.