Wintersportler am Berg

Nach Neuschnee besonders aufpassen: Abseits der Pisten ist das Lawinenrisiko höher. Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn | Florian Sanktjohanser

Lawinengefahr im Tiefschnee: Diese Faustregeln sollten Skifahrer kennen

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Der frische Tiefschnee neben der Piste verlockt viele Wintersportler. Doch die Gefahr von Lawinen wird oft unterschätzt. Ein Experte erklärt einfache Regeln für Laien.

Der Tiefschnee neben den präparierten Pisten lockt viele Skifahrer und Snowboarder. Ein paar Schwünge abseits der gesicherten Abfahrten – was soll schon passieren? Lawinenabgänge in Skigebieten zeigen jedoch immer wieder: Auch nahe der Piste bestehen Risiken.

Das Problem dabei ist, dass Lawinengefahr oft nicht wahrnehmbar ist. „Die Lawine stinkt nicht“, hat es der Schweizer Lawinenforscher Werner Munter einmal beschrieben. Deshalb helfen klare Grundregeln, um Gefahren besser einzuschätzen.

Lawinengefahr erkennen: Steilheit als entscheidender Faktor

„Damit eine Lawine entsteht, braucht es drei Dinge“, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Der Hang muss steil genug sein, es braucht eine Schwachschicht in der Schneedecke und eine Störung. Diese Störung wird häufig von Wintersportlern selbst ausgelöst. Das Risiko lässt sich senken, wenn Hänge einzeln und mit Abstand befahren werden – nicht als Gruppe.

Die Schneedecke selbst zu analysieren erfordert Fachwissen und ist für Laien kaum möglich. Die Steilheit eines Hangs lässt sich dagegen einfacher einschätzen. Als Faustregel gilt: Lawinen entstehen meist erst ab etwa 30 Grad Gefälle. „Das sind Hänge, die man nicht mehr direkt aufsteigen kann, sondern nur noch quer und in Kehren“, so Winter.

Hilfreich sind Neigungskarten oder spezielle Apps. Der Alpenverein erklärt die Nutzung auf seiner Website. Winter empfiehlt außerdem die spendenbasierte App skitourenguru.com mit detaillierten Karten des Alpenraums. Auch auf alpenvereinaktiv.com gibt es entsprechende Karten.

Lawinengefahr ab Stufe drei: Steile Hänge meiden

Neben der Steilheit ist die Lawinengefahrenstufe entscheidend. Sie reicht von 1 bis 5 und ist im Lawinenlagebericht für einzelne Regionen angegeben. Die Berichte sind online abrufbar und hängen in vielen Skigebieten an Liftstationen aus.

Für unerfahrene Wintersportler sollte laut Winter spätestens bei Stufe drei Schluss mit Fahrten im freien, ungesicherten Gelände sein. „Ab Stufe drei keine Hänge über 30 Grad“, sagt er. Bei dieser Gefahrenstufe ereignen sich die meisten Lawinenunfälle.

Mit Neuschnee und bestimmten Wetterlagen steigt das Risiko zusätzlich. Der Deutsche Skiverband warnt vor erhöhter Gefahr bei starkem Wind, tiefen Temperaturen, aber auch bei Warmluft und intensiver Sonneneinstrahlung.

Warnzeichen bei Lawinengefahr: Geräusche und Risse im Schnee

Auch bei geringer oder mäßiger Gefahrenstufe gibt es Warnsignale. Dazu zählen sogenannte „Wumm“-Geräusche, wenn ein Hang gequert wird. Dabei handelt es sich um Setzungsgeräusche in der Schneedecke, die auf instabile Schichten hinweisen.

Warnzeichen sind auch Schneeschollen, die sich unter den Skiern lösen, oder kleine Risse im Schnee. „Dann gilt große Vorsicht“, sagt Winter. Wenn möglich, sollte man sofort umkehren und zurück auf die Piste fahren.

Spuren im Tiefschnee: Orientierung, aber keine Sicherheit

Sind bereits Spuren in einem Hang, bedeutet das nicht automatisch, dass er sicher ist. Häufig befahrene Hänge können zwar stabiler sein, weil Schwachschichten zerstört werden. Ein Restrisiko bleibt dennoch bestehen. Besonders dann, wenn Wintersportler links oder rechts der bestehenden Spuren in unberührte Hangbereiche fahren. Dort kann die Schneedecke instabil sein und eine Lawine ausgelöst werden.

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Winter rät, innerhalb bestehender Spuren zu bleiben und nicht gemeinsam abzufahren. Wichtig sei, einzeln zu fahren und keine neuen, unbefahrenen Schneefelder anzuschneiden. Wer anhält, sollte dies nicht mitten im Hang tun. Besser sind geschützte Stellen, etwa hinter Felsen, Bäumen oder auf flachen Geländekuppen. So wird man nicht mitgerissen, falls oberhalb eine Lawine ausgelöst wird.

Stefan Winter fasst seine Ratschläge bewusst einfach zusammen. Erstens: Spuren im Tiefschnee sind kein Garant für sichere Verhältnisse. Zweitens: Steile Hänge meiden, besonders ab Gefahrenstufe drei. Drittens: Nur mit erfahrenen Begleitern ins freie Gelände fahren. (dpa/vd)

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