Nach monatelangem Zoff: Schützenvereine lehnen Frauen am Gewehr ab
Zwei Schützenvereine in Tirol wollten Frauen mit Waffen aufmarschieren lassen – und scheitern an ihren Mitgliedern. Die Schützen sprechen von einem mutigen Festhalten an Traditionen: Es gehe nicht um Gleichberechtigung, sondern um das Erscheinungsbild der Vereine.
Die Schützenkompanien, wie die Vereine im österreichischen Bundesland Tirol heißen, wollen keine Frauen am Gewehr zulassen. Bei einer Abstimmung lehnten es knapp 87 Prozent der Stimmberechtigten ab, ihre jahrhundertealten, männlich geprägten Traditionen zu ändern, wie aus einer Mitteilung des Dachverbandes hervorgeht.
Somit dürfen Frauen bei den traditionellen Auftritten der bewaffneten Brauchtumsvereine auch weiterhin nur als Marketenderinnen mit Schnapsfässern mitmarschieren, aber nicht mit Gewehren. Die Teilnahme an Wettschießen und die Mitarbeit in den Vereinen als „Marketenderinnen“ waren hingegen erlaubt. Marketenderinnen waren Frauen, die bei Kämpfen die Truppen versorgt haben.
Oberster Schütze: Wir stehen zu unserer Identität
In Tirol gibt es 235 Tiroler Schützenkompanien mit insgesamt rund 14.000 Mitgliedern. Etwa 1800 davon sind weiblich. Zwei Kompanien hatten gefordert, auch Frauen mit dem Gewehr ausrücken zu lassen. Es folgte ein monatelanger Diskussionsprozess und eine Abstimmung.
„Wir haben den Mut, zu unserer gewachsenen Identität zu stehen und geschlossen nach außen aufzutreten“, sagte Thomas Saurer, Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, zum Ergebnis. Es gehe um das Erscheinungsbild der Schützen und nicht um Gleichberechtigung. Frauen dürften ohnehin alle Vereinsfunktionen ausüben, erklärte Saurer in einer Mitteilung.
Frauen waren früher schon in Schützen-Positionen
Die Tiroler Schützen entstanden im Spätmittelalter und dienten der Verteidigung der bäuerlichen Bevölkerung. Im 18. und 19. Jahrhundert seien Markentenderinnen als wichtiges Element der Truppen hinzugekommen, heißt es in einem Dokument des Dachverbandes zum jüngsten Diskussionsprozess. „Damit entstand eine bewusste Rollenkomplementarität: Der Schütze als Verteidiger. Die Marketenderin als Bewahrerin“, heißt es.
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Historisch betrachtet waren die Rollen jedoch nicht immer eindeutig verteilt. In vergangenen Jahrhunderten haben einige Frauen an Aufständen und Kämpfen teilgenommen und teils auch Schützeinheiten angeführt. (mp/dpa)
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